Senior sells!

Einen unglaublichen Hype hat Deutschlands führende Werbeagentur Jung von Matt mit dem schrägen „Supergeil“-Video für Edeka ausgelöst. Bisher wurde der erst vor wenigen Tagen ins Netz gestellte Clip mehr als 1,8 Mio. mal abrufen und zählt damit schon jetzt zu den erfolgreichsten Werbekampagnen Edekas:

Supergeil

„Das Video ist eine musikalische Begegnung mit den Eigenmarken von Edeka”, sagte eine Sprecherin. „Ziel war es, die Vielfalt der Edeka-Eigenmarken auf humorvolle Art an ein jüngeres Publikum zu kommunizieren”, erklärte sie.

Protagonist der Video-Serie ist der 58-jährige Berliner Schauspieler Friedrich Liechtenstein, dem es dank seines Kult-Status, der sich bislang allerdings überwiegend auf Berlin beschränkte, und trotz seines etwas fortgeschrittenen Alters gelungen ist, genau dieses Ziel zu erreichen und besonders das Interesse einer jüngeren Zielgruppe auf die Supermarktkette zu lenken.

Das Video sei Teil der aktuellen Edeka-Eigenmarkenkampagne. „In der nächsten Woche starten im Rahmen dieser Kampagne der neue TV-Spot sowie begleitende Maßnahmen im Print- und Online-Bereich”, sagte die Sprecherin.

Wer nicht genug davon bekommen kann: hier gibts mehr …

Das Internet: Eine Welt der Jungen für Junge?

IMG_0116„Das gesamte Online-Business ist hauptsächlich von der jungen Generation gestaltet. Silver Surfer sind auf diesem Feld kaum beruflich tätig. Trotz Mafo werden die meisten Marketingentscheidungen immer noch nach eigenen Präferenzen, Vorlieben, Vorstellungen, Schönheitsempfindungen getroffen. Deswegen ist die Online-Welt eine Welt der jungen Menschen für junge Menschen.“, so die These von Daniel Telaar, Head of Concept bei Razorfish Healthware, nachzulesen im Leitartikel „Das volle Leben“ der Ausgabe 02/2014 von Lead Digital.

Ja, da ist was dran. Zwar sind längst die sogenannten Best Ager als zahlungskräftige und  -willige Klientel ausgemacht, die mit Macht ins Netz drängt. Merkliche Zuwächse bei der Internet-Nutzung sind insbesondere bei Personen ab 50 Jahren zu verzeichnen, die höchsten Zuwachsraten gibt es im Alter zwischen 60 und 69 Jahren, während die der 14 – 49-Jährigen stagnieren – allerdings auf sehr hohem Niveau. Je oller desto doller – bei der Netznutzung der Älteren trifft das zu. Und dennoch werden die Älteren im Digitalmarketing nicht wirklich beachtet.   Weiterlesen

Aktuell: 66 Prozent der „Silver-Surfer“ nutzen soziale Netzwerke

Kurzmitteilung

Für ältere Internet-Nutzer werden soziale Netzwerke immer wichtiger. Einer repräsentativen Erhebung des Branchen-Verbandes „Bitkom“ zufolge nutzen inzwischen 66 Prozent der über 65-jährigen Internet-Nutzer (die sogenannten „Silver-Surfer“) Plattformen wie Facebook oder Twitter. 2011 waren es nur 40 Prozent. Bei Nutzern im Alter zwischen 50 und 64 Jahren sind 68 Prozent bei mindestens einem Dienst angemeldet (2011 nur 60 Prozent).

Insgesamt haben 78 Prozent aller deutschen Internet-Nutzer bei mindestens einem sozialen Netzwerk ein Profil. 67 Prozent von Ihnen nutzen es aktiv – das bedeutet knapp 37 Millionen Deutsche.

Laut „Bitkom“ ist im Durchschnitt jeder Internet-Nutzer bei 2,5 sozialen Netzwerken angemeldet. Top-Netzwerker sind dabei Schüler und Studenten (93 Prozent). Unter Erwerbstätigen haben 84 Prozent Freiberufler und Selbstständige ein Profil im Netz. Aber auch 77 Prozent der Angestellten, 70 Prozent der Beamten und 68 Prozent der Arbeiter nutzen soziale Netzwerke.

 

Soziale Netzwerke – 10 Tipps wie Sie Menschen über 50 Jahre für sich begeistern!

Senioren am LaptopSoziale Netzwerke – Facebook, Twitter und Co – das ist nur was für junge Menschen!“ Das ist (zum Glück) ein Irrtum. Auch Menschen in der zweiten Lebenshälfte nutzen soziale Netzwerke. Vielleicht nicht ganz so intensiv wie jüngere – aber sie sind durchaus auch online aktiv. Allerdings sind ihre Ansprüche andere. Sie suchen Informationen oder wollen sich mit Gleichgesinnten austauschen. Und sie sind nicht so freizügig mit ihren privaten Daten.

Wenn Sie die älteren Jahrgänge über die allgemeinen sozialen Netzwerke erreichen wollen, dann sollten Sie ein paar Regeln beachten. Hier meine Tipps:

1. Sprechen Sie eine passende Sprache

Abkürzungen und Icons sollten Sie spärlich verwenden, auch englische Fachausdrücke, so geläufig sie Ihnen sein mögen, können verwirren.

2. In der Kürze liegt die Würze

Niemand will im Web seitenlange Artikel lesen, ältere Menschen schon gar nicht.  Fassen Sie sich kurz und behandeln Sie nur ein Thema pro Artikel.

3. Schreiben Sie „linear“ und etwas konservativ

Verschlungene Diagramme, vielfältige Verlinkungen, blinkende Eye-catcher, Infographics  – das mag alles in vielen Fällen wirkungsvoll und anerkannter „state-of-the-art“ sein, bei der Kommunikation mit Senioren ist es nicht zielführend.

4. Nehmen Sie Anregungen und Kommentare ernst

Ihre Kunden sagen Ihnen, was Sie erwarten. Wer intensiv zuhört, bzw. liest, wird viel über die Wünsche der Kunden erfahren.

5. Versprechen Sie nicht, was sie nicht halten können

Erfahrene Kunden wollen keine leeren Sprechblasen. Besser sagen: „Ich kann dieses nicht sofort beantworten – kümmere mich aber darum“ – als nur leere Worthülsen nutzen.

6. Bieten Sie einen Mehrwert im Netz

Das Internet ist eine schnelle Informationsquelle – daher sollten Sie Netzwerke für schnelle Informationen nutzen. Das kann auch ein begrenztes Sonderangebot sein. Man sollte die sozialen Plattformen zudem immer aktuell halten.

7. Achten Sie auf Rechtschreibung

Ganz wichtig: auch in der Onlinekommunikation sollte man höflich sein und die Rechtschreibung beherrschen. „Hingeschluderte“ Mails werden als Missachtung verstanden.

8. Seien Sie unverwechselbar im Netz

Ihr Stil und Ihr Auftritt, aber auch Ihre Sprache sollten einen Wiederkennungswert haben.

9. Finden Sie passende Themen

Erfahrene Menschen interessieren sich für andere Themen als Jugendliche. Gesundheit, Vorsorge, Reisen, Haus und Garten aber auch Online-Themen stehen oben auf der Liste der Interessen.

10.  Antworten Sie zeitnah

E-Mails oder Kommentare sollten schnell beantwortet werden. Als Richtschnur gilt: ein Arbeitstag.

Wenn Sie alle diese Tipps beachten, dann werden Sie im Internet schnell Freunde in den älteren Generationen finden.

Ein paar Zahlen zum Schluss aus dem (N)onliner Atlas (http://www.nonliner-atlas.de) aus dem Jahr 2012:

76,6 % der 50-59 jährigen sind online, bei den 60-69 jährigen sind es 60,4 %. Also durchaus ein große Gruppe, die man als Unternehmen nicht vernachlässigen sollte.
Und wer sich über spezielle Online-Plattformen für die älteren Generationen informieren will, findet hier eine Übersicht: http://list.ly/list/2bI-senioren-portale?feature=search

Sind Deutschlands Senioren für Social Media verloren?

Hört oder liest man heute etwas zum Thema “Zielpersonen von Social Media”, dann scheint es sich bei den Senioren um hoffnungslos unerreichbare und darum auch getrost vernachlässigbare Fälle zu handeln.

Das Senioren-Alter beginnt für viele Marketing- und Mediaplaner mit 50 Jahren. Nicht jedem ist dabei vermutlich klar, dass diese Gruppe 50+ die größte “Kohorte” in Deutschland ist (verglichen mit den beiden anderen Kohorten “0-19 Jahre” und “20-49 Jahre”).

2012 sind 34,2 Millionen Personen mindestens 50 Jahre alt, das sind 42% der Bevölkerung. Und diese Gruppe wächst stetig: in 20 Jahren wird jeder zweite Bundesbürger zu ihr gehören.

Nichtwissen, Vorurteile, Ignoranz und vielleicht auch Berührungsängste verhindern immer noch, dass dieser schon jetzt dominante Teil der Bevölkerung im rechten Licht gesehen wird. Das betrifft gerade das Thema neue Medien und Social Media.

Es wird einem aber auch schwer gemacht, denn die verwendeten Begriffe sind vielfältig und oft auch schwammig: Die Segmentierungen nach sogenannten “Generationen” (50+, 55+, 65+ usf.) beruhen meist eher auf erhebungstechnischen Abgrenzungen als auf sachlichen Zusammenhängen und Generations-Gemeinsamkeiten. „Peggi“ (für P=Persönlichkeit, E=Erfahrung, G=Geschmack, G=Geld, I=Interessen) war gut gemeint, aber hat sich nicht durchgesetzt, „Golden Ager“, “Best Ager” und „Silver Generation“ weisen auf das wirtschaftliche Potenzial, aber sie romantisieren und verstellen so den Blick.

Die Statistiker helfen ebenfalls nicht. Das Statistische Bundesamt (von dem hier öfter die Rede sein wird), unterscheidet in seinen Publikationen z.B. nur sehr grob die Altersgruppen „45-64 Jahre“ und „65 Jahre und älter“, der (N)Onliner Atlas trennt in 10er-Blöcken (…,50-59, 60-69, 70+), andere machen wieder andere Schnitte.

Bei soviel Bezeichnungs- und Segmentierungs-Babylon fällt es in der Tat schwer zu vergleichen und ein klares Bild zu gewinnen.

Eine differenziertere und auch einheitliche Segmentierung der Personengruppe über 50 Jahre wäre indessen überaus wünschenswert, hier seien nur 2 Gründe aufgeführt:

  • Schon 2010 waren über 20% der deutschen Bevölkerung 65 Jahre und älter, heute sind bereits über 10 Millionen Mitbürger mindestens 70 Jahre alt. (Hier ist eine gute Darstellung.) Eine so große Gruppe muss feiner segmentiert werden, will man nicht den typischen „Mittelwert-Fehler“ machen. Denn ganz offensichtlich sind etwa Bedarfe, Handlungsoptionen oder Einflussmöglichkeiten von 50-, 70- oder 90-jährigen Personen sehr verschieden.
  • Gerade die Phasen am „Lebensrand“ sind reich an einschneidenden Erlebnissen. In der Jugend sind das meist Erlebnisse, die mit „das erste Mal“ beginnen (Schule, Kuss, Führerschein etc.), im Alter sind es z.B. Rentenbeginn, Lebensversicherungs-Auszahlungen, Hypotheken-Ende, Krankheiten, Verluste. In solchen Wechselzeiten erfindet sich mancher mitunter neu und bricht mit langjährigen Gewohnheiten (Art des Wohnens, Fahrzeugwahl, Kleidung). Anderes wird beibehalten. Die Gruppe 50+ ist unterm Strich sehr viel dynamischer als die eher gleichmäßig alternde Gruppe der 25- bis 49-Jährigen.

In der aktuellen Mai-Ausgabe der Monatspublikation „Wirtschaft und Statistik“ des statistischen Bundesamts wird u.a. das Thema „Der Einsatz von Computer und Internet in privaten Haushalten in Deutschland, Ergebnisse der Erhebung 2011“ behandelt. Hier wird erkannt, dass der flächendeckende Einzug von Computer und Internet in den privaten Haushalten grosso modo stattgefunden hat, dass es aber auch noch Internet-Muffel gibt: „Es handelt sich dabei überwiegend um Einpersonenhaushalte, in denen Personen ab 65 Jahren leben. Die älteren Frauen sind dabei seltener mit Computer oder Internetzugang ausgestattet als die Männer in der gleichen Altersklasse.

Onliner in D 2011 nach Altersgruppen

Zum Glück stellt das Statistische Bundesamt auch die Basisdaten dieser Untersuchung zur Verfügung. Zusammen mit weiteren Quellen kann man durchaus ein modifiziertes Bild zeichnen.

Verteilung der Facebook-Nutzer in D Juni 2012

Verteilung der Facebook-Nutzer in D Juni 2012

Lt doubleclick ad planner von Google sind immerhin 8% der der facebook Community in D zwischen 55 und 64 Jahre alt und 2 % 65 Jahre oder älter.
Es stimmt, “je älter desto offline“, aber die Senioren holen auf!

Gerade am „hinteren Ende“ sind die großen Potenziale, nicht einfach rechnerisch, sondern faktisch:

  • In keinem anderen Alters-Segment sind die „Nutzungs-Planer“ so stark vertreten wie bei den 50+-Senioren (Quelle: Nonliner Atlas)
  • In keinem anderen Alters-Segment sind die Wachstumsraten der letzten 5 Jahre so stark (Quelle: Nonliner-Atlas)
  • Mit jedem Jahr wachsen neue Senioren aus der jüngeren Gruppe nach, die natürlich ihre Erfahrungen und Gewohnheiten in den 3. Lebensabschnitt mitbringen.

Und im europäischen Vergleich?

Während Deutschland in Sachen Internet-Nutzung in Europa meist einen unspektakulären Mittelplatz einnimmt – bei den Senioren liegt es im oberen Feld, in 2010 auf Platz 7: 41% der 65 – 74-jährigen in D waren Internetnutzer gegenüber 28% im EU-Mittel (Quelle: Sonderveröffentlichung des Statistischen Bundesamtes).

Und noch etwas wurde in dieser Untersuchung erkannt: „Wer das Internet aber erst einmal für sich entdeckt hat, ist häufig darin unterwegs. Von den 65- bis 74-jährigen Nutzern und Nutzerinnen waren 2010 im EU-Durchschnitt 62% „jeden bzw. fast jeden Tag“ online.“ (gleiche Quelle).

Besonders interessant ist, was die Senioren im Internet suchen und buchen.

Services und Funktionen, die Senioren 2011 im Internet genutzt haben.

Hier sind die Stichworte und Oberbegriffe mit den meisten Treffern, alles für die Zielgruppe 65+. Quelle ist wieder der Band 5/2012 aus der Reihe Wirtschaft und Statistik des statistischen Bundesamts.

Produkte und Leistungen die Senioren (65+) 2011 in D online gekauft / gebucht haben.

Die von den Seniorinnen und Senioren online getätigten Umsätze überschreiten bald die Milliarden-Schwelle. Wer diese Klientel als Online-Abstinenzler abtut geht an wachsenden Teilen des Marktes vorbei. Aktive User von schon jetzt 4 Millionen Personen darf man nicht übergehen. Diese Klientel will umworben und angemessen (!!) im Internet adressiert und betreut werden.

Und Social Media wird hier zunehmend wichtig. Schon jetzt sind 1,5 Millionen Rentnerinnen und Rentner auf den entsprechenden Portalen aktiv.

Fazit:

Internet-Muffel darf man die deutschen Seniorinnen und Senioren schon lange nicht mehr nennen. Nun erschließen sie sich auch die bisher den jüngeren vorbehaltene Domäne des Social Media. Statt sie als uninteressant abzustempeln, müssen Kommunikationsverantwortliche die Notwendigkeit einer zielgruppengerechten Ansprache der Generation 50+ gerade hier erkennen. Dabei muss man die Besonderheiten der Zielgruppe verstehen, ihre Bedarfe kennen und die Arten der angemessenen Ansprache beherrschen.

Die Senioren sind nicht verloren für Social Media, sie stehen am Anfang einer schrittweisen Erschließung, passend zu ihren Anforderungen, Wünschen, Einschränkungen und Bedürfnissen. Wer sie versteht, wird mit ihnen in interessante Dialoge treten können.

Es ist ganz klar: die Zukunft wird älter – das gilt gerade für facebook, twitter & Co!