Japan: Für immer jung oder das Kawaii-Syndrom

Japan ist eine alternde Gesellschaft. In wenigen Worten könnte man die Entwicklung auch mit „immer älter – immer weniger“ zusammenfassen. Das Land erlebt den schnellsten demografischen Wandel unter den führenden Industrienationen. Aktuell sind gut 23 Prozent der japanischen Bevölkerung über 65 Jahre alt, 2050 werden es laut offiziellen Prognosen fast 40 Prozent sein. Die heute noch junge Generation lässt sich deshalb aber noch lange keine grauen Haare wachsen. Denn vor dem Alter kommt erst einmal für manche die ewige oder zumindest verlängerte Jugend.

Quelle: Lrn carrozza, Kawaii fashion found in Tokyo, Japan

Quelle: Lrn carrozza, Kawaii fashion found in Tokyo, Japan

Welches kleine Mädchen träumt hierzulande nicht davon, eine Prinzessin im rosafarbenen Spitzen- und Schleifenkleidchen zu sein. Doch irgendwann wächst sich dieser Wunsch auch aus. Nicht unbedingt in Japan. Nur sind dort die Prinzessinnen nicht unter zehn, sondern über 20 Jahre alt. Vor einiger Zeit berichtete ein deutscher TV-Sender unter dem Motto „Auf der Suche nach der ewigen Jugend“ über die hime (Prinzessinnen) gyaru, die eine von vielen Ausdrucksformen eines ganz Japan prägenden kawaii-Syndroms sind. Doch was genau ist das und wie drückt es sich aus?

Wer sich mit Japan beschäftigt begegnet vielem, was wir gemeinhin als niedlich bezeichnen würden. Damit sind wir schon beim Kern der Sache. Denn kawaii bedeutet so viel wie „liebenswert“, „niedlich“ oder „süss“. Kawaii ist auch cool, wünschenswert, charmant und unschuldig. Es ist ein prominenter Aspekt der japanischen Popkultur, der Unterhaltung, Kleidung, Lebensmittel, des Spielzeugs, persönlichen Erscheinungsbildes, Verhaltens und der Manieren. Die Verehrung der Niedlichkeit stellt damit nicht nur einen immensen wirtschaftlichen Faktor dar, sondern hat auch eine solche Akzeptanz im Ausland gewonnen, dass sie zu einem wesentlichen Aspekt von Japans globalem Image geworden ist.  Weiterlesen