Ab in die Tonne – Ü60 in den Müllcontainer?

Tonne

Im Rahmen eines Studienprojektes zum Thema „Ü60 – Design für morgen“ hat der Designstudent Philipp Stingl einen Mini-Haushalt in einem Müllcontainer eingerichtet. Er studiert Industriedesign an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Das Studienprojekt beschäftigte sich mit dem Design für Menschen, die alt sind oder in Zukunft alt sein werden. Diese Tonne sei sozusagen sein Zukunftsszenario, so Stingl und weiter: „Na ja, wenn künftig also so viele alte Menschen Teil unserer Gesellschaft sind, dann kollabiert das Sozialsystem, die Leute werden ohne Rente verarmen und auf der Straße leben. Und damit sie dort leben können, gibt es dann eben diese „humanitären Hilfscontainer“. Die werden dann an irgendwelchen Plätzen aufgestellt, damit die Alten darin leben und vielleicht auch Rohstoffe sammeln können.“

Um es gleich vorwegunehmen: Die Aktion ist nicht ganz ernst gemeint. Stingl stellte bei seinen Recherchen fest, dass in der Diskussion über den demografischen Wandel immer sehr negativ argumentiert wird und wollte dies ein wenig überspitzen. Seine Tonne wurde auf der Kunst- und Gewerbemesse im Leipziger Grassimuseum ausgestellt. Die Reaktion auf das Werk reichte von erwartungsgemäß empörter Ablehnung bis zu Verständnis und sogar Lob.

Obwohl dieses Projekt mit einem Augenzwinkern vorgestellt wurde, sensibilisiert es doch  für Fragen nach der Zukunft unserer alternden Gesellschaft: Wird unser Sozialsystem unter dem Druck der demografischen Entwicklung tatsächlich kollabieren? Werden wir uns auf ein Altersprekariat einstellen müssen? Wie werden die nachfolgenden Generationen unter dem Eindruck eines zunehmend schwieriger zu erwirtschaftenden Lebensunterhalts mit den Älteren umgehen? Reicht es wirklich nur für einen Müllcontainer?

Von der Rentner-Mülltonne sind wir wohl zum Glück noch etwas entfernt. Aber der provokative Hinweis ist wertvoll. Denn nicht nur die Rentner müssen sich auf knappere Zeiten einstellen, sondern auch die Wirtschaft, die gerade lernt, in der Generation 50+ eine goldene Zukunft zu sehen. In einer Mülltonne ist wenig Platz für 3D-Flachbildschirme und Massagebetten. Wer hier auf besondere Absatzpotenziale hofft, sollte auch dazu beitragen, dass bis ins hohe Alter Kraft und Lust zum Kauf besteht. Wir vom ReifeNetzwerk sehen hier noch viel Nachholbedarf.