Grau dich – schließen wir jetzt Frieden mit dem Altern?

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Google Suchergebnis – Ist Grau das neue Blond?

Daniel Behrendt hat in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 27./28. August 2016 einen Beitrag veröffentlicht mit der Überschrift „Grau dich!“ .

Was in Amerika schon üblich ist – nämlich graue Haare nicht mehr zu färben – war in Deutschland lange kein Thema. Die Versuche von Anbietern entsprechender Haarpflegeprodukte waren erfolglos. Das könnte sich jetzt ändern und zwar durch ein 14-jähriges Mädchen namens Tavi Gevinson. Die US-Bloggerin hat schon 2010 den Look „Granny Hair“ vorgestellt. Jetzt scheint Grau auch in Deutschland allmählich seinen Schrecken zu verlieren.

Laut Daniel Behrendt fordert auch die Frauenzeitschrift Brigitte unter dem Titel „Graue Haare färben? Schluss damit!“ ihre Leserinnen auf, zu ihren grauen Haaren zu stehen. Bloggerinnen jenseits der 50 sollen Frisuren und Looks empfehlen, die graues Haar effektvoll in Szene setzt. Auch Haarkosmetikhersteller empfehlen, mit dem Färben aufzuhören und bieten Produkte an, damit die Haare glänzen und Spannkraft haben. Der Trend, so Behrendt, ist unübersehbar: Er geht vom Verstecken zum Verwöhnen.

Interessant ist, dass er sogar die Bibel zitiert. So steht im Buch der Weisheit „Graue Haare sind eine Krone der Ehre; auf dem Weg der Gerechtigkeit wird sie gefunden.“ Er führt dazu, es sei die wohlbekannte Ermahnung, Respekt vor dem Alter zu zeigen. Denn Alter kann auch Erfahrung und Klugheit bedeuten. Es kann auch bedeuten, bei sich angekommen zu sein, es nicht mehr jedem beweisen zu müssen. Und es kann auch bedeuten, nachsichtig zu sein mit den Jüngeren – und die Überholspur jenen zu überlassen, die noch glauben, es gehe immer nur bergauf im Leben.

Wie schön, dass der Autor dieser Zeilen die Grundforderung der Experten des ReifeNetzwerks so gut auf den Punkt gebracht hat. Ob sich in Deutschland allerdings der Trend zum grauen Haar so schnell durchsetzen wird, wage ich zu bezweifeln.
Solange Optik und soziale Anerkennung noch so stark korrelieren, ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Wir vom ReifeNetzwerk tun dies seit 10 Jahren und – was erfreulich ist – mit zunehmendem Erfolg.

 

Monika PröttMonika Prött ist Inhaberin der PRÖTT & PARTNER GbR – Ansprechpartner für anspruchsvolle Kommunikation, speziell in den Branchen Finanzen, Ernährungsindustrie, Gesundheitsmarkt. Sie hat „Das ReifeNetzwerk“ initiiert und die Deutsche Seniorenpresse Arbeitsgemeinschaft e.V. (dsp) mitgegründet.

Keine Lust auf Beige

In der Hannoverschen Allgemeine Zeitung vom 13. August 2016 habe ich einen Beitrag von Kerstin Hergt gelesen, der mir aus der Seele gesprochen hat.

Sie stellt darin ein Buch von Ari Set Cohen: „Advanced Style: Older & Wiser“ vor. Erschienen bei powerHouse Books, 272 Seiten, 23,99 Euro.

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Ari Seth Cohen: “Advanced Style”

Ari Seth Cohen ist ein New Yorker Blogger, der seit acht Jahren betagte Frauen und Männer fotografiert, die sich nicht in Beige kleiden, sondern einen zum Teil sehr extravaganten und farbigen Kleiderstil frönen. Das lässt auch für Deutschland hoffen und wer genau hinsieht, weiß, dass die These der Farbforscher der Bergischen Universität Wuppertal nicht unbedingt stimmen muss. Wollen sie doch, so Kerstin Hergt, den Beweis erbracht haben: „Mit zunehmendem Alter entfärbt sich der Mensch, weshalb Senioren bei der Kleidung das viel bespöttelte Rentnerbeige bevorzugen. Alte Menschen  wollten „optisch nicht laut“ sein, schussfolgerten die Wissenschaftler.“

Die Experten vom ReifeNetzwerk wissen, dass sich das Altersbild in den letzten Jahren sehr gewandelt hat. Gerade die jüngeren Älteren verstecken sich nicht mehr – weder in beiger Kleidung noch halten sie mit ihrer Meinung hinter dem Berg. Sie fordern Service und Dienstleistungen und ein Angebot, das ihren Wünschen entgegen kommt. Unsichtbarkeit gehört sicherlich nicht dazu.

 

Monika PröttMonika Prött ist Inhaberin der PRÖTT & PARTNER GbR – Ansprechpartner für anspruchsvolle Kommunikation, speziell in den Branchen Finanzen, Ernährungsindustrie, Gesundheitsmarkt. Sie hat „Das ReifeNetzwerk“ initiiert und die Deutsche Seniorenpresse Arbeitsgemeinschaft e.V. (dsp) mitgegründet.

Japan: Für immer jung oder das Kawaii-Syndrom

Japan ist eine alternde Gesellschaft. In wenigen Worten könnte man die Entwicklung auch mit „immer älter – immer weniger“ zusammenfassen. Das Land erlebt den schnellsten demografischen Wandel unter den führenden Industrienationen. Aktuell sind gut 23 Prozent der japanischen Bevölkerung über 65 Jahre alt, 2050 werden es laut offiziellen Prognosen fast 40 Prozent sein. Die heute noch junge Generation lässt sich deshalb aber noch lange keine grauen Haare wachsen. Denn vor dem Alter kommt erst einmal für manche die ewige oder zumindest verlängerte Jugend.

Quelle: Lrn carrozza, Kawaii fashion found in Tokyo, Japan

Quelle: Lrn carrozza, Kawaii fashion found in Tokyo, Japan

Welches kleine Mädchen träumt hierzulande nicht davon, eine Prinzessin im rosafarbenen Spitzen- und Schleifenkleidchen zu sein. Doch irgendwann wächst sich dieser Wunsch auch aus. Nicht unbedingt in Japan. Nur sind dort die Prinzessinnen nicht unter zehn, sondern über 20 Jahre alt. Vor einiger Zeit berichtete ein deutscher TV-Sender unter dem Motto „Auf der Suche nach der ewigen Jugend“ über die hime (Prinzessinnen) gyaru, die eine von vielen Ausdrucksformen eines ganz Japan prägenden kawaii-Syndroms sind. Doch was genau ist das und wie drückt es sich aus?

Wer sich mit Japan beschäftigt begegnet vielem, was wir gemeinhin als niedlich bezeichnen würden. Damit sind wir schon beim Kern der Sache. Denn kawaii bedeutet so viel wie „liebenswert“, „niedlich“ oder „süss“. Kawaii ist auch cool, wünschenswert, charmant und unschuldig. Es ist ein prominenter Aspekt der japanischen Popkultur, der Unterhaltung, Kleidung, Lebensmittel, des Spielzeugs, persönlichen Erscheinungsbildes, Verhaltens und der Manieren. Die Verehrung der Niedlichkeit stellt damit nicht nur einen immensen wirtschaftlichen Faktor dar, sondern hat auch eine solche Akzeptanz im Ausland gewonnen, dass sie zu einem wesentlichen Aspekt von Japans globalem Image geworden ist.  Weiterlesen