BMFSFJ: Senioren – ein unbedeutendes Nebenthema?

Breites Aufgabenfeld
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, kurz BMFSFJ, hat thematisch keinen so scharfen Rand, wie etwa das Verteidigungs- oder das Außenministerium.
Vieles, was nicht explizit zu den vier Begriffen des Namens gehört, muss oder sollte zumindest ebenfalls vom BMFSFJ betreut und behandelt werden. Die Lebenssituation von Randgruppen etwa, Behinderte, Flüchtlinge oder Homosexuelle ist so ein nicht konkret benannter, aber doch relevanter Themenkomplex. Auch das Zusammenleben von Generationen, das Anerkennen und Fördern von freiwilligem Bürger-Engagement oder die Radikalismus-Prävention – in welchem anderen Ressort sollte man sich um diese Themen kümmern?
Man kann dem BMFSFJ also nicht vorwerfen, dass es regelmäßig über den engen Kreis der vier Buchstaben hinausgeht und sich weiteren aktuellen Themen und Problemen zuwendet. Es ist gut, dass das geschieht.

Senioren abgeschrieben?
Verwundert darf man aber doch sein, wenn ein explizit im Namen genanntes Thema anscheinend so gar keine Relevanz im Ministerium hat. Die Rede ist von den Senioren. Natürlich findet man auf der Webseite zu den Senioren einiges. Doch Menüs von Webseiten sind geduldig. Hinter ihnen kann man vieles verstecken, auch die Leere.
Womit beschäftigt sich das Ministerium wirklich? Was ist der Ministerin wichtig? Es sind die Themen, mit denen sie in die Medien geht.  Also haben wir die Pressemitteilungen des Hauses ausgewertet.
In der laufenden Legislaturperiode hat das BMFSFJ 298 Pressemitteilungen herausgegeben (Stand 10.4.2016). Davon hatten 9 die Senioren zum Thema. Von diesen 9 Mitteilungen bezogen sich 6 auf Programme rund um Alzheimer und Demenz und 3, alle aus 2016, auf demografische Erkenntnisse des statistischen Jahrbuchs und die (durchaus interessante) Broschüre „Ältere Menschen in Deutschland und der EU“.
Von den anderen 289 Pressemitteilungen hatten 105 „Jugend“ (vornehmlich im Sinne von „Kinder“) als Thema, 70 „Frauen“ und 56 „Familie“. 58 Pressemitteilungen bezogen sich auf eines der oben genannten sonstigen Themen.

161004-schwesig-pressemitteilungenDiese Schieflage, und anders kann man die aktuelle Fast-Bedeutungslosigkeit des Senioren-Themas in den Pressemitteilungen des BMFSFJ ja nicht bezeichnen, ist keine schon lange geübte Praxis.
Die Vorgängerinnen im Amt, Frau Schröder und Frau Von-der-Leyen gaben dem Senioren-Thema in ihrer Arbeit deutlich mehr öffentliche Bedeutung und Aufmerksamkeit, als dies unter Frau Schwesig der Fall ist.

Alles nur ein anderer Kommunikationsfokus?
Die Frage ist allerdings: ist diese neue „Vernachlässigung“ nur scheinbar, nur kommunikativ? Es könnte ja sein, dass die Pressemitteilungen lediglich widerspiegeln, womit man besonders hell und strahlend gesehen werden möchte. „Positionierung“ sagt man dazu im Marketing. Auch Politiker dürfen das.
Ist also alles nur eine etwas verschobene Fassade, die Arbeit an der Sache selbst läuft möglicherweise wie bisher? Alles geht ungeschmälert weiter, kein Programm, keine Studie, keine Förderung und keine interne Abteilung mit Fokus auf Senioren haben unter Ministerin Schwesig unverhältnismäßige Einbußen erlebt?
Ist es so? Oder ist unser Argwohn berechtigt, nämlich dass Senioren zwar noch an zweiter Stelle im Namen des Ministeriums stehen, aber irgendwo weit hinten, wenn es um Mittel und Maßnahmen geht?
Wir sind unsicher und erhalten hierzu gemischte Signale von den Kollegen.

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peter-apelÜber Peter Apel

Autor, Blogger und Sprecher. Ich schreibe gerne über Trends und Entwicklungen im digitalen Umfeld. Ich liebe Bewegung und Veränderung. Gute Innovationen können mich begeistern.
Privat bin ich Partner, Vater, Großvater und Freund. Ich segle und radle gern – in Deutschland wie in Frankreich.

http://www.peter-apel.de

Deutscher Alterssurvey: Der Blick auf das eigene Älterwerden ist positiver und zuversichtlicher geworden

Am 7. Juni 2016 stellte die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig gemeinsam mit Prof. Dr. Clemens Tesch-Römer, Leiter des Deutschen Zentrums für Altersfragen, den Deutschen Alterssurvey 2014 vor.

Deutschland ist ein Land mit einer hohen Lebenserwartung. Neugeborene Mädchen haben derzeit eine durchschnittliche Lebenserwartung von 83 Jahren, Jungen von 78 Jahren. Menschen um die 40 Jahre, die also in der Mitte des Lebens stehen, haben im Schnitt noch vier Jahrzehnte in der zweiten Lebenshälfte vor sich.

Was ist der Deutsche Alterssurvey?

Der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Deutsche Alterssurvey ist eine bundesweit repräsentative Studie mit Menschen, die 40 Jahre und älter sind. Erhebungen fanden in den Jahren 1996, 2002, 2008, 2011 und aktuell 2014 statt. In Interviews geben die Befragten Antworten zu ihrer Lebenssituation, zu gesellschaftlicher Teilhabe und nachberuflichen Aktivitäten. Es geht um ihre wirtschaftliche Lage, ihre Wohnsituation, um familiäre und sonstige soziale Kontakte sowie um Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensziele.

Die aktuellen Ergebnisse lassen sich mit Daten der letzten 20 Jahre vergleichen – so wird der Deutsche Alterssurvey zur wichtigsten Langzeitstudie über das Älterwerden in Deutschland und ist eine Fundgrube für wertvolle Informationen zur Lebenssituation in der zweiten Lebenshälfte.

Zentrale Ergebnisse des Deutschen Alterssurveys 2014 sind:

  • Der Blick auf das eigene Älterwerden ist positiver und zuversichtlicher geworden.
  • Ältere Menschen sind trotz sich verändernder Beziehungsstrukturen gut sozial eingebunden.
  • Immer mehr Ältere sind erwerbstätig, viele schaffen aber noch immer keinen nahtlosen Übergang von der Erwerbstätigkeit in die Rente.
  • Die Erwerbbeteiligung von Frauen steigt, dies bringt aber auch neue Herausforderungen der Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf mit sich.
  • Hinsichtlich der materiellen Lage gibt es weiterhin deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen.
  • Die Gesundheit hat sich seit 2008 nur bei den Älteren ab 65 Jahren weiter verbessert, Jüngere haben dagegen 2014 mehr gesundheitliche Einschränkungen.

Der Bericht zum Deutschen Alterssurvey 2014 sowie eine Broschüre mit zentralen Befunden ist auf der Internetseite des Deutschen Zentrums für Altersfragen abrufbar.

 

Monika PröttMonika Prött ist Inhaberin der PRÖTT & PARTNER GbR – Ansprechpartner für anspruchsvolle Kommunikation, speziell in den Branchen Finanzen, Ernährungsindustrie, Gesundheitsmarkt. Sie hat „Das ReifeNetzwerk“ initiiert und die Deutsche Seniorenpresse Arbeitsgemeinschaft e.V. (dsp) mitgegründet.

Ministerin Schwesig für Senioren nicht zuständig?

Ministerin SchwesigIst Manuela Schwesig nur für das Thema „Familie“ im Amt? Sind die anderen Themen, insbesondere „Senioren“, für sie bestenfalls Prio 2? Zu diesem Eindruck kann kommen, wer die jüngsten Pressemitteilungen und Meldungen unter der Rubrik „Aktuelles“ aus dem Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) verfolgt.

Sucht man auf der Webseite des Ministeriums ganz neutral nach „Meldungen“, so stellt man erstaunt fest, dass alle knapp 80 Treffer seit Amtseinführung der neuen Ministerin am 17.12.13 dem Bereich „Familie“ zugeordnet sind. Dies mag ein vorübergehender Ausdruck einer neuen Kategorisierung sein, die noch im Umbruch ist. Doch die dort angesprochenen Themen sind in der Tat sehr „familienlastig“ – Themen zu Senioren finden sich da jedenfalls gar nicht.

Gleiches gilt für die 6 Pressemitteilungen des BMFSFJ bis 12.2.14. Einziger Bereich bisher: „Familie“. Liest man die Inhalte, dann geht es oft um Kinder, um kinderlose Paare sowie um Chancengleichheit von Frauen und Männern. Alles wichtig und berechtigt – aber Senioren kommen nicht vor.

Bei Frau Schröder (17. Legislaturperiode) war das anders: knapp 145 Meldungen und PM zum Thema „ältere Menschen“. Unter Frau von der Leyen (16. Legislaturperiode) kam das BMFSFJ auf 107 PM und Meldungen zu dem Thema. Beide Ministerinnen hatten sich dabei den Senioren schon früh in ihrer Amtszeit zugewandt.

Ministerin Schwesig hat ihre 100 Tage noch nicht hinter sich, mit Kritik soll man also vorsichtig sein. Und es mag durchaus sein, dass sie es mit Obama hält: „The best is yet to come.“ Aber ein wenig Sorge bereitet die bisherige thematische Schieflage schon. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, die Ministerin verschiebe hier bewusst und engagiert die Prioritäten. Das ist für die negativ betroffenen Gruppen immer schlecht. Doch angesichts des demografischen Wandels (auch wenn manche(r) das Wort schon nicht mehr hören mag) ist es auch für unser Land mehr als bedenklich.

Hoffen wir also, das dies alles nur ein unrepräsentativer, schiefer erster Eindruck ist, der schnell vergeht. Aber ein aufmerksames Auge werden wir nun schon drauf haben.