Immer größerer Einfluss älterer Wähler!

Bundestagswahl 2017+Bei der Bundestagswahl 2017 war die Hälfte der Wähler älter als 50 Jahre und über ein Drittel älter als 60 Jahre – ein Trend, der sich durch den demografischen Wandel zukünftig noch verstärken wird. Schon jetzt ist der Anteil der über 70-jährigen Wahlberechtigten besonders angestiegen.

Das überraschende Ergebnis der Bundestagswahl – 33% für
die CDU/CSU und 13% für die AfD – ist also deutlich mit beeinflusst durch die älteren Wähler. Denn weitere Fakten sprechen für die Macht der Älteren.

Wie wählen die Älteren?
Traditionsgemäß wählen Jüngere eher links und Ältere eher rechts. Das ist jetzt zwar sehr vereinfacht formuliert, hat aber psychologisch einen wahren Kern. Denn mit zunehmendem Lebensalter wird man von der Grundeinstellung her konservativer (im Sinne einer Bewahrung des Erreichten, einer reduzierten Risikobereitschaft und einem zunehmenden Sicherheitsbedürfnis). Und diese Werte werden von rechten Parteien eher repräsentiert als von linken.

Vergegenwärtigt man sich außerdem, dass die Wahlbeteiligung bei Älteren viel höher ist als bei Jüngeren, verstärkt dies noch den Einfluss der Älteren.

Warum wurde die AfD drittstärkste Partei?
Dass die AfD nun mit einem zweistelligen Wahlergebnis in den Bundestag einzieht, ist sehr bedauerlich, aber unter anderem auch mit dem Einfluss der Älteren erklärbar.
Ich glaube, dass viele AfD-Wähler die Flüchtlingsproblematik in Deutschland sehr ernst nehmen und aus bereits angedeuteten Gründen (Angst vor Überfremdung, vermeintlich gefährdete Sicherheitslage etc.) die Partei gewählt haben, die ihre Sorgen und Ängste thematisiert hat. Nationalsozialistisches Gedankengut darf man der Mehrheit der AfD-Wähler (im Gegensatz zu manchen Spitzenpolitikern dieser Partei) sicher nicht unterstellen.

Bezeichnend ist auch, dass das prozentuale Ergebnis der AfD im Osten doppelt so hoch ist wie im Westen Deutschlands. Denn dort ist ja bekanntlich das Durchschnittsalter der Wähler höher als im Westteil der Republik.

Die aktuell veröffentlichten Wanderungsbewegungen zeigen auch, dass die AfD die meisten Stimmen (über eine Million) von früheren CDU-Wählern bekommen hat, die ja auch eher zum älteren Teil unserer Bevölkerung gehören. All dies sind Erklärungsansätze für den Wahlerfolg der AfD.

Was lernen wir daraus?
Die demokratischen Parteien Deutschlands tun gut daran, in Zukunft die Sorgen und Ängste der älteren Bevölkerung (und da gibt es noch mehr als die genannten) ernst zu nehmen bzw. deren Berücksichtigung in der Politik besser und deutlicher als bisher zu kommunizieren. Denn nur wenn sich die wachsende Zahl älterer Wähler mit ihren begründeten Zukunftsängsten in einer der etablierten Parteien gut aufgehoben fühlt, ist unsere Demokratie nicht in Gefahr.