Neulich am Flughafen …

Dass man sich als junger Mensch nur schlecht in die Situation älterer Menschen hineinversetzen kann, ist bekannt. Das ist ja auch einer der Gründe, warum die heutige Generation junger Werbefachleute oder Marketingverantwortlicher so oft Probleme hat, Produkte und Dienstleistungen seniorengerecht zu gestalten oder Werbung zu machen, die bei Älteren „ankommt“.

Alters-Simulationsanzug

Alters-Simulationsanzug, Foto: Fraport AG

Im konkreten Fall ging es darum, einen großen Flughafen seniorenfreundlicher zu gestalten. Also ließ SENIOЯRESEARCH junge Leute in einen „Alters-Simulationsanzug“ schlüpfen, die sich dadurch wie 70- oder 80-Jährige fühlten. Plötzlich ist man in seiner Beweglichkeit eingeschränkt und findet jede körperliche Anstrengung mühsam; man hört schlecht, hat eine eingeschränkte Sicht und eine veränderte Farbwahrnehmung.

Wir konnten dadurch viele Ursachen für körperliche Belastungen sowie Wahrnehmungs- und Orientierungsprobleme von Senioren im Flughafen ermitteln. Viel interessanter waren jedoch die emotionalen Auswirkungen solcher Beeinträchtigungen. Denn interessanterweise hatten die Handicaps massive Einflüsse auf die gefühlsmäßige Befindlichkeit der jungen männlichen und weiblichen Anzugträger: Sie entwickelten aufgrund der eingeschränkten Beweglichkeit und des verengten Gesichtsfeldes sehr schnell ein starkes Unsicherheitsgefühl. Sie konnten die eigenen körperlichen Dimensionen und Fähigkeiten nicht mehr richtig einschätzen, bekamen Ängste und verhielten sich übervorsichtig. Und das stark verminderte Hörvermögen führte nicht etwa zu verstärkten Höranstrengungen, sondern im Laufe der Zeit zu einer gewissen Gleichgültigkeit.

Zum erwähnten Unsicherheitsgefühl kam noch das Gefühl, isoliert und ausgegrenzt zu sein. Sehr schnell kann sich da ein Minderwertigkeitsgefühl entwickeln, das in Verbindung mit dem Erleben des Überfordert-Seins zu einer gefährlichen Mischung aus Gleichgültigkeit und Unberechenbarkeit führen kann.

Mein Garten – ein Ort voller Lebensfreude

GartenDie neue Broschüre des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Niedersachsen-Bremen e.V.  ist ein gutes Beispiel, wie man die Bedürfnisse reifer Menschen ganz subtil berücksichtigt, sei es durch Auswahl der Sprache, der Bilder oder der Empfehlungen. Schön ausdrückt ist das durch den Slogan auf der ersten Seite: „Der Garten – ein Ort, an dem ich ewig jung bleibe“.

Die Broschüre „ Mein Garten – ein Ort voller Lebensfreude “ wendet sich an alle Gartenliebhaber, hat aber einen starken Fokus auf die älteren Gartenbesitzer, wohl wissend, dass der Garten bei Menschen ab 50 eine sehr hohe Priorität hat.

Unter der Überschrift „Veränderungen planen“ ist zu lesen, dass rund 62 Prozent der über 70-Jährigen sich in ihren Bewegungsabläufen eingeschränkt fühlen. Der Vorschlag einer altersgerechten Umgestaltung des Gartens ist sinnvoll und kann in kleinen Schritten erfolgen. Wie das aussehen kann, wird in der Broschüre ausführlich und reich bebildert gezeigt.

Das ReifeNetzwerk freut sich, dass seine Vorschläge zur Ansprache und Gestaltung in dieser Broschüre vorbildlich umgesetzt wurden (www.galabau-nordwest.de).