Von Struktursuchenden und Auflebenden

Der demografische Wandel stellt Unternehmen vor einige Herausforderungen. Wie ticken die älteren Verbraucher? Wie unterscheiden sie sich von anderen Marketingzielgruppen? Und wie können Marken diese heterogene Gruppe am besten erreichen?

Die Marketingzielgruppe der Best Ager ist aus dem Visier vieler Marketingverantwortlichen verschwunden. Entweder weil man glaubt, sie wie andere Verbraucher behandeln zu können. Oder weil es in der digitalisierten und schnelllebigen Zeit drängendere Probleme gibt. Trotzdem sollte man sich mit dieser Zielgruppe auseinandersetzen und genauer hinschauen, wie diese Verbrauchergruppe aussieht. Eines ist dabei klar: Egal, ob man ältere Verbraucher als Zielgruppe 50+ oder als Best Ager bezeichnet – unter Marketinggesichtspunkten kann dies keine Zielgruppe sein, weil sie zu groß und zu heterogen ist. Und sie wird laufend größer. Der frühzeitige Renteneintritt und die erhöhte Lebenserwartung haben hierzulande den Personenkreis derjenigen ab 50 Jahren, die nicht mehr erwerbstätig sind, schon heute auf circa 20 Millionen Menschen anwachsen lassen. Für Marketingzwecke muss man diesen auf die wirklich interessanten älteren Verbraucher reduzieren. Die Personen zwischen 50 und 65 Jahren sind uninteressant. Sie verhalten sich nicht anders als die unter 50-jährigen. Psychologisch interessanter sind die Konsumenten kurz nach dem Renteneintritt und diejenigen, die sich mit ihrem Ruhestand angefreundet haben.

Nach Renteneintritt startet die Struktursuche

Der Renteneintritt ist nicht nur ein einschneidendes Ereignis, sondern wirft bei den meisten Betroffenen die gesamte Erlebniswelt durcheinander: Der vorher festgefügte Tagesablauf fehlt plötzlich, das soziale Umfeld bricht auseinander, frühere Arbeitskollegen sind nicht mehr an einem interessiert, das Geld reicht nicht mehr, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Die Verbraucher in dieser Situation müssen sich emotional und ökonomisch umstellen. Sie müssen ihren Tagesablauf neu strukturieren, suchen sich andere Betätigungsfelder, entwickeln neue Interessen und manchmal müssen sie sogar das Zusammenleben mit ihrem Lebenspartner neu erlernen. Denn für den Partner ändert sich die Erlebnissituation ebenso – egal, ob er noch berufstätig ist oder schon im Ruhestand lebt. Diese Zielgruppe – nennen wir sie die Struktursuchenden – ist dankbar für Produkte und Dienstleistungen, die ihnen bei der Neuorientierung helfen. Den Struktursuchenden ist es wichtig, dem Leben einen neuen Sinn zu geben, den Tagesablauf wieder in geregelte Bahnen zu fügen und die Unsicherheit mit der neuen ungewohnten Situation zu überwinden.

Ruhestand: Irgendwann arrangiert man sich

Wenn man dann den Renteneintritt verdaut hat und sich mit der Situation im Ruhestand angefreundet hat, entdeckt man, dass diese Lebenssituation auch Vorteile hat. Man kann jetzt ein selbstbestimmtes Leben führen, will die Zeit im Ruhestand genießen und meint auch, einen Anspruch darauf zu haben. Die Möglichkeit altersbedingter Krankheiten verdrängt man, solange es einem gesundheitlich gut geht bzw. der Alltag nicht durch Gesundheitsbeschwerden eingeschränkt wird. Dies betrifft eine relativ lange Lebensphase: Die Altersspanne reicht meist von etwa 65 Jahren bis über 80 Jahren.

Diese Zielgruppe – nennen wir sie die Auflebenden – fühlt sich in der Regel wohl und möchte die Annehmlichkeiten des Lebens auskosten. Diese älteren Verbraucher sind Neuem gegenüber aufgeschlossen und probieren auch das eine oder andere aus. Sie genießen ihre neu gewonnene Freiheit, sind mit ihrer Lebenssituation zufrieden und tun alles dafür, dass dieser Zustand möglichst lange anhält. Dafür sind sie auch bereit, im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten Geld auszugeben. Die Männer und Frauen in dieser Lebensphase möchten ihr Leben aber auch sinnvoll gestalten, vielleicht noch einem Nebenverdienst nachgehen, ehrenamtlich tätig sein oder sich um die Enkelkinder kümmern. Sie wollen keine Rentner auf dem Abstellgleis sein, sondern nützliche Mitglieder der Gesellschaft bleiben und das Gefühl haben, gebraucht zu werden.

Grundmotiv dieser Zielgruppe ist es, so gut und so lange wie möglich noch etwas vom Leben zu haben. Das kann sich in vielerlei Hinsicht äußern: im Wunsch, einen angenehmen und bequemen Alltag zu haben, zum Beispiel den häuslichen Komfort zu optimieren und eine neue Küche oder ein größeres Fernsehgerät zu kaufen. Oder man will mobil bleiben, zum Beispiel wandern oder mit dem E-Bike in die Natur fahren. Oder man hat das Bedürfnis, Neues zu erleben, zum Beispiel durch Kreuzfahrten, Busreisen oder den Besuch kultureller Events.

Natürlich will man auch gesund bleiben, denn Gesundheit und Fitness tragen dazu bei, dass dieser angenehme Zustand anhält. Einerseits legen insbesondere Frauen im Ruhestand Wert auf eine gesunde Ernährung mit frischen Lebensmitteln, kalorienarmen Produkten oder Nahrungsergänzungsmitteln. Andererseits betätigt man sich oft sportlich, geht Wandern, macht Gymnastik oder ist im Fitnessstudio aktiv. Vorsorgeuntersuchungen oder regelmäßige Arztbesuche sind ebenfalls Ausdruck des Wunsches, gesund zu bleiben.

Bitte keine Seniorenwerbung!

Bei der Frage, wie die aktiven Älteren werblich angesprochen werden können, sind schon viele Fehler gemacht worden. Seniorenwerbung führt nur zur Reaktanz und Ablehnung. Ältere Verbraucher wollen (in ihren Augen) ganz normal adressiert werden. Ihr Alter darf nicht thematisiert werden. Sie fühlen sich dann angesprochen, wenn sie ihre Wünsche und Bedürfnisse in den Kampagnen wiederfinden. Das heißt: Wenn sie als ältere Verbraucher oder Nutzer abgebildet werden, dann so wie sie gerne selbst wären (sympathisch und attraktiv) und sich fühlen (mindestens zehn Jahre jünger). Produktabbildungen sollten wünschenswerte Produkte in einer Art und Weise zeigen, die den Benefit klar und deutlich symbolisieren. Verbale Hinweise sollten sparsam eingesetzt werden und eine einfache Botschaft verbreiten. Dies alles darf durchaus in einer Geschichte verpackt sein und humorvoll inszeniert werden. Auf keinen Fall dürfen Anzeigen, TV- oder Radio-Spots mit zu vielen Aussagen überfrachtet sein, denn Wahrnehmungsgeschwindigkeit und Multitasking-Fähigkeit sind im Alter reduziert. Die Werbung muss auch authentisch, ehrlich und wahrheitsgetreu wirken, denn gerade ältere Verbraucher sind allergisch gegenüber Kommunikation, der man sofort die Verkaufsabsicht ansieht. Und wie steht es mit dem Internet? Obwohl die Internetnutzung Älterer in den vergangenen Jahren enorm zugenommen hat und weiter steigen wird, sind die Möglichkeiten der Online-Werbung bei diesen Zielgruppen eingeschränkt. Zwar sind inzwischen zwei von drei über 70-Jährige online, sie nutzen das Internet aber anders als Jüngere. Ältere Internetnutzer kommunizieren mit anderen hauptsächlich über E-Mail und selten über WhatsApp oder soziale Netzwerke. Sie nutzen das Internet vor allem zur Informationssuche über besonders interessierende Themen (Nachrichten, Reiseauskünfte, Gesundheitsthemen u.ä.). E-Commerce spielt bei ihnen noch keine große Rolle. Internetwerbung wird vor allem dann abgelehnt, wenn man unaufgefordert mit ihr konfrontiert wird und sich ihr hilflos ausgeliefert fühlt. Das Internet als Werbemedium für ältere Zielgruppen wird meist überschätzt. Erreicht werden können diese Verbraucher besser über klassische analoge Medien.

Nach nur einer Ausgabe: Best Ager-Magazin Spiegel Classic eingestellt

Wie Horizont meldet, hat der Spiegel Verlag seine Best Ager-Zeitschrift Spiegel Classic nach nur einer Ausgabe eingestellt. Die Meedia Redaktion meint dazu: „Offenbar waren die Verkaufszahlen des mit einer Auflage von 165.000 Exemplaren gestarteten Titels so desaströs, dass ein Relaunch nicht in Frage kam … Verlagsleiter Michael Plasse bestätigte die Informationen des Frankfurter Branchendienstes. Im Horizont-Artikel heißt es mit Bezug auf den Spiegel-Manager: ‚Zum Mut etwas auszuprobieren gehöre auch der Mut zu scheitern und sich das Scheitern einzugestehen, so jedenfalls will das der Verlag interpretiert wissen. Entmutigt zeigt er sich dennoch nicht. An diesem Freitag startet er, wenngleich nur testweise, das nächste Printmagazin: Spiegel Fernsehen.‘ “

Meedia sieht für das Scheitern weitestgehend hausgemachte Probleme: „ … ist weder Fisch noch Fleisch und erscheint ungeeignet, die schwierige und anspruchsvolle Käuferschaft der Generation 50plus zu überzeugen. Das leider vom Markt genommene Viva! von Gruner + Jahr hat die Aufgabe bereits vor Jahren in allen Belangen besser gelöst und dennoch nicht überdauert. Der Spiegel hat – und das ist die positive Nachricht – mit der neuen Zeitschrift eine Antwort auf Print-Rezession und Umsatzschwund gesucht, sie aber mit Spiegel Classic (noch) nicht gefunden. Selbst eine betagte Zielgruppe dürfte ein deutlich längeres Leben haben als dieses Magazin.”

Wenn man einmal die beabsichtigte Ausrichtung, Zitat: „ … richtet sich an gestandene Leserinnen und Leser, die Informationen über das alltägliche  Nachrichtenangebot hinaus suchen … SPIEGEL CLASSIC-Leser sind gebildet, neugierig und einkommensstark”, mit dem Inhaltsverzeichnis der ersten Ausgabe abgleicht, kommt man schon ins Staunen, wie weit Anspruch und redaktionelle Wirklichkeit auseinanderliegen können.

SpiegelClassicInhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis Spiegel Classic, Screenshot spiegel.media

Viel Rückwärtsgewandtes und kaum ein aktuelles Thema lassen befürchten, dass hier eine Mannschaft am Werk war, die ihre Zielgruppe(n) nur vom Hörensagen kennt. Sie haben nicht verstanden, dass die über 50-Jährigen in der Regel mit beiden Beinen im Leben stehen, fit und aktiv sind und auch mit weit über 70 Interesse an aktuellen Themen haben. Die Vergangenheit betrachten sie nur als einen Ausschnitt, nicht aber als den Schwerpunkt ihres Lebens. Bleibt nur zu hoffen, dass der nächste Launch eines 50plus-Magazins die tatsächlichen Bedürfnisse seiner Leserschaft berücksichtigt oder dass sich die Redaktion zumindest das fehlende Know how von erfahrenen Beratern aus dieser Zielgruppe einholt.

 

10 Jahre ReifeNetzwerk: Der Absatz- und Personalmarkt für Ältere nimmt an Fahrt auf

RNW-Logo-10JahreVor zehn Jahren, am 17. November 2005, gründete ich mit Kolleginnen und Kollegen in Hannover das ReifeNetzwerk. Das gemeinsame Ziel war, Unternehmen beim Einstieg in den wichtigen und wachsenden Markt für ältere Menschen zu unterstützen, da diese (Ziel-) Gruppe sowohl als Konsumenten als auch für den Arbeitsmarkt immer wichtiger wird. Also weg von der Fokussierung auf den Jugendmarkt hin zu den Älteren, die andere Bedürfnisse und Erfordernisse haben als die Jungen, aber treibende Kräfte in Wirtschaft und Gesellschaft sind.

Vor zehn Jahren wurden die Expertinnen und Experten des ReifeNetzwerks noch als Exoten angesehen. Doch das hat sich im Laufe der Jahre geändert. Älterwerden ist ein sensibles Thema. Menschen ab 50 – sogenannte Best Ager – wollen nicht über das Alter angesprochen werden. Wie wichtig die richtige Ansprache ist, zeigen Studien, die unter anderem auch vom ReifeNetzwerk durchgeführt wurden. So wurde auch der Begriff PEGGI’s kreiert. Das bedeutet: Persönlichkeit – Erfahrung – Geld – Geschmack und Interessen. Der Begriff hat sich zwar nicht durchgesetzt, die Bedeutung aber schon. Um es kurz zu machen: die Ansprache über das Alter funktioniert – von einigen Ausnahmen abgesehen – ab Mitte 70. Davor empfiehlt sich die Ansprache über Interessen und Themen wie Sicherheit rund um das Haus, Barrierefreiheit, Gesundheit und komfortables Reisen. In allen Fällen gilt: Angebote und Produkte dürfen nicht den Anschein erwecken, Lösungen für Alter, Krankheit oder Gebrechlichkeit zu sein. Hier haben Unternehmen eine Menge dazu gelernt, auch – so hoffen wir – durch unsere Arbeit.

Die Digitalisierung verändert die Welt
Die zunehmende Digitalisierung und Komplexität in Wirtschaft und Beruf ergeben ganz neue oder andere Bedürfnisse und Erfordernisse. So werden so „alte Tugenden“ wie Beratung und Service bei den Konsumenten wieder ganz groß geschrieben. Wenn sich heute eine Frau Anfang 60 ein neues Telefon kauft, möchte sie kein Seniorentelefon, das sie stigmatisieren könnte, sondern ein schickes Mobiltelefon. Wenn sie keine Kinder oder Enkel hat, die ihr die Bedienung erklären, möchte sie eine kompetente Beratung, die ihr nicht das Gefühl gibt, sie sei ein wenig beschränkt. Das Gefühl wird einem durchaus vermittelt, wenn man an einen smarten Verkäufer gerät, der zwar lauter, aber nicht verständlicher spricht. Das Thema lässt sich auf alle Bereiche ausdehnen.

Beispiel Beipackzettel – sei es bei Medikamenten oder bei Kosmetik: sie sind so klein oder unverständlich, dass nicht nur Ältere zumindest eine Brille braucht, um sie lesen zu können. Einige Unternehmen haben das erkannt und gehen hier mit gutem Beispiel voran – ein Beweis, dass Probleme lösbar sind, wenn man die Bedürfnisse der Verbraucherinnen und Verbraucher im Auge hat.

Menschen, die früher gern einkaufen gingen, fühlen sich inzwischen häufig überfordert vom immer unübersichtlicher werdenden Angebot. Folgender Fall: Die gesuchten Produkte sind umgeräumt, die wenigen Verkäuferinnen und Verkäufer zwar oft kompetent, aber schwer zu finden. Hier würden sich viele einen Einkaufsberater wünschen. Daher weichen zunehmend auch ältere Menschen immer häufiger auf Onlinebestellungen aus, da sie so in Ruhe bestellen können und die Ware auch noch geliefert bekommen. Nicht nur im Einzelhandel – sondern für alle Lebensbereiche – gilt: Service wird in einer komplexen Welt ein Wettbewerbsvorteil für Unternehmen werden. Daher sollten sie die älteren Mitarbeiter auch als interne Ratgeber nutzen und sie verstärkt in Beratung Service einsetzen. Die Experten des ReifeNetzwerks unterstützen Unternehmen dabei gern mit ihrer langjährigen Erfahrung.

 

Monika PröttMonika Prött ist Inhaberin der PRÖTT & PARTNER GbR – Ansprechpartner für anspruchsvolle Kommunikation, speziell in den Branchen Finanzen, Ernährungsindustrie, Gesundheitsmarkt. Sie hat „Das ReifeNetzwerk“ initiiert und die Deutsche Seniorenpresse Arbeitsgemeinschaft e.V. (dsp) mitgegründet.

Making-of der Zeitschrift „dabei sein in Hannover“

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Zeitschriften für die Generationen im Alter über 50 Jahre sind stark im Kommen – wir haben hier bereits einige Beispiele vorgestellt. Viele versuchen, eine breite Themenpalette abzudecken. Der Erfolg ist bisher eher durchwachsen. Mehr Chancen versprechen sich die Medienhäuser von Special-Interest-Ausgaben wie das Magazin dabei sein, welches von unserer Gastautorin Jutta Junge – Chefredakteurin der Zeitschriften Haus & Markt und dabei sein – betreut wird:

Auf dem Zeitschriftenmarkt ist viel in Bewegung. Die Zeitschrift der Zukunft, so zeigt sich, kann nicht mehr generell sein, sie muss speziell sein. Diese Herausforderung haben wir angenommen, als wir im November 2013 mit unserer „dabei sein“ an den Start gingen.

Doch die Idee war gar nicht so neu, sie war eine logische Entwicklung. „dabei sein“ erscheint in der Verlagsgesellschaft Haus und Markt mbH, die im 37. Jahrgang die Zeitschrift „Haus & Markt“ herausgibt. „Haus & Markt“ wendet sich an den Ein- und Zweifamilienhausbesitzer im älteren Baubestand.

Durch unsere tägliche Arbeit haben wir, die Redaktion und der Anzeigenverkauf festgestellt, dass bei dieser Zielgruppe ab einem bestimmten Alter Komfort und Gesundheit immer stärker in den Mittelpunkt rücken. Das belegten auch in der Vergangenheit durchgeführte Leserbefragungen; der demografische Wandel ist zudem eine bekannte, gesellschaftspolitisch relevante Tatsache. Beiträge rund um das Komfortwohnen wurden in der Vergangenheit in den Haus & Markt-Ausgaben zwar berücksichtigt, aber nicht in dem gewünschten Umfang und in der möglichen Vielfalt. Weiterlesen

Metamorphose der Zielgruppe 50plus

Der „neue“ dritte Lebensabschnitt

Die Versicherungswirtschaft hat die Best Ager wieder als Zielgruppe erkannt. Schon vor Jahren gab es einen Hype, der aber schnell wieder in der Versenkung verschwand. Doch nun die Metamorphose:  In der aktuellen Ausgabe von ASSCompact 06/2015 wird diese „neue“ Erkenntnis in einem Sonderthema behandelt. Ein Auszug von Seite 102:  „Die Generation 50plus hat sich massiv gewandelt. Die sogenannten „Senioren von morgen“ haben in früheren Zeiten bereits zum „alten Eisen“ der Gesellschaft gezählt. Heute wagen viele der sogenannten Best-Ager einen Neustart: Reisen, Immobilien, Berufswechsel, Existenzgründung – und das oft mit großem finanziellen Spielraum. Eine Traum-Zielgruppe für Vermittler.“ Wer mehr darüber lesen möchte, siehe www.asscompact.de.

Das ReifeNetzwerk weist schon seit Jahren auf die Bedeutung der  Zielgruppe 50plus hin und hat dazu auch Studien durchgeführt. Erfreulich ist, dass es nun auf fruchtbaren Boden fällt und nicht ein neuer Hype ist.

 

Monika PröttMonika Prött ist Inhaberin der PRÖTT & PARTNER GbR – Ansprechpartner für anspruchsvolle Kommunikation, speziell in den Branchen Finanzen, Ernährungsindustrie, Gesundheitsmarkt. Sie hat „Das ReifeNetzwerk“ initiiert und die Deutsche Seniorenpresse Arbeitsgemeinschaft e.V. (dsp) mitgegründet.

BAGSO-Checklisten: Lesen und Surfen ohne Grenzen!

Eine gute Lesbarkeit von Zeitschriften, Zeitungen, Broschüren und anderen Informationsmedien ist ein Gewinn für alle Leserinnen und Leser. Für die Generation der über 50-Jährigen ist Komfort beim Lesen wegen einer oft nachlassenden Sehfähigkeit besonders wichtig. Um konkrete Tipps für Verbesserungen von Formularen bis hin zu Zeitschriften zu geben, hat die BAGSO die Checkliste „Nutzerfreundliche Printmedien“ erarbeitet. Bei deren Entwicklung bezog sie ältere Leserinnen und Leser als Experten und die Fachkompetenz des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, der Mitglied der BAGSO ist, mit ein. Mit Hilfe der Checkliste können Zeitschriften, Broschüren und andere Printmedien auf ihre Schriftgröße, auf Abstände, Kontraste, Leseführung und Verständlichkeit hin überprüft werden.

Das Internet hat älteren Menschen viel zu bieten. Es hält zum Beispiel Informationen zum Zeitgeschehen, Gesundheit und Reisen bereit und ermöglicht, bestehende Kontakte zu pflegen oder neue zu knüpfen. Unübersichtliche Internetseiten mit blinkenden Elementen und komplizierte Menüs erschweren die Handhabung und halten insbesondere ältere Menschen von der Nutzung ab. Dabei haben schon kleine Veränderungen oft große Wirkung.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO) hat diese Checklisten erstellt, um Unternehmen, Verbänden und öffentlichem Sektor als Verfasser und Hersteller von Printmedien und Internetseiten ein einfaches Werkzeug an die Hand zu geben. Die Checklisten sind zum Selbstkostenpreis bei der BAGSO Service GmbH zu bestellen.

Nähere Informationen gibt darüber hinaus:
Nicola Röhricht
BAGSO Service GmbH
Hans-Böckler-Straße 3
53225 Bonn
Telefon: 0228 – 55 52 55 – 0
Fax: 0228 – 55 52 55 – 66
www.bagso-service.de

Goldgrube: Ältere Käufer

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  • Kaufkräftige Senioren bieten Chancen und neue Geschäftsfelder für Händler
  • Funktionieren werden nur Konzepte, die der älteren Zielgruppe weniger das Gefühl geben, alt zu sein, echten Service-Mehrwert stiften und Senioren nicht wie eine verblödete Randgruppe behandeln
  • Neue Technologien sind aktuell ein Hindernis, auf dem Weg ins Herz und den Kopf der Zielgruppe

Wer ist die Zielgruppe der Zukunft? – Die Zielgruppe mit Vergangenheit

Sind Sie 60 Jahre alt, älter oder kennen Sie Menschen in dieser Lebensphase? Willkommen in der Welt der Generation „60 plus“, oder auch „Best Ager“ genannt! Prognosen sagen, dass die Bundesrepublik bereits 2030 mit einem Rentneranteil von fast 50 Prozent die älteste Bevölkerung Europas haben wird. Bereits heute zählt ein Fünftel der Deutschen zu den über 65-Jährigen. Ebenso wächst die Lebenserwartung und damit die Zeitspanne, die ein Deutscher nach dem Eintritt ins Rentenalter frei gestalten kann. Weiterlesen

Studie: Best Ager profitieren vom Wirtschaftswachstum

Die Volksbank Tochter easycredit hat eine neue Studie zur finanziellen Situation von Menschen zwischen 50 und 79 Jahren erstellt. Das Bild ist verhalten positiv, insgesamt profitieren Best Ager vom Wirtschaftswachstum. Oben auf der Ausgabenliste stehen Themen wie Gesundheit und Pflege. Für Luxusprodukte will nur jeder vierte Geld ausgeben.

Im Folgenden die Pressemitteilung:

Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland kommt auch bei den Älteren an. 80 Prozent der über 50-Jährigen sind zufrieden mit ihrer finanziellen Situation. Viele sorgen dennoch bereits für schlechtere Zeiten vor. Zu diesem Ergebnis kommt die repräsentative Studie „Liquidität 50Plus“ des Kreditanbieters easyCredit. 1.000 Personen im Alter von 50 bis 79 Jahren wurden dafür befragt.

Das Liquiditätsbarometer, das sich aus der Einschätzung der aktuellen finanziellen Situation und den Erwartungen an die Zukunft zusammensetzt, stieg gegenüber der ersten Befragung 2013 um drei Punkte auf 14,74. Vor allem die 50- bis 59-Jährigen beurteilen ihre derzeitige finanzielle Lage besser als im Vorjahr. 79 Prozent beschreiben sie als gut oder sogar sehr gut. 2013 waren es fünf Prozentpunkte weniger. „Die Studie ‚Liquidität 50Plus‘ zeigt, dass Lohnerhöhungen auch bei den Älteren ankommen. Mit Blick auf den Ruhestand sollte aber gerade in der aktuell guten wirtschaftlichen Situation bei der Liquiditätsplanung ein ausreichender Puffer für Alter und Pflege berücksichtigt werden“, sagt Alexander Boldyreff, Vorstandsvorsitzender der TeamBank AG, die den easyCredit anbietet.

easyCredit Infografik.inddIn die Zukunft blicken bereits viele über 50-jährigen etwas skeptischer. Jeder Dritte rechnet mit finanziellen Einbußen in den kommenden drei bis fünf Jahren. Entsprechend zurückhaltend sind die über 50-Jährigen bei ihren Ausgaben. 53 Prozent wollen in den kommenden zwölf Monaten in Gesundheits- und Pflegeleistungen investieren. 38 Prozent legen ihr Erspartes zurück, um in Zukunft finanziell abgesichert zu sein. Für Luxusartikel will hingegen nur knapp jeder Vierte sein Geld ausgeben.

Die Besonnenheit in Finanzangelegenheiten zeigt sich auch bei der Kreditaufnahme. Sieben Prozent der Generation 50Plus denken aktuell daran, sich zu verschulden. Und wenn, dann am ehesten für Gesundheitsleistungen (48 Prozent) oder den altersgerechten Umbau der Immobilie (37 Prozent). Ein neues Auto (26 Prozent), technische Geräte wie Fernseher oder Smartphones (22 Prozent) und eine große Reise (5 Prozent) wollen dagegen die wenigsten auf Pump finanzieren.

„Auch wenn es den Älteren aktuell gut geht, geben sie ihr Geld nicht leichtsinnig aus, sondern investieren in Werte, die langfristig Sicherheit bringen“, sagt Boldyreff. „Entscheidend ist ein klarer Überblick über die eigenen Finanzen und die eigene Leistungsfähigkeit im Alter.“ Derzeit gelten in Deutschland mehr als drei Millionen Haushalte als überschuldet, wie Schufa und Creditreform ermittelt haben. Alleine im Jahr 2013 wurden 111.000 Personen über 70 Jahre als überschuldet eingestuft.

Hintergrundinformationen
Die Studie „Liquidität 50Plus“ untersucht Liquidität und Kreditaufnahme der Generation 50Plus. Im Juni und Juli 2014 befragte das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag von easyCredit 1.000 Personen im Alter von 50 bis 79 Jahren. Es ist bereits die zweite Befragung dieser Art. Die erste fand im Herbst 2013 statt. Die Interviews der repräsentativen Bevölkerungsbefragung wurden mit der Methode des Computer Assisted Telephone Interview (CATI) durchgeführt. Zusammen mit der Befragung wurde das easyCredit-Liquiditätsbarometer ermittelt, welches die Stimmung zur finanziellen Situation der Generation 50Plus erfasst.

Wie man die Zielgruppen der Menschen über 50 erfolgreich anspricht, da können meine Kollegen und ich unterstützen.

 

 

„Selbst ein Porsche 911 ist eigentlich ein Auto für Ältere“

CCP01_0051LayEin Beitrag von Kai Kolwitz am 26.8.2014 in Spiegel Online mit dem Titel „Autos für Senioren: Gib Gummi, Alter!“ bestätigt einen Artikel unseres Autors Peter Apel: Alte Menschen kommen in der Auto-Reklame nicht vor. Dabei ist der durchschnittliche Neuwagenkäufer in Deutschland jenseits der 50. Machen die Fahrzeughersteller etwas falsch? Er führt weiter aus: Glaubt man der Werbung der Fahrzeughersteller, dann nutzen in Deutschland nur junge, sportliche Menschen das Auto. In den Spots und Anzeigen hüpfen fast ausnahmslos Leute ans Steuer, die altersmäßig irgendwo zwischen bestandenem Abitur und vierzigstem Geburtstag liegen.

„Jeder Hersteller nennt als Zielgruppe immer die 25- bis 35-jährigen Gutverdiener. Aber die leisten sich in der Regel nur Gebrauchtwagen“, sagt Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen. Dabei bestehe die beste Kundschaft in Wirklichkeit aus älteren Menschen, sogenannten Best Agern: „Die haben Vermögen und Kaufkraft“, sagt Diez. Eine Studie aus dem vergangenen Jahr belegt diese Einschätzung. Das CAR-Institut der Universität Duisburg fand heraus, dass der durchschnittliche Neuwagenkäufer in Deutschland rund 52 Jahre alt ist – so alt wie noch nie. Rund ein Drittel aller Käufer hatte laut der Studie sogar den sechzigsten Geburtstag hinter sich.

Trotz dieser offensichtlichen Veränderungen schüren die meisten Hersteller mit ihrer Reklame immer noch den Jugendwahn, anstatt gezielt die etwas grauere Generation anzusprechen, führt Kai Kolwitz weiter aus. Bei der Entwicklung der Autos werden allerdings die Bedürfnisse der älteren Käufer durchaus berücksichtigt, so Willi Diez.

Die Mitglieder des ReifeNetzwerks kennen die Argumente der Autobauer, sehen aber durchaus schon erste Ansätze, durch die Auswahl der Bilder und Modells vorsichtig entsprechende Signale zu setzen. Seit über 9 Jahren beraten sie Unternehmen aller Branchen, die Scheu davor zu verlieren, der demografischen Entwicklung Rechnung zu tragen. Die mutigen Unternehmen haben damit Erfolg.

Die unterschätzte Marktmacht der Älteren

Marktmacher10TitelDie aktuell durchgeführte Online-Befragung des ReifeNetzwerks beweist: die Marktmacht der Älteren wird unterschätzt. Warum das Potenzial älterer Zielgruppen nicht genutzt wird, ist in der aktuellen Ausgabe des marktmacher50plus zu lesen.

Wer ältere Kunden erreichen will, braucht Themen und keine Klischees. Es müssen neue Bilder in der Werbung ausgewählt werden, die einen positiven Effekt in den Köpfen von Jung und Alt haben. Und es hilft auch, einen Blick nach Japan zu werfen, einem Land, das mit seinen älteren Kunden respektvoll umgeht und viele nachahmenswerte Lösungen anbietet.

Mit steigender Lebenserwartung ändern sich die Ansprüche der Kunden 50plus. Das gilt für Finanzdienstleistungen im besonderen Maße. Was ist zum Beispiel bei der Rente mit 63 oder Flexi-Renten-Modell zu beachten? Mitarbeiter, Finanzkunden und Berater müssen umdenken und sich um das Älterwerden und seine Folgen kümmern.

Neben den emotionalen Barrieren geht es um ganz realistische Fragen wie  Pflege und Wohnen im Alter. So müssen auch Seniorenresidenzen und Pflegeheime Öffentlichkeitsarbeit machen, um gute Mitarbeiter zu finden oder eine hohe Auslastung zu haben. Dies gilt auch für Handwerksbetriebe, die Wohnungen barrierefrei umbauen. Viele haben die Zeichen der Zeit erkannt und nehmen an Weiterbildungsmaßnahmen teil, um das Markenzeichen „Generationenfreundlicher Betrieb Service + Komfort“ zu erwerben.

Doch das Umdenken gilt für alle Unternehmen. Wie sieht die Mitarbeiterstruktur aus, was wird für die Teambildung und Stressabbau für Alt und Jung gemacht und wie ist die Nachfolge geregelt? Von den ReifeNetzwerk-Experten werden Wege aufgezeigt, wie Unternehmen mit Weitblick vom demografischen Wandel profitieren können.

Die aktuelle Ausgabe des marktmacher50plus ist zu beziehen unter: www.reifenetzwerk.de.