Luftverkehrsbranche + Serviceleistungen = Boom-Branche?

Airport Terminal Waiting Area and Flying AirplaneFast die Hälfte aller Menschen im Ruhestand verbringt ihre Freizeit mit Reisen. Sie tätigen zudem fast ein Drittel aller Urlaubsreisen der deutschen Bevölkerung. Dabei hat das Flugzeug als Verkehrsmittel für Urlaubsreisen bei älteren Menschen in den letzten 20 Jahren stetig an Wichtigkeit zugenommen Die Tourismusbranche kann somit in Bezug auf den demografischen Wandel als Boom-Branche bezeichnet werden. Insbesondere in Verbindung mit Serviceleistungen können ältere Menschen für Flughäfen lukrativer werden. Dies liegt zum einen daran, dass für mehr als die Hälfte der älteren Generation Serviceleistungen wichtig bzw. relevant sind. Zum anderen kann durch Serviceleistungen die Kundenbindung gefördert werden.

Daher muss sich auch die Luftverkehrsbranche damit auseinandersetzen, wie sie ihr Serviceangebot auf Flughäfen in Bezug auf ältere Menschen gestalten bzw. welche Serviceleistungen sie für diese Zielgruppe anbieten sollten, um deren Bedürfnisse nach Sicherheit, Selbständigkeit, Mobilität, Partizipation, Gesundheit und Lebensqualität zu befriedigen. Da die Hälfte der Senioren entweder Einschränkungen beim Hören oder beim Sehen und ein Viertel der älteren Menschen sogar Probleme mit beiden Sinnesorganen hat, ist es ebenfalls wichtig, den Flughafen an den altersbedingten Veränderungen der älteren Menschen auszurichten bzw. zu überprüfen, ob diese den Anforderungen genügen. So können der Verlust der Sehkraft sowie das Nachlassen der Farbwahrnehmung dazu führen, dass die Beschilderung im Flughafen seniorengerecht angepasst werden muss. Auch sollten z.B. Lautsprecherdurchsagen deutlich und nicht zu schnell gesprochen werden, da älteren Menschen das Filtern von Geräuschen, insbesondere wenn eine hohe Geräuschkulisse herrscht, schwer fällt. Zusätzlich können Einschränkungen im Bewegungsapparat dazu führen, dass Treppen vermieden und Rolltreppen bevorzugt werden. Insgesamt können durch Serviceleistungen diese Einschränkungen vermindert werden und sie können dabei helfen, den Aufenthalt eines Seniors im Flughafen angenehmer zu gestalten. Diese Optimierungen sind denkbar bei Parkmöglichkeiten, Orientierungshilfen (z.B. Beschilderung), Check-in Service, Anreisemöglichkeiten zum Flughafen, Gepäckwagen, Sitzgelegenheiten, Gepäckträgerservice und in den sanitären Anlagen. Für ältere Menschen kann z.B. ein Shuttle-Service, der sie zu Hause abholt und bis vor das Terminal bringt, von Bedeutung sein, damit diese nicht auf andere Personen als „Bringer“ angewiesen sind und ihre Selbständigkeit wahren können. Ebenso lässt sich vermuten, dass aufgrund des Bedürfnisses nach Lebensqualität und damit verbunden nach Komfort ein Park&Sleep&Fly-Angebot eines Flughafenhotels für ältere Menschen, insbesondere für Personen mit einem längeren Anreiseweg, wichtig sein kann. Aufgrund der Abnahme der Muskelkraft kann es älteren Menschen schwerer fallen, ihr Gepäck zu heben oder für längere Zeit in der Warteschlange beim Check-in Schalter zu stehen. Daher kann ein Gepäckträgerservice, der das Gepäcktragen übernimmt, eine Serviceleistung sein, die Senioren in Anspruch nehmen. Weiterhin wäre ein Gepäcklieferservice, durch den das Gepäck per Paket versendet oder per Lieferservice befördert wird, u.U. hilfreich. Vor allem für ältere Menschen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen anreisen und sich so den Transport des Gepäcks mit öffentlichen Verkehrsmitteln ersparen, könnte dieser Service von Bedeutung sein. Außerdem können durch einen Check-in Service, bei dem der Check-in vom Flughafenpersonal übernommen wird, die Schwierigkeiten beim längeren Stehen umgangen werden.

Aus den oben genannten Gründen sollten also die Betreibergesellschaften von Flughäfen ihren Airport auf Seniorentauglichkeit untersuchen und spezielle Serviceleistungen für sie anbieten, um die Zielgruppe der Senioren weiter zu erschließen bzw. ihnen einen Aufenthalt angenehmer zu gestalten.

 

IMG_0012Lisa Denise Engelke ist Studentin der Hochschule Hannover im Master Unternehmensentwicklung, Bachelor of Science Betriebswirtschaftslehre, Abschlussarbeit: Analyse der Bedürfnisse der Generation 60plus zur Ableitung von Serviceangeboten für einen norddeutschen Flughafen.

 

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10 Jahre ReifeNetzwerk: Der Absatz- und Personalmarkt für Ältere nimmt an Fahrt auf

RNW-Logo-10JahreVor zehn Jahren, am 17. November 2005, gründete ich mit Kolleginnen und Kollegen in Hannover das ReifeNetzwerk. Das gemeinsame Ziel war, Unternehmen beim Einstieg in den wichtigen und wachsenden Markt für ältere Menschen zu unterstützen, da diese (Ziel-) Gruppe sowohl als Konsumenten als auch für den Arbeitsmarkt immer wichtiger wird. Also weg von der Fokussierung auf den Jugendmarkt hin zu den Älteren, die andere Bedürfnisse und Erfordernisse haben als die Jungen, aber treibende Kräfte in Wirtschaft und Gesellschaft sind.

Vor zehn Jahren wurden die Expertinnen und Experten des ReifeNetzwerks noch als Exoten angesehen. Doch das hat sich im Laufe der Jahre geändert. Älterwerden ist ein sensibles Thema. Menschen ab 50 – sogenannte Best Ager – wollen nicht über das Alter angesprochen werden. Wie wichtig die richtige Ansprache ist, zeigen Studien, die unter anderem auch vom ReifeNetzwerk durchgeführt wurden. So wurde auch der Begriff PEGGI’s kreiert. Das bedeutet: Persönlichkeit – Erfahrung – Geld – Geschmack und Interessen. Der Begriff hat sich zwar nicht durchgesetzt, die Bedeutung aber schon. Um es kurz zu machen: die Ansprache über das Alter funktioniert – von einigen Ausnahmen abgesehen – ab Mitte 70. Davor empfiehlt sich die Ansprache über Interessen und Themen wie Sicherheit rund um das Haus, Barrierefreiheit, Gesundheit und komfortables Reisen. In allen Fällen gilt: Angebote und Produkte dürfen nicht den Anschein erwecken, Lösungen für Alter, Krankheit oder Gebrechlichkeit zu sein. Hier haben Unternehmen eine Menge dazu gelernt, auch – so hoffen wir – durch unsere Arbeit.

Die Digitalisierung verändert die Welt
Die zunehmende Digitalisierung und Komplexität in Wirtschaft und Beruf ergeben ganz neue oder andere Bedürfnisse und Erfordernisse. So werden so „alte Tugenden“ wie Beratung und Service bei den Konsumenten wieder ganz groß geschrieben. Wenn sich heute eine Frau Anfang 60 ein neues Telefon kauft, möchte sie kein Seniorentelefon, das sie stigmatisieren könnte, sondern ein schickes Mobiltelefon. Wenn sie keine Kinder oder Enkel hat, die ihr die Bedienung erklären, möchte sie eine kompetente Beratung, die ihr nicht das Gefühl gibt, sie sei ein wenig beschränkt. Das Gefühl wird einem durchaus vermittelt, wenn man an einen smarten Verkäufer gerät, der zwar lauter, aber nicht verständlicher spricht. Das Thema lässt sich auf alle Bereiche ausdehnen.

Beispiel Beipackzettel – sei es bei Medikamenten oder bei Kosmetik: sie sind so klein oder unverständlich, dass nicht nur Ältere zumindest eine Brille braucht, um sie lesen zu können. Einige Unternehmen haben das erkannt und gehen hier mit gutem Beispiel voran – ein Beweis, dass Probleme lösbar sind, wenn man die Bedürfnisse der Verbraucherinnen und Verbraucher im Auge hat.

Menschen, die früher gern einkaufen gingen, fühlen sich inzwischen häufig überfordert vom immer unübersichtlicher werdenden Angebot. Folgender Fall: Die gesuchten Produkte sind umgeräumt, die wenigen Verkäuferinnen und Verkäufer zwar oft kompetent, aber schwer zu finden. Hier würden sich viele einen Einkaufsberater wünschen. Daher weichen zunehmend auch ältere Menschen immer häufiger auf Onlinebestellungen aus, da sie so in Ruhe bestellen können und die Ware auch noch geliefert bekommen. Nicht nur im Einzelhandel – sondern für alle Lebensbereiche – gilt: Service wird in einer komplexen Welt ein Wettbewerbsvorteil für Unternehmen werden. Daher sollten sie die älteren Mitarbeiter auch als interne Ratgeber nutzen und sie verstärkt in Beratung Service einsetzen. Die Experten des ReifeNetzwerks unterstützen Unternehmen dabei gern mit ihrer langjährigen Erfahrung.

 

Monika PröttMonika Prött ist Inhaberin der PRÖTT & PARTNER GbR – Ansprechpartner für anspruchsvolle Kommunikation, speziell in den Branchen Finanzen, Ernährungsindustrie, Gesundheitsmarkt. Sie hat „Das ReifeNetzwerk“ initiiert und die Deutsche Seniorenpresse Arbeitsgemeinschaft e.V. (dsp) mitgegründet.

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Der VW-Skandal und die ratlosen Senioren

OLYMPUS DIGITAL CAMERAVor einem Jahr habe ich an gleicher Stelle geschrieben „VW Golf – das Lieblingsauto der Deutschen“ und dabei betont, dass dieses Fahrzeug gerade bei älteren Autofahrern der absolute und konkurrenzlose Favorit ist. Heute gehe ich davon aus, dass gerade die älteren Autofahrer besonders schockiert sind, denn sie erleben einen Vertrauensbruch erfahrungsgemäß noch schmerzlicher als andere. Und VW tut bisher wenig, um das Vertrauen in die Marke wieder herzustellen.

Lauter offene Fragen
Der VW-Skandal ist jetzt schon über vier Wochen alt, und Fahrer von VW Dieselfahrzeugen sind ratlos. Insbesondere Senioren unter ihnen haben bange Fragen, die unbeantwortet bleiben: Ist mein Fahrzeug betroffen? Hat es durch die Abgas-Manipulation an Wert verloren? Hat es nach der Umrüstung eine reduzierte Motorleistung? Kann es möglicherweise aus dem Verkehr gezogen werden?

VW hat sich bisher nicht an seine Kunden gewandt. VW-Werkstätten sind überfragt. Und wenn man auf die VW Website geht, gibt es unter der Rubrik „VW aktuell“ und „News“ nur vier Wochen alte Meldungen, in denen VW beteuert, das „Vertrauen wieder gewinnen“ zu wollen und „mit Hochdruck an einer Lösung“ zu arbeiten. Neuere Meldungen gibt es nur auf der Website der Volkswagen AG; dort wird aber nur davon gesprochen, dass die EA 288-Motoren nicht betroffen sind. Kein Wunder, dass ratlose VW Fahrer ihre Fragen jetzt zunehmend an den ADAC oder an das Kraftfahrtbundesamt stellen.

Total verfehlte Seniorenpolitik
Auch wenn VW selbst noch nicht alles aufgearbeitet hat und die Rückrufaktion erst im Jahr 2016 erfolgen soll, eine Kommunikationspolitik ist nicht erkennbar. Gerade Senioren, die einen Großteil der VW Dieselfahrer ausmachen, hätten Wert auf einen schnellen und direkten Kontakt durch VW – und sei es in Briefform – gelegt. Man hätte ihnen sagen können, dass ihr Fahrzeug kostenlos überprüft wird, und dass sie ihre Kaufentscheidung nicht zu bereuen brauchen. Wichtig wäre es gewesen, dass sich die älteren (und das gilt auch für viele jüngere) Kunden von VW wertgeschätzt gefühlt hätten und geplante Maßnahmen nicht nur aus den Medien erfahren hätten.

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>> Seniorenfernsehen: Ex-Spielfilmchefin Bettina Reitz attackiert ARD << …

fotolia/auremar

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… so titelt Spiegel-Online am 15.10.2015 anlässlich eines Interviews der ZEIT mit der Ex-Fernsehdirektorin des Bayerischen Rundfunks und neuen Präsidentin der Hochschule für Fernsehen und Film. Es gäbe, so Reitz: „ … einen immer größeren Spalt zwischen denen, die 50 plus sind und auf ihr Fernsehen nicht verzichten wollen, und denen, die 30 minus sind und den ‘Tatort’ schauen, ohne sich darum zu scheren, wer ihn produziert. Wird der Abgrund nicht überbrückt, dann wird das System auseinanderbrechen. Dann wird es ein Seniorenfernsehen geben, namens ‘Das Erste’ und ‘ZDF’ – und ein digitales Angebot”.

Seniorenfernsehen darf man in diesem Zusammenhang wohl durchaus abwertend verstehen. Sind damit doch wohl die Fernsehkonsumenten gemeint, die das zeitlich starre Fernsehangebot regungslos über sich ergehen lassen. Frau Reitz verortet sie anscheinend nur bei den Älteren. Aber diese Haltung ist natürlich keineswegs altersspezifisch, sondern findet sich durchaus auch bei der jüngeren Generation, den sogenannten Couch-Potatoes. Nur dass die sich nicht von ARD und ZDF berieseln lassen, sondern von RTL, Pro Sieben und Konsorten.

Richtig an ihrer Analyse ist allerdings, dass die digitalen Angebote dem Fernsehen, wie wir es bisher gewohnt sind, langfristig den Garaus machen werden – allerdings wahrscheinlich sehr viel gründlicher, als sich das Frau Reitz im Moment noch träumen lässt. Streamingdienste und Mediatheken – übrigens auch von den Öffentlich Rechtlichen angeboten – YouTube, Amazon, Apple, Google – sie alle machen es möglich, sich unabhängig vom Standardfernsehangebot jederzeit das Programm anzuschauen, welches man sich am Smartphone, Tablet- oder Desktop-PC selbst zusammengestellt hat. Die erste Hälfte des Tatort läuft dann in der Mittagspause, der Rest abends nach den Nachrichten.

Federführend bei diesem selektiven Fernsehkonsum werden aber gerade die Älteren sein, denn sie legen weitaus größeren Wert auf relevante Inhalte als Jüngere. Sie werden werden es sein, die ihr Programm nach qualitativ hochwertigen Inhalten zusammenstellen und dabei nicht mehr nach dem Absender fragen. Es wird keinen Abgrund geben zwischen den Sehgewohnheiten von 50 plus und 30 minus – der Graben wird vielmehr zwischen einem hochwertigen, werbefreien und einem minderwertigen, werbefinanzierten Medienangebot, zwischen intelligentem Fernsehkonsum und gedankenloser Berieselung verlaufen. Nirgendwo wird Bill Gates Zitat: „Content is king“ wichtiger werden, als beim Angebot der Medien, wenn damit Geld verdient werden soll. Hochwertige und aufwendig produzierte Inhalte, wie sie ARD und ZDF in ihrem Angebot haben, werden dauerhaft nicht ausschließlich GEZ-finanziert zur Verfügung gestellt werden können. Andere Abomodelle – wie sie beispielsweise von Spotify, Napster und neuerdings auch Aldi bei den Musikflatrates angeboten werden – oder auch Pay-Per-View sind da deutlich flexibler und für die Nutzer attraktiver.

Die Älteren werden es sein, die sich das leisten wollen – und können. So gesehen bekäme das Wort Seniorenfernsehen eine ganz neue Bedeutung: Premiumfernsehen.

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Making-of der Zeitschrift „dabei sein in Hannover“

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Zeitschriften für die Generationen im Alter über 50 Jahre sind stark im Kommen – wir haben hier bereits einige Beispiele vorgestellt. Viele versuchen, eine breite Themenpalette abzudecken. Der Erfolg ist bisher eher durchwachsen. Mehr Chancen versprechen sich die Medienhäuser von Special-Interest-Ausgaben wie das Magazin dabei sein, welches von unserer Gastautorin Jutta Junge – Chefredakteurin der Zeitschriften Haus & Markt und dabei sein – betreut wird:

Auf dem Zeitschriftenmarkt ist viel in Bewegung. Die Zeitschrift der Zukunft, so zeigt sich, kann nicht mehr generell sein, sie muss speziell sein. Diese Herausforderung haben wir angenommen, als wir im November 2013 mit unserer „dabei sein“ an den Start gingen.

Doch die Idee war gar nicht so neu, sie war eine logische Entwicklung. „dabei sein“ erscheint in der Verlagsgesellschaft Haus und Markt mbH, die im 37. Jahrgang die Zeitschrift „Haus & Markt“ herausgibt. „Haus & Markt“ wendet sich an den Ein- und Zweifamilienhausbesitzer im älteren Baubestand.

Durch unsere tägliche Arbeit haben wir, die Redaktion und der Anzeigenverkauf festgestellt, dass bei dieser Zielgruppe ab einem bestimmten Alter Komfort und Gesundheit immer stärker in den Mittelpunkt rücken. Das belegten auch in der Vergangenheit durchgeführte Leserbefragungen; der demografische Wandel ist zudem eine bekannte, gesellschaftspolitisch relevante Tatsache. Beiträge rund um das Komfortwohnen wurden in der Vergangenheit in den Haus & Markt-Ausgaben zwar berücksichtigt, aber nicht in dem gewünschten Umfang und in der möglichen Vielfalt. Weiterlesen

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Gute Arbeit = Gesunde Arbeit = Gewinnbringende Arbeit

Kranke, schwächliche und leistungsgeminderte Beschäftigte sind für den Arbeitgeber ein erheblicher Kostenfaktor. Gesunde Beschäftigte hingegen erbringen in aller Regel wenigstens die vertraglich geschuldeten Leistungen. Wenig oder gar nicht mehr motivierte Arbeitnehmer leisten grundsätzlich weniger, liefern schlechtere Qualität, und das bei derselben Bezahlung. Motivierte Arbeitnehmer erbringen höhere und bessere Leistungen, sie stecken andere gleichsam positiv an, sie sind produktiver, tragen zu guter Stimmung und einem positiven Arbeitsklima bei und sind somit ein unmittelbarer Faktor für bessere Unternehmensergebnisse.

Investitionen in einen verbesserten Arbeits- und Gesundheitsschutz, insbesondere effektivere Präventionsmaßnahmen lohnen sich für alle Beteiligten, jedenfalls mittel- und langfristig. Untersuchungen haben ergeben, dass man mit einem sog. Return on Prevention (RoP) von 2,8 zu 1 rechnen kann. Liegt er auch nur etwas über 1 zu 1, hat sich jeder investierte Euro auch betriebswirtschaftlich gelohnt. Nicht zu unterschätzen ist ein weiteres Plus: Beim Kampf um gute Fachkräfte kann das Angebot guter und sicherer Arbeitsplätze entscheidend sein.

Zu einem solchen Angebot gehören Pflicht- und Kürelemente:

Das Pflichtprogramm umfasst vor allem die vom Arbeitsschutzgesetz geforderte Gefährdungsbeurteilung physischer und psychischer Belastungen, daraus abgeleitete Abhilfe- und Vorbeugungsmaßnahmen, entsprechende Unterweisungen, Dokumentationen, verlässliche Wirksamkeitsüberprüfungen und ggf. gezielte Nachbesserungen. Diese Verfahrensschritte sollen als kontinuierlicher Verbesserungsprozess gestaltet werden.

Ein weiteres Element bildet die betriebsärztliche und fachsicherheitstechnische Betreuung nach dem Arbeitssicherheitsgesetz. Für den verpflichteten Arbeitgeber sind diese Fachleute, gemeinsam mit dem obligatorischen Arbeitsschutzausschuss, die wichtigsten Garanten für sichere und gesunde Arbeit. Die Betriebsärzte sind ferner in die arbeitsmedizinische Vorsorge eingebunden, indem sie je nach Gefährlichkeit bestimmter Arbeiten Pflicht-, Angebots- oder lediglich Wunschvorsorge anzubieten haben. Der verstärkten Suche nach möglichen arbeitsbedingten Gefährdungen dient auch das Betriebliche Eingliederungsmanagement nach § 84 Abs. 2 Sozialgesetzbuch IX.

Zu empfehlenswerten Kürmaßnahmen zählen die von den Krankenkassen teilfinanzierte Betriebliche Gesundheitsförderung, aber auch Angebote zu den Themen Sucht (Prävention, Beratung, Entwöhnung, Kur), Mobbing (Prophylaxe, Aufdeckung, Bekämpfung), Bewegung, Ernährung etc. Ein ganzheitlich durchkomponiertes Betriebliches Gesundheitsmanagement wäre von Vorteil für alle inner- und außerbetrieblichen Akteure.

Konzerne und Großunternehmen erledigen diesen Aufgabenkreis in der Regel durch eigene große Abteilungen. Kleinere und mittlere Unternehmen brauchen zumeist kompetente und preiswerte Hilfe von außen.

 

crbst_joachim_heilmannProf. Dr. jur. Joachim Heilmann ist Mitglied im Expertenteam der MSS-UnternehmerHilfe eG, das wiederum Mitglied im ReifeNetzwerk ist. Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind Arbeitsrecht, Zivilrecht, Europäisches Recht, IT-Recht, Forschungsförderung, Internationale Projekte und Kooperationen in Deutschland und Schweden.

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Die Umkehrhypothek – eine verpasste Marktchance?

Das eigene Haus oder die selbstgenutzte Eigentumswohnung werden zu Recht als wichtige Bausteine der Altersvorsorge angesehen. Eine Immobilie stellt dabei häufig einen beträchtlichen Vermögenswert dar. Wenn ansonsten dann aber kein oder kaum weiteres Vermögen vorhanden ist, fehlt mit Eintritt in den Ruhestand die Liquidität, um den gewohnten Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Am einfachsten wäre natürlich ein Verkauf des Objekts, um mit dem Erlös die Rente aufzubessern. Der Wunsch vieler, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben, steht dem allerdings entgegen.

Die Umkehrhypothek – ein Modell aus den USA

In den USA wurden deshalb Modelle entwickelt, wie eine Immobilie zu Barem gemacht wird und der Eigentümer dennoch weiter darin wohnen kann. Die Idee dabei ist: Auf die Immobilie wird eine Hypothek aufgenommen, die mit einer Grundschuld abgesichert ist. Der Darlehensbetrag wird aber nicht sofort vollständig ausgezahlt, vielmehr erhält der Darlehensnehmer eine monatliche steuerfreie Rentenzahlung. Sie ist abhängig vom Wert der Immobilie, dem Alter des Immobilieneigentümers und dem Zinssatz. Über die Jahre wächst somit die Hypothekenschuld, weswegen sich für diese Art der Finanzierung auch der Begriff Umkehrhypothek etabliert hat. Mit Auszug, zum Beispiel in ein Altenheim, oder Tod geht die Immobilie in das Eigentum des Finanzinstituts über, das aus dem Verkaufserlös das Darlehen ablöst und einen eventuellen Überschuss an den bisherigen Eigentümer oder an die Erben auszahlt.

Die Nachfrage wird auch in Deutschland steigen

In Deutschland hat sich diese Form, Immobilienvermögen ratenweise auszuzahlen und damit die eigene Rente aufzubessern, aber bisher nicht durchgesetzt. Das mag daran liegen, dass diese Art von Hypothek nicht ganz billig ist. Denn das Kreditinstitut lässt sich das Marktpreisrisiko für die Immobilienverwertung durch teilweise kräftige Abschläge auf den aktuellen Verkehrswert bezahlen. Außerdem gehen anfallende Gebühren zu Lasten des Kreditnehmers. Wird an Stelle einer zeitlich befristeten Rentenzahlung eine lebenslange Zahlung vereinbart, fällt der Abschlag noch höher aus, da dann auch noch das Langlebigkeitsrisiko – der Darlehensnehmer lebt länger als statistisch zu erwarten ist – abgesichert werden muss. Der demografische Wandel und insbesondere die wachsende Versorgungslücke im Alter wird aber dazu führen, dass die Nachfrage nach einem solchen Angebot steigen wird. Gerade auch für alleinstehende Hausbesitzer, die keine Erben hinterlassen, dürfte die Umkehrhypothek als interessante Finanzierungsform in Betracht kommen.

Mehr Engagement bei den Finanzinstituten in Deutschland notwendig

Die Finanzinstitute in Deutschland sind daher gut beraten, sich diesem Thema zu widmen. Allein oder mit externer Unterstützung – wie zum Beispiel durch die Experten der MSS-Unternehmerhilfe eG – sollten neue Vertriebs- und Kooperationsformen, z.B. mit der Immobilienwirtschaft, entwickelt werden, um attraktive Angebote, die sich sowohl für das Unternehmen als auch für den Kunden rechnen, zu schaffen. Geschieht dies nicht, verzichtet die Kredit- und Versicherungswirtschaft auf ein wachsendes Marktsegment. Denn da die Umkehrhypothek dem Konstrukt eines Verkaufs gegen Leibrente ähnelt, werden Kunden auf alternative Problemlösungen ohne Beteiligung der Finanzinstitute ausweichen, z.B. durch ein vorzeitiges Vererben der Immobilie an die Kinder mit Einräumung eines lebenslangen Wohnrechts.

 

Manfred PeterManfred Peter ist Mitglied im Expertenteam der MSS-UnternehmerHilfe eG, das wiederum Mitglied im ReifeNetzwerk ist. Die Genossenschaft berät und unterstützt mittelständische Unternehmen bei betriebswirtschaftlichen Fragen und gibt Hilfestellung zur Unternehmensführung.

Webseite: www.mss-unternehmerhilfe.de
Kontakt: peter[at]mss-unternehmerhilfe.de

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Alternde Arbeitsgesellschaft – Arbeit im Umbruch

Zwei zentrale Entwicklungslinien überlagern derzeit ihre Wirkungen:

  1. Die arbeitende Bevölkerung wird im Durchschnitt älter („demographischer Wandel“), und
  2. Die menschliche Arbeit ändert infolge fortschreitender Digitalisierung ihren Charakter („Arbeit 4.0“).

Alle Unternehmen müssen sich darauf einstellen. Wegen unterschiedlichster Umstände und Bedingungen gelingt dies in unterschiedlichem Maße. Hilfe von außen kann bei der Bewältigung sinnvoll sein.

Zu 1. Den demographischen Wandel kennzeichnen folgende Stichwörter:

Infolge medizinischer, medizintechnischer und therapeutischer Fortschritte werden die Menschen älter, sie bleiben länger aktiv, arbeitsfähig und -willig, wach, interessiert und daher für (ihre) Arbeitgeber „interessant“. Die Bevölkerungszahlen in den Industrieländern sinken. Parallel dazu werden die Fachkräfte knapp. Die aktuelle Struktur der Arbeitslosigkeit verspricht keine Abhilfe. Erst langsam entwickelt sich die Bereitschaft, ältere Menschen alterns- und altersgerecht so zu beschäftigen, dass ihre spezifischen Kompetenzen, namentlich ihre Erfahrung, effizient genutzt werden. Dazu gehören auch Modelle für sanfte Übergänge, etwa beim anstehenden Wechsel von Inhabern und Führungskräften.

Zu 2. Art und Inhalt der bezahlten menschlichen Arbeit ändern sich:

Automatisierung, Digitalisierung und Computerisierung nehmen exponentiell zu. Der Bedarf an einfacher Arbeit nimmt ab. Arbeitszeiten und Arbeitsorte werden fortlaufend grenzenloser. Gleichzeitig sind Beschäftigte ständig und allörtlich erreichbar. Sicherheit und Privatheit versprechende feste Zeiten und Orte gehen zurück. Damit geht eine Tendenz von der Fremdausbeutung zur Selbstausbeutung einher. Diese Metapher soll keine Vorwürfe oder Schuldzuweisungen transportieren. Zu beobachten ist ferner eine anwachsende Übernahme des unternehmerischen Risikos durch die Arbeitnehmer. Indizien hierfür sind steigende Verantwortungsübernahme, Ziel- und Leistungsvereinbarungen sowie die Aussicht auf Gewinnbeteiligungen („Boni“).

Hiergegen zeigen sich beginnende Abkehrbewegungen: Es gibt verstärkt Abgrenzungen, gar Abschottungen von der Arbeit durch betontes Einfordern eines geschützten Privat- und Familienlebens, eines Rechts auf Freizeit mit Freunden, Reisen, Sport und Fitness.

Mit diesen Veränderungen sind Vor- und Nachteile verbunden. Alle Unternehmen müssen sich hiermit auseinandersetzen.

 

crbst_joachim_heilmannProf. Dr. jur. Joachim Heilmann ist Mitglied im Expertenteam der MSS-UnternehmerHilfe eG, das wiederum Mitglied im ReifeNetzwerk ist. Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind Arbeitsrecht, Zivilrecht, Europäisches Recht, IT-Recht, Forschungsförderung, Internationale Projekte und Kooperationen in Deutschland und Schweden.

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Wahl zum Jugendwort des Jahres 2015

fotolia, © GordonGrandHallo hier ist Käthe, letzte Woche wurden die 30 Jugendworte vom Langenscheidt-Verlag vorgestellt, aus denen das Jugendwort des Jahres gewählt wird. Spannend wie sich Sprache entwickelt. Ich kannte keines von den Worten. Und hätte ohne die passende Erklärung auch nicht gewusst, was es bedeuten könnte. Ich habe drei Worte in meiner engeren Wahl:
Augentinitus: das unangenehme Gefühl, von Menschen umgeben zu sein
Threestaren: etwas zu 100 Prozent perfekt machen
Maulpesto: übler Mundgeruch

Die komplette Liste finden Sie hier:
http://www.jugendwort.de

Nur, wenn ich die Jugendworte nicht verstehe, wie sollen denn die Jugendlichen mich verstehen? Oder womöglich mir Produkte und Dienstleistungen anbieten? Da braucht es ja schon einen Übersetzer!

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Neulich auf der IAA …

… habe ich Automobilhersteller nach einem Seniorenauto gefragt.

SeniorenautoAlle haben entrüstet gemeint, dass sie ein Seniorenauto weder jetzt noch in Zukunft anbieten werden. Ich habe darauf hin im Rahmen einer Studie Männer über 50 gefragt, welche Fahrzeugmerkmale ihnen bei einem PKW wichtig sind. Neben dem sparsamen Motor wurden hier eine Reihe von Merkmalen genannt, die das Autofahren trotz der sich langsam bemerkbar machenden Alterserscheinungen erleichtern: bequeme Sitze, die leicht zu besteigen sind und Ermüdungserscheinungen gar nicht erst aufkommen lassen, eine gute Übersichtlichkeit, die sowohl die Sicht nach außen als auch die Sicht innen auf wichtige Armaturen und Bedienungselemente problemlos macht, ein ausreichend großer Kofferraum, der sich auch bei Rückenproblemen leicht beladen lässt, und helle Scheinwerfer, die auch beim Fahren in der Dämmerung die Augen nicht zu sehr anstrengen.

Würde man nun ältere Autofahrer fragen, ob sie ein Seniorenauto haben wollen, würden sie dies wahrscheinlich eben so entrüstet verneinen wie die oben erwähnten Automobilhersteller. Aber sie würden wohl ein Auto bevorzugen, das alle diese gewünschten Fahrzeugmerkmale hat.

Also: Eigenschaften eines Seniorenautos ja, aber „Seniorenauto“ nennen darf man dies nicht.

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