Ambulant vor Stationär

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Ambulant vor Stationär ist eine wesentliche Gesetzesgrundlage im gesamten Pflegegesetz SGB XI. Anders ausgedrückt kann man auch sagen: Daheim statt Heim. Dazu müssen jedoch die Voraussetzungen stimmen.

Wir werden immer älter und das ist erfreulich. Aktiv und selbstbewusst beginnt die Rentenphase. Alt sein bedeutet heute nicht mehr automatisch hilfsbedürftig oder krank zu sein. Jedoch mit steigender Lebenserwartung nimmt eben auch die Zahl derer zu, die nicht mehr alleine für sich sorgen können. Derzeit ist es noch die Familie, die dann einspringt. Rund zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut und zwar überwiegend von den Angehörigen.

Neben der häuslichen Pflege etablieren sich auch immer mehr ambulante Wohn-, Pflege- und Betreuungsformen. Sie können eine wertvolle Ergänzung daheim oder eine echte Alternative zum Pflegeheim sein.

Jeder Einzelne muss rechtzeitig Entscheidungen treffen, die zukunftsweisend sind. In Deutschland sind lediglich 5 % des Wohnungsbestandes behinderten- bzw. seniorengerecht. Ein barrierefreies Zuhause, zusammen mit intelligenten Smart-Home-Lösungen, bietet in der Zukunft beachtliche Möglichkeiten, solange wie möglich in der gewohnten Umgebung zu verbleiben, mit Erhaltung und Steigerung der Lebensqualität, sowie Erhaltung der Sicherheit. Mobile Dienste verschiedener Anbieter vernetzen technische Möglichkeiten sogar inzwischen mit Notrufsystemen. Mit intelligenten Raum- und Gebäudesystemen können sowohl kognitive als auch kommunikative Fähigkeitsstörungen teilweise ausgeglichen werden. Der Markt der sogenannten AAL-Systeme (alltagsunterstützende Assistenzsysteme) ist in den letzten Jahren stark angestiegen und die technischen Bauteile haben sich wesentlich verbilligt.

Die Kommunikationstechnik kennen wir heute von der Nutzung von Handy, Tablett und Smartphone. Erweiterte Haushaltstechnik, wie z.B. das Abschalten des Herdes wenn kein Topf auf dem Herd steht oder die Überlaufsperre an einer Badewanne sind sicherlich bekannte Systeme. Zurzeit werden z.B. folgende Zusatzsysteme angeboten, die auch nachträglich eingebaut werden können: Fenstersensoren, Temperatursteuerung, Notruf, Vitalüberwachung, Lichtsteuerung, Sturzmelder, Herzfrequenzmesser, Türüberwachungssysteme, usw.

Diese Systeme lassen sich problemlos nachrüsten. Die einfachste Smart-Home-Lösung bietet ein funkgestütztes System. Damit lassen sich die Systeme über Apps sowohl über das Handy als auch über den PC steuern. Man kann sich diesen Systemen auf ganz verschiedene Weise nähern. Einerseits über die eigenen Kenntnisse und Bedürfnisse als auch über den Preis.

Somit ergeben sich weitere Ausbaumöglichkeiten und Erweiterungsdienste, z.B. im Bereich der Assistenzleistungen. Darin liegen viele zukünftige Möglichkeiten.

Beim Gedanken der Vorsorge im Pflegefall muss man wesentlich früher mit der entsprechenden Beratung und Aufklärung anfangen. Dazu gehören die Smart-Home-Systeme. Berater sollten eine Kooperation bzw. Vernetzung mit lokalen Handwerksbetrieben suchen. Daraus entstehen viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit auch im Finanzdienstleistungsbereich und der qualifizierten Beratung.

 

Gerhard SchuhmacherGerhard Schuhmacher, Dipl. Betriebswirt (FH), bis 2013 Regionaldirektor einer Versicherungsgesellschaft; bis 1989 Bankkaufmann in verantwortungsvoller Tätigkeit; seit 2012 Gesellschafter bei  Die Alten Hasen GmbH“. Seit 04.06.2013 Träger der Bundesverdienstmedaille. 1978 Mitbegründer der Caritas Sozialstation St. Johannes e.V., 63906 Erlenbach, seit 1984 deren 1. Vorsitzender. Seit  2009  1. Vorsitzender der DiAG Altenhilfe (Arbeitsgemeinschaft der Altenhilfe, Hospizarbeit und Pflege im Caritasverband für die Diözese Würzburg e.V.).

Luftverkehrsbranche + Serviceleistungen = Boom-Branche?

Airport Terminal Waiting Area and Flying AirplaneFast die Hälfte aller Menschen im Ruhestand verbringt ihre Freizeit mit Reisen. Sie tätigen zudem fast ein Drittel aller Urlaubsreisen der deutschen Bevölkerung. Dabei hat das Flugzeug als Verkehrsmittel für Urlaubsreisen bei älteren Menschen in den letzten 20 Jahren stetig an Wichtigkeit zugenommen Die Tourismusbranche kann somit in Bezug auf den demografischen Wandel als Boom-Branche bezeichnet werden. Insbesondere in Verbindung mit Serviceleistungen können ältere Menschen für Flughäfen lukrativer werden. Dies liegt zum einen daran, dass für mehr als die Hälfte der älteren Generation Serviceleistungen wichtig bzw. relevant sind. Zum anderen kann durch Serviceleistungen die Kundenbindung gefördert werden.

Daher muss sich auch die Luftverkehrsbranche damit auseinandersetzen, wie sie ihr Serviceangebot auf Flughäfen in Bezug auf ältere Menschen gestalten bzw. welche Serviceleistungen sie für diese Zielgruppe anbieten sollten, um deren Bedürfnisse nach Sicherheit, Selbständigkeit, Mobilität, Partizipation, Gesundheit und Lebensqualität zu befriedigen. Da die Hälfte der Senioren entweder Einschränkungen beim Hören oder beim Sehen und ein Viertel der älteren Menschen sogar Probleme mit beiden Sinnesorganen hat, ist es ebenfalls wichtig, den Flughafen an den altersbedingten Veränderungen der älteren Menschen auszurichten bzw. zu überprüfen, ob diese den Anforderungen genügen. So können der Verlust der Sehkraft sowie das Nachlassen der Farbwahrnehmung dazu führen, dass die Beschilderung im Flughafen seniorengerecht angepasst werden muss. Auch sollten z.B. Lautsprecherdurchsagen deutlich und nicht zu schnell gesprochen werden, da älteren Menschen das Filtern von Geräuschen, insbesondere wenn eine hohe Geräuschkulisse herrscht, schwer fällt. Zusätzlich können Einschränkungen im Bewegungsapparat dazu führen, dass Treppen vermieden und Rolltreppen bevorzugt werden. Insgesamt können durch Serviceleistungen diese Einschränkungen vermindert werden und sie können dabei helfen, den Aufenthalt eines Seniors im Flughafen angenehmer zu gestalten. Diese Optimierungen sind denkbar bei Parkmöglichkeiten, Orientierungshilfen (z.B. Beschilderung), Check-in Service, Anreisemöglichkeiten zum Flughafen, Gepäckwagen, Sitzgelegenheiten, Gepäckträgerservice und in den sanitären Anlagen. Für ältere Menschen kann z.B. ein Shuttle-Service, der sie zu Hause abholt und bis vor das Terminal bringt, von Bedeutung sein, damit diese nicht auf andere Personen als „Bringer“ angewiesen sind und ihre Selbständigkeit wahren können. Ebenso lässt sich vermuten, dass aufgrund des Bedürfnisses nach Lebensqualität und damit verbunden nach Komfort ein Park&Sleep&Fly-Angebot eines Flughafenhotels für ältere Menschen, insbesondere für Personen mit einem längeren Anreiseweg, wichtig sein kann. Aufgrund der Abnahme der Muskelkraft kann es älteren Menschen schwerer fallen, ihr Gepäck zu heben oder für längere Zeit in der Warteschlange beim Check-in Schalter zu stehen. Daher kann ein Gepäckträgerservice, der das Gepäcktragen übernimmt, eine Serviceleistung sein, die Senioren in Anspruch nehmen. Weiterhin wäre ein Gepäcklieferservice, durch den das Gepäck per Paket versendet oder per Lieferservice befördert wird, u.U. hilfreich. Vor allem für ältere Menschen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen anreisen und sich so den Transport des Gepäcks mit öffentlichen Verkehrsmitteln ersparen, könnte dieser Service von Bedeutung sein. Außerdem können durch einen Check-in Service, bei dem der Check-in vom Flughafenpersonal übernommen wird, die Schwierigkeiten beim längeren Stehen umgangen werden.

Aus den oben genannten Gründen sollten also die Betreibergesellschaften von Flughäfen ihren Airport auf Seniorentauglichkeit untersuchen und spezielle Serviceleistungen für sie anbieten, um die Zielgruppe der Senioren weiter zu erschließen bzw. ihnen einen Aufenthalt angenehmer zu gestalten.

 

IMG_0012Lisa Denise Engelke ist Studentin der Hochschule Hannover im Master Unternehmensentwicklung, Bachelor of Science Betriebswirtschaftslehre, Abschlussarbeit: Analyse der Bedürfnisse der Generation 60plus zur Ableitung von Serviceangeboten für einen norddeutschen Flughafen.

 

Der VW-Skandal und die ratlosen Senioren

OLYMPUS DIGITAL CAMERAVor einem Jahr habe ich an gleicher Stelle geschrieben „VW Golf – das Lieblingsauto der Deutschen“ und dabei betont, dass dieses Fahrzeug gerade bei älteren Autofahrern der absolute und konkurrenzlose Favorit ist. Heute gehe ich davon aus, dass gerade die älteren Autofahrer besonders schockiert sind, denn sie erleben einen Vertrauensbruch erfahrungsgemäß noch schmerzlicher als andere. Und VW tut bisher wenig, um das Vertrauen in die Marke wieder herzustellen.

Lauter offene Fragen
Der VW-Skandal ist jetzt schon über vier Wochen alt, und Fahrer von VW Dieselfahrzeugen sind ratlos. Insbesondere Senioren unter ihnen haben bange Fragen, die unbeantwortet bleiben: Ist mein Fahrzeug betroffen? Hat es durch die Abgas-Manipulation an Wert verloren? Hat es nach der Umrüstung eine reduzierte Motorleistung? Kann es möglicherweise aus dem Verkehr gezogen werden?

VW hat sich bisher nicht an seine Kunden gewandt. VW-Werkstätten sind überfragt. Und wenn man auf die VW Website geht, gibt es unter der Rubrik „VW aktuell“ und „News“ nur vier Wochen alte Meldungen, in denen VW beteuert, das „Vertrauen wieder gewinnen“ zu wollen und „mit Hochdruck an einer Lösung“ zu arbeiten. Neuere Meldungen gibt es nur auf der Website der Volkswagen AG; dort wird aber nur davon gesprochen, dass die EA 288-Motoren nicht betroffen sind. Kein Wunder, dass ratlose VW Fahrer ihre Fragen jetzt zunehmend an den ADAC oder an das Kraftfahrtbundesamt stellen.

Total verfehlte Seniorenpolitik
Auch wenn VW selbst noch nicht alles aufgearbeitet hat und die Rückrufaktion erst im Jahr 2016 erfolgen soll, eine Kommunikationspolitik ist nicht erkennbar. Gerade Senioren, die einen Großteil der VW Dieselfahrer ausmachen, hätten Wert auf einen schnellen und direkten Kontakt durch VW – und sei es in Briefform – gelegt. Man hätte ihnen sagen können, dass ihr Fahrzeug kostenlos überprüft wird, und dass sie ihre Kaufentscheidung nicht zu bereuen brauchen. Wichtig wäre es gewesen, dass sich die älteren (und das gilt auch für viele jüngere) Kunden von VW wertgeschätzt gefühlt hätten und geplante Maßnahmen nicht nur aus den Medien erfahren hätten.

>> Seniorenfernsehen: Ex-Spielfilmchefin Bettina Reitz attackiert ARD << …

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… so titelt Spiegel-Online am 15.10.2015 anlässlich eines Interviews der ZEIT mit der Ex-Fernsehdirektorin des Bayerischen Rundfunks und neuen Präsidentin der Hochschule für Fernsehen und Film. Es gäbe, so Reitz: „ … einen immer größeren Spalt zwischen denen, die 50 plus sind und auf ihr Fernsehen nicht verzichten wollen, und denen, die 30 minus sind und den ‘Tatort’ schauen, ohne sich darum zu scheren, wer ihn produziert. Wird der Abgrund nicht überbrückt, dann wird das System auseinanderbrechen. Dann wird es ein Seniorenfernsehen geben, namens ‘Das Erste’ und ‘ZDF’ – und ein digitales Angebot”.

Seniorenfernsehen darf man in diesem Zusammenhang wohl durchaus abwertend verstehen. Sind damit doch wohl die Fernsehkonsumenten gemeint, die das zeitlich starre Fernsehangebot regungslos über sich ergehen lassen. Frau Reitz verortet sie anscheinend nur bei den Älteren. Aber diese Haltung ist natürlich keineswegs altersspezifisch, sondern findet sich durchaus auch bei der jüngeren Generation, den sogenannten Couch-Potatoes. Nur dass die sich nicht von ARD und ZDF berieseln lassen, sondern von RTL, Pro Sieben und Konsorten.

Richtig an ihrer Analyse ist allerdings, dass die digitalen Angebote dem Fernsehen, wie wir es bisher gewohnt sind, langfristig den Garaus machen werden – allerdings wahrscheinlich sehr viel gründlicher, als sich das Frau Reitz im Moment noch träumen lässt. Streamingdienste und Mediatheken – übrigens auch von den Öffentlich Rechtlichen angeboten – YouTube, Amazon, Apple, Google – sie alle machen es möglich, sich unabhängig vom Standardfernsehangebot jederzeit das Programm anzuschauen, welches man sich am Smartphone, Tablet- oder Desktop-PC selbst zusammengestellt hat. Die erste Hälfte des Tatort läuft dann in der Mittagspause, der Rest abends nach den Nachrichten.

Federführend bei diesem selektiven Fernsehkonsum werden aber gerade die Älteren sein, denn sie legen weitaus größeren Wert auf relevante Inhalte als Jüngere. Sie werden werden es sein, die ihr Programm nach qualitativ hochwertigen Inhalten zusammenstellen und dabei nicht mehr nach dem Absender fragen. Es wird keinen Abgrund geben zwischen den Sehgewohnheiten von 50 plus und 30 minus – der Graben wird vielmehr zwischen einem hochwertigen, werbefreien und einem minderwertigen, werbefinanzierten Medienangebot, zwischen intelligentem Fernsehkonsum und gedankenloser Berieselung verlaufen. Nirgendwo wird Bill Gates Zitat: „Content is king“ wichtiger werden, als beim Angebot der Medien, wenn damit Geld verdient werden soll. Hochwertige und aufwendig produzierte Inhalte, wie sie ARD und ZDF in ihrem Angebot haben, werden dauerhaft nicht ausschließlich GEZ-finanziert zur Verfügung gestellt werden können. Andere Abomodelle – wie sie beispielsweise von Spotify, Napster und neuerdings auch Aldi bei den Musikflatrates angeboten werden – oder auch Pay-Per-View sind da deutlich flexibler und für die Nutzer attraktiver.

Die Älteren werden es sein, die sich das leisten wollen – und können. So gesehen bekäme das Wort Seniorenfernsehen eine ganz neue Bedeutung: Premiumfernsehen.

Making-of der Zeitschrift „dabei sein in Hannover“

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Zeitschriften für die Generationen im Alter über 50 Jahre sind stark im Kommen – wir haben hier bereits einige Beispiele vorgestellt. Viele versuchen, eine breite Themenpalette abzudecken. Der Erfolg ist bisher eher durchwachsen. Mehr Chancen versprechen sich die Medienhäuser von Special-Interest-Ausgaben wie das Magazin dabei sein, welches von unserer Gastautorin Jutta Junge – Chefredakteurin der Zeitschriften Haus & Markt und dabei sein – betreut wird:

Auf dem Zeitschriftenmarkt ist viel in Bewegung. Die Zeitschrift der Zukunft, so zeigt sich, kann nicht mehr generell sein, sie muss speziell sein. Diese Herausforderung haben wir angenommen, als wir im November 2013 mit unserer „dabei sein“ an den Start gingen.

Doch die Idee war gar nicht so neu, sie war eine logische Entwicklung. „dabei sein“ erscheint in der Verlagsgesellschaft Haus und Markt mbH, die im 37. Jahrgang die Zeitschrift „Haus & Markt“ herausgibt. „Haus & Markt“ wendet sich an den Ein- und Zweifamilienhausbesitzer im älteren Baubestand.

Durch unsere tägliche Arbeit haben wir, die Redaktion und der Anzeigenverkauf festgestellt, dass bei dieser Zielgruppe ab einem bestimmten Alter Komfort und Gesundheit immer stärker in den Mittelpunkt rücken. Das belegten auch in der Vergangenheit durchgeführte Leserbefragungen; der demografische Wandel ist zudem eine bekannte, gesellschaftspolitisch relevante Tatsache. Beiträge rund um das Komfortwohnen wurden in der Vergangenheit in den Haus & Markt-Ausgaben zwar berücksichtigt, aber nicht in dem gewünschten Umfang und in der möglichen Vielfalt. Weiterlesen

Die Umkehrhypothek – eine verpasste Marktchance?

Das eigene Haus oder die selbstgenutzte Eigentumswohnung werden zu Recht als wichtige Bausteine der Altersvorsorge angesehen. Eine Immobilie stellt dabei häufig einen beträchtlichen Vermögenswert dar. Wenn ansonsten dann aber kein oder kaum weiteres Vermögen vorhanden ist, fehlt mit Eintritt in den Ruhestand die Liquidität, um den gewohnten Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Am einfachsten wäre natürlich ein Verkauf des Objekts, um mit dem Erlös die Rente aufzubessern. Der Wunsch vieler, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben, steht dem allerdings entgegen.

Die Umkehrhypothek – ein Modell aus den USA

In den USA wurden deshalb Modelle entwickelt, wie eine Immobilie zu Barem gemacht wird und der Eigentümer dennoch weiter darin wohnen kann. Die Idee dabei ist: Auf die Immobilie wird eine Hypothek aufgenommen, die mit einer Grundschuld abgesichert ist. Der Darlehensbetrag wird aber nicht sofort vollständig ausgezahlt, vielmehr erhält der Darlehensnehmer eine monatliche steuerfreie Rentenzahlung. Sie ist abhängig vom Wert der Immobilie, dem Alter des Immobilieneigentümers und dem Zinssatz. Über die Jahre wächst somit die Hypothekenschuld, weswegen sich für diese Art der Finanzierung auch der Begriff Umkehrhypothek etabliert hat. Mit Auszug, zum Beispiel in ein Altenheim, oder Tod geht die Immobilie in das Eigentum des Finanzinstituts über, das aus dem Verkaufserlös das Darlehen ablöst und einen eventuellen Überschuss an den bisherigen Eigentümer oder an die Erben auszahlt.

Die Nachfrage wird auch in Deutschland steigen

In Deutschland hat sich diese Form, Immobilienvermögen ratenweise auszuzahlen und damit die eigene Rente aufzubessern, aber bisher nicht durchgesetzt. Das mag daran liegen, dass diese Art von Hypothek nicht ganz billig ist. Denn das Kreditinstitut lässt sich das Marktpreisrisiko für die Immobilienverwertung durch teilweise kräftige Abschläge auf den aktuellen Verkehrswert bezahlen. Außerdem gehen anfallende Gebühren zu Lasten des Kreditnehmers. Wird an Stelle einer zeitlich befristeten Rentenzahlung eine lebenslange Zahlung vereinbart, fällt der Abschlag noch höher aus, da dann auch noch das Langlebigkeitsrisiko – der Darlehensnehmer lebt länger als statistisch zu erwarten ist – abgesichert werden muss. Der demografische Wandel und insbesondere die wachsende Versorgungslücke im Alter wird aber dazu führen, dass die Nachfrage nach einem solchen Angebot steigen wird. Gerade auch für alleinstehende Hausbesitzer, die keine Erben hinterlassen, dürfte die Umkehrhypothek als interessante Finanzierungsform in Betracht kommen.

Mehr Engagement bei den Finanzinstituten in Deutschland notwendig

Die Finanzinstitute in Deutschland sind daher gut beraten, sich diesem Thema zu widmen. Allein oder mit externer Unterstützung – wie zum Beispiel durch die Experten der MSS-Unternehmerhilfe eG – sollten neue Vertriebs- und Kooperationsformen, z.B. mit der Immobilienwirtschaft, entwickelt werden, um attraktive Angebote, die sich sowohl für das Unternehmen als auch für den Kunden rechnen, zu schaffen. Geschieht dies nicht, verzichtet die Kredit- und Versicherungswirtschaft auf ein wachsendes Marktsegment. Denn da die Umkehrhypothek dem Konstrukt eines Verkaufs gegen Leibrente ähnelt, werden Kunden auf alternative Problemlösungen ohne Beteiligung der Finanzinstitute ausweichen, z.B. durch ein vorzeitiges Vererben der Immobilie an die Kinder mit Einräumung eines lebenslangen Wohnrechts.

 

Manfred PeterManfred Peter ist Mitglied im Expertenteam der MSS-UnternehmerHilfe eG, das wiederum Mitglied im ReifeNetzwerk ist. Die Genossenschaft berät und unterstützt mittelständische Unternehmen bei betriebswirtschaftlichen Fragen und gibt Hilfestellung zur Unternehmensführung.

Webseite: www.mss-unternehmerhilfe.de
Kontakt: peter[at]mss-unternehmerhilfe.de

Neulich auf der IAA …

… habe ich Automobilhersteller nach einem Seniorenauto gefragt.

SeniorenautoAlle haben entrüstet gemeint, dass sie ein Seniorenauto weder jetzt noch in Zukunft anbieten werden. Ich habe darauf hin im Rahmen einer Studie Männer über 50 gefragt, welche Fahrzeugmerkmale ihnen bei einem PKW wichtig sind. Neben dem sparsamen Motor wurden hier eine Reihe von Merkmalen genannt, die das Autofahren trotz der sich langsam bemerkbar machenden Alterserscheinungen erleichtern: bequeme Sitze, die leicht zu besteigen sind und Ermüdungserscheinungen gar nicht erst aufkommen lassen, eine gute Übersichtlichkeit, die sowohl die Sicht nach außen als auch die Sicht innen auf wichtige Armaturen und Bedienungselemente problemlos macht, ein ausreichend großer Kofferraum, der sich auch bei Rückenproblemen leicht beladen lässt, und helle Scheinwerfer, die auch beim Fahren in der Dämmerung die Augen nicht zu sehr anstrengen.

Würde man nun ältere Autofahrer fragen, ob sie ein Seniorenauto haben wollen, würden sie dies wahrscheinlich eben so entrüstet verneinen wie die oben erwähnten Automobilhersteller. Aber sie würden wohl ein Auto bevorzugen, das alle diese gewünschten Fahrzeugmerkmale hat.

Also: Eigenschaften eines Seniorenautos ja, aber „Seniorenauto“ nennen darf man dies nicht.

Wirtschaft und Gesellschaft müssen sich auf selbstbewusste Senioren einstellen

 

csm_logo_11_DST_RGB_kurz_72dpi_735d67750dVom 2. bis 4. Juli 2015 fand der 11. Deutsche Seniorentag unter dem Motto „Gemeinsam in die Zukunft“ statt. Trotz tropischer Temperaturen strömten in den drei Tagen rund 15.000 Besucherinnen und Besucher in das Congress Center der Messe Frankfurt am Main. Am Freitag waren auch viele junge Menschen dabei, die sich beruflich oder privat für das Thema interessieren.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO) ist die Lobby der Älteren. Es ist der BAGSO in Frankfurt wieder gelungen, eine hochkarätige Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Auch die begleitende Messe SenNova brachte neue Anregungen, die begeistert aufgenommen wurden. Das Tagungsprogramm deckte viele Aspekte des Älterwerdens ab und die Beteiligung der Besucherinnen und Besucher zeigte, wie aufgeschlossen und aktiv Menschen reiferen Alters am Leben teilnehmen. Mehr dazu unter: www.bagso.de.

„66 gute Ideen für ein aktives Altern“ ist der Titel der Broschüre, die Prof. Dr. Dr. Ursula Lehr, Vorsitzende der BAGSO, auf der SenNova präsentierte und von IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung – erstellt wurde. Mehr dazu unter: www.in-form.de/aeltere.

In den Vorträgen wurden Themen behandelt wie „Neue Medien und Technik kennen lernen“, rund um die Gesundheit gab es viele Informationen und praktische Anleitungen, die Polizei Hessen war mit dem Präventionsmobil präsent und in der Video-Box lief der Film: Wie wollen wir in Zukunft alt werden?

Neue Produkte und Dienstleistungen machten die Messe SenNova spannend. So könnten man den ersten generationenfreundlichen Strandkorb bestaunen, Paro – die Roboter-Robbe streicheln, erfuhr, wie Verpackung leicht zu öffnen sind, wie Bäder so umzubauen sind, dass alle Generationen sich wohl fühlen. Es wurde gezeigt, wie komfortabel man heute im Bus unterwegs sein kann, wie carehotels es ermöglichen, dass Familien mit zu pflegenden Angehörigen gemeinsam Urlaub machen können, wie Bildung auch im fortgeschrittenen Alter neue Horizonte eröffnen kann. Da das Leben nicht nur aus Urlaub besteht, sondern viele im Alltag mit Fragen wie zum Beispiel Demenz konfrontiert werden, die sie überfordern, ist die mobile Demenzberatung „Für Sie ins Quartier“ eine interessante Lösung. Mehr dazu unter: www.fuer-sie-ins-quartier.de

Positiv anzumerken ist, dass die Gruppe der Älteren ein „neues“ Selbstbewusstsein an den Tag legt. Als eifrige Besucherin der Deutschen Seniorentage, die alle drei Jahre an unterschiedlichen Standorten stattfinden, so zum Beispiel in Hannover, Leipzig, Hamburg und aktuell Frankfurt stelle ich als Mitglied des ReifeNetzwerks fest, dass sich das Altersbild positiv wandelt. Das, was das ReifeNetzwerk seit 10 Jahren unterstützt, wird zunehmend Realität. Die heutigen Seniorinnen und Senioren – oder wie man auch immer sie nennen möge – sind selbstbewusst, interessiert und durchaus finanzstark. Sie erwarten von der Wirtschaft und Gesellschaft gute Angebote und fairen Umgang. Sie selbst tragen ihren Anteil dazu bei.

 

Monika PröttMonika Prött ist Inhaberin der PRÖTT & PARTNER GbR – Ansprechpartner für anspruchsvolle Kommunikation, speziell in den Branchen Finanzen, Ernährungsindustrie, Gesundheitsmarkt. Sie hat „Das ReifeNetzwerk“ initiiert und die Deutsche Seniorenpresse Arbeitsgemeinschaft e.V. (dsp) mitgegründet.

Radfahren und Senioren – das Dreamteam für Fahrradhändler

Radsport boomt - auch bei Senioren. © fotolia - Gina Sanders

Radsport boomt – auch bei Senioren. © fotolia – Gina Sanders

Fahrradfahren boomt, und das nicht nur bei den Jüngeren. In ihrer Ausgabe vom 10. Juli 2015 meldet die Leipziger Volkszeitung, dass die Einwohner Leipzigs bundesweit die meisten Fahrräder besäßen. So kämen auf umgerechnet 1.000 Einwohner 912 Stück, was einen bundesweiten Rekord darstellt. „Es gibt eine ganz neue Kultur im Umgang mit Fahrrädern – nicht nur bei jungen Leuten, sondern auch bei Senioren.” So erklärte Torben Heinemann vom Amt für Verkehrs- und Tiefbau den Rekord, der selbst Fachleute ein wenig überraschte.

„Gesundheit, Mobilität und aktive Freizeitgestaltung haben heute über alle Altersstufen einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert, der mit zur steigenden Beliebtheit des Fahrrads beiträgt. Besonders attraktiv ist die Bewegung auf zwei Rädern bei der wachsenden Gruppe der über 50-Jährigen und bei Senioren“, stellte der Pressedienst Fahrrad bereits im vergangenen Jahr fest, und weiter: „Das typische Seniorenrad, das viele in Form eines trägen Citybikes mit tiefem Einstieg und wenig Innovation vor Augen haben, gibt es so kaum mehr auf dem Markt. Im gleichen Maße wie sich Lebensstil und Lebensgefühl der Senioren verändert bzw. vervielfältigt haben, hat sich auch die Radtechnik diversifiziert.“

Mit den aktuellen E-Bikes ist Fahrradfahren auch für Ältere wesentlich einfacher und komfortabler geworden. Zum Beispiel bringen Nabendynamos und LED-Beleuchtung viel Licht nahezu wartungsfrei auf die Straße, welches sich selbst bei Rädern der 700- bis 1.000-Euro-Klasse auch noch selbsttätig einschaltet. Einige Modelle werden sogar mit der gewohnten Rücktrittbremse angeboten, denn: „Was nützt die beste Bremsanlage, wenn der Umgang ungewohnt ist oder gar eine abschreckende Wirkung hat?“, erläutert Victoria Arnold vom Pedelec–Pionier Flyer. Stufenlose Automatikgetriebe, wartungsarme Antriebe, Vollfederung, integrierte Kabelschlösser oder Gepäckträger mit einem praktischem System zum schnellen Anbringen von Körben oder Taschen überzeugen gerade die Älteren in den Punkten Komfort und Bedienbarkeit.

Aber es gibt auch ältere Radfahrer, die mit dem bequemen und gemütlichen Dahinradeln nichts am Hut haben und sich stattdessen lieber von knochenharten, ungefederten Rennrädern quälen lassen.  Weiterlesen

Liebling, ich habe die SOS-Funktion geschrumpft …

Haier Seniorenuhr

Senioren Smartwatch mit SOS-Taste

Kurz bevor Apple laut allen Tech-Medien am 9. März seinen Micro-Computer fürs Handgelenk, die Apple Watch, vorstellen wird, präsentiert der chinesische Hersteller Haier – nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Haushaltsgeräte – auf dem Mobile World Congress in Barcelona eine Smartwatch, die sich insbesondere an ältere Kundenschichten wendet. Was bisher ein Merkmal von sogenannten Seniorenhandys war – eine SOS-Taste – hat der Technikproduzent nun in eine Armbanduhr integriert. Sie ist durch eine SIM-Karte mit einer Telefon-Funktion ausgestattet. Über die rote SOS-Taste kann die Uhr im Notfall ein Alarmsignal an bis zu drei Nummern senden. Darüber hinaus verfügt die Uhr über ein Mikrofon und Lautsprecher sowie einen GPS-Tracker. Mithilfe einer Smartphone-App für iOS oder Android können Angehörige eine „sichere Zone“ für den Träger definieren. Sobald der diese Zone verlässt, wir ein Alarm ausgelöst. Klingt ein wenig nach „elektronischer Fußfessel“, kann aber für orientierungslose Demenzkranke durchaus nützlich sein.

Außerdem sind weitere GPS-basierte Funktionen integriert wie z. B. eine Rückverfolgung des Aufenthaltortes über mehrere Tage. Über die Uhr können auch Hintergrundgeräusche mitgehört werden, um sich beispielsweise bei unbeantworteten Anrufen ein Bild vom Wohlbefinden der Person machen zu können.

Die Akkulaufzeit gibt Haier mit bis zu zwei Tagen an – viel zu kurz, was aber bei nahezu allen Wearables ein Problem ist, insbesondere für den anvisierten Kundenkreis, der ein regelmäßiges Aufladen schnell einmal vergessen haben dürfte. Hier sollte der Hersteller über ein Stromsparmanagement nachdenken, welches die Akkulaufzeit drastisch verlängert. Selbstverständlich ebenso nachgedacht werden müsste über eine möglichst einfache Aufladefunktion. Die Oldschool-Lösung – Ladekabel + Netzteil – ist sicherlich keine sinnvolle Option. Der OLED-Bildschirm der Uhr besitzt eine Diagonale von 2,43 cm. Laut Hersteller soll die Uhr auch bis zu 30 Meter wasserfest sein. Die voraussichtliche Verfügbarkeit der Uhr gibt Haier mit Mai 2015 an, Preise werden noch bekannt gegeben.

Interessant ist, dass der Hersteller die Uhr als „vernetzte Armbanduhren für Kinder und Senioren“ präsentiert und mit der gleichen Technologie auch ein Halsband für Haustiere auf den Markt bringt …