10 Jahre LINGA

Im Jahr 2005 wurde das ReifeNetzwerk gegründet mit dem Ziel, Unternehmen und Institutionen zu beraten und anzuregen, sich mit den Bedürfnissen und Wünschen älterer Kunden zu beschäftigen und entsprechende Produkte und Dienstleistungen anzubieten.

Ein Jahr später wurde die Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag (LINGA) ins Leben gerufen. In diesem Jahr feiert die LINGA ihr zehnjähriges Jubiläum und kann auf eine wirkliche Erfolgsstory verweisen. Wir vom ReifeNetzwerk freuen uns, dass wir schon häufiger die Chance hatten, mit der LINGA zusammenzuarbeiten. So hat zum Beispiel unser Mitglied Andreas Ossig den Namen LINGA entwickelt sowie das Logo entworfen und wir haben  bei  der Erstellung des Leitfadens Generationenfreundliches Einkaufen mitgearbeitet. Wir wünschen der LINGA weiterhin viel Erfolg und viele interessante und zukunftsweisende Projekte.

Wie vielfältig die Aufgaben der LINGA sind, erfahren Sie hier:

Soziale Innovationen für Generationen – Eine Welt für alle Lebensalter

Mit einer Fachtagung feierte die Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag (LINGA) ihr zehnjähriges Bestehen. Unter dem Motto „Soziale Innovationen für Generationen“ blickten rund 100 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Interessenverbänden auf die letzten Jahre zurück und entwickelten gemeinsam neue Handlungsansätze und Projektideen.

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Sozialministerin Cornelia Rundt – Foto: LINGA

Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt überbrachte die Glückwünsche ihres Hauses und stellte fest: „LINGA ist eine Querschnittsplattform, die generationenübergreifend soziale Innovationen für den Alltag anstößt. Zugleich vernetzt die LINGA wichtige Akteure und initiiert Kooperationen. Mit diesem Ansatz trägt sie dazu bei, dass der demografische Wandel auch als soziale und wirtschaftliche Chance verstanden wird und Wirtschaftsunternehmen endlich Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit Behinderungen als kaufkraftstarke Zielgruppe für alters- und behindertengerechte Produkte und Dienstleistungen ernst nehmen.“

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DemografieFest 2016: Niedersächsische Unternehmen ausgezeichnet

Kurzmitteilung

„Unsichtbares sichtbar machen“ – DemografieFest 2016: Niedersächsische Unternehmen – ausgezeichnet

Bereits zum zweiten Mal wurden am 4. August 2016 im Alten Rathaus in Hannover niedersächsische Unternehmen mit dem Zertifikat „Demografiefest. Sozialpartnerschaftlicher Betrieb“ vom niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies und der Demografieagentur ausgezeichnet.

Mit der Auszeichnung werden Unternehmen für ihre Demografiefestigkeit gewürdigt und verpflichten sich, die im Zertifizierungsprozess vereinbarten Ziele innerhalb der nächsten zwei Jahre nachhaltig zu verstetigen. Im Rahmen der Fachkräfteinitiative Niedersachsen ist das Zertifikat ein sichtbares Zeichen des Landes Niedersachsen für sozialpartnerschaftliches Engagement und zukunftssichere Unternehmen. Elf Unternehmen haben in einer feierlichen Zeremonie die Auszeichnung entgegen genommen.

10 Jahre ReifeNetzwerk: Der Absatz- und Personalmarkt für Ältere nimmt an Fahrt auf

RNW-Logo-10JahreVor zehn Jahren, am 17. November 2005, gründete ich mit Kolleginnen und Kollegen in Hannover das ReifeNetzwerk. Das gemeinsame Ziel war, Unternehmen beim Einstieg in den wichtigen und wachsenden Markt für ältere Menschen zu unterstützen, da diese (Ziel-) Gruppe sowohl als Konsumenten als auch für den Arbeitsmarkt immer wichtiger wird. Also weg von der Fokussierung auf den Jugendmarkt hin zu den Älteren, die andere Bedürfnisse und Erfordernisse haben als die Jungen, aber treibende Kräfte in Wirtschaft und Gesellschaft sind.

Vor zehn Jahren wurden die Expertinnen und Experten des ReifeNetzwerks noch als Exoten angesehen. Doch das hat sich im Laufe der Jahre geändert. Älterwerden ist ein sensibles Thema. Menschen ab 50 – sogenannte Best Ager – wollen nicht über das Alter angesprochen werden. Wie wichtig die richtige Ansprache ist, zeigen Studien, die unter anderem auch vom ReifeNetzwerk durchgeführt wurden. So wurde auch der Begriff PEGGI’s kreiert. Das bedeutet: Persönlichkeit – Erfahrung – Geld – Geschmack und Interessen. Der Begriff hat sich zwar nicht durchgesetzt, die Bedeutung aber schon. Um es kurz zu machen: die Ansprache über das Alter funktioniert – von einigen Ausnahmen abgesehen – ab Mitte 70. Davor empfiehlt sich die Ansprache über Interessen und Themen wie Sicherheit rund um das Haus, Barrierefreiheit, Gesundheit und komfortables Reisen. In allen Fällen gilt: Angebote und Produkte dürfen nicht den Anschein erwecken, Lösungen für Alter, Krankheit oder Gebrechlichkeit zu sein. Hier haben Unternehmen eine Menge dazu gelernt, auch – so hoffen wir – durch unsere Arbeit.

Die Digitalisierung verändert die Welt
Die zunehmende Digitalisierung und Komplexität in Wirtschaft und Beruf ergeben ganz neue oder andere Bedürfnisse und Erfordernisse. So werden so „alte Tugenden“ wie Beratung und Service bei den Konsumenten wieder ganz groß geschrieben. Wenn sich heute eine Frau Anfang 60 ein neues Telefon kauft, möchte sie kein Seniorentelefon, das sie stigmatisieren könnte, sondern ein schickes Mobiltelefon. Wenn sie keine Kinder oder Enkel hat, die ihr die Bedienung erklären, möchte sie eine kompetente Beratung, die ihr nicht das Gefühl gibt, sie sei ein wenig beschränkt. Das Gefühl wird einem durchaus vermittelt, wenn man an einen smarten Verkäufer gerät, der zwar lauter, aber nicht verständlicher spricht. Das Thema lässt sich auf alle Bereiche ausdehnen.

Beispiel Beipackzettel – sei es bei Medikamenten oder bei Kosmetik: sie sind so klein oder unverständlich, dass nicht nur Ältere zumindest eine Brille braucht, um sie lesen zu können. Einige Unternehmen haben das erkannt und gehen hier mit gutem Beispiel voran – ein Beweis, dass Probleme lösbar sind, wenn man die Bedürfnisse der Verbraucherinnen und Verbraucher im Auge hat.

Menschen, die früher gern einkaufen gingen, fühlen sich inzwischen häufig überfordert vom immer unübersichtlicher werdenden Angebot. Folgender Fall: Die gesuchten Produkte sind umgeräumt, die wenigen Verkäuferinnen und Verkäufer zwar oft kompetent, aber schwer zu finden. Hier würden sich viele einen Einkaufsberater wünschen. Daher weichen zunehmend auch ältere Menschen immer häufiger auf Onlinebestellungen aus, da sie so in Ruhe bestellen können und die Ware auch noch geliefert bekommen. Nicht nur im Einzelhandel – sondern für alle Lebensbereiche – gilt: Service wird in einer komplexen Welt ein Wettbewerbsvorteil für Unternehmen werden. Daher sollten sie die älteren Mitarbeiter auch als interne Ratgeber nutzen und sie verstärkt in Beratung Service einsetzen. Die Experten des ReifeNetzwerks unterstützen Unternehmen dabei gern mit ihrer langjährigen Erfahrung.

 

Monika PröttMonika Prött ist Inhaberin der PRÖTT & PARTNER GbR – Ansprechpartner für anspruchsvolle Kommunikation, speziell in den Branchen Finanzen, Ernährungsindustrie, Gesundheitsmarkt. Sie hat „Das ReifeNetzwerk“ initiiert und die Deutsche Seniorenpresse Arbeitsgemeinschaft e.V. (dsp) mitgegründet.

Terminankündigung für Schnellentschlossene

Kurzmitteilung

Donnerstag, 16. Juli 2015 in Braunschweig
Fachtagung – Vernetztes Wohnen IV

Tagungsort: Haus der Wissenschaft, Pockelstrasse 11, 38106 Braunschweig
Veranstalter: vdw Niedersachsen Bremen / Die Johanniter
Teilnahmegebühr: 65,00 Euro pro Person

Ansprechpartner:

  • vdw Niedersachsen Bremen, Carsten Ens, Tel. 0511 / 1265 -127
  • Johanniter-Unfall-Hilfe, Thorsten Müller, Tel. 0511/67896-550

Parcours d’amour – Außer dem Alter hat sich doch nicht viel geändert

Filme können Altersbilder auf wunderbare Weise positiv beeinflussen. Das ReifeNetzwerk hat sich schon vor fast 10 Jahren zum Ziel gesetzt, genau dieses zu tun. Daher weisen wir gern auf den Dokumentarfilm Parcours d’amour von Bettina Blümners und die Filmkritik von Constantin Hühn hin:

„Menschen ab einem gewissen Alter stellt man sich gewöhnlich nicht mehr als Liebende vor – oder ausschließlich als liebevolle Großeltern. So wie ihre Kleidung sich langsam entfärbt und einem undefinierbaren Beige zustrebt, so scheint auch ihre Sexualität zu verblassen. …. Die Kombination von Alter und Sex löst in den Jüngeren ein diffuses Unbehagen aus.

Bettina Blümner zeigt nun in ihrem jüngsten Dokumentarfilm Parcours d’amour mit angenehmer Selbstverständlichkeit, dass – zumindest in Paris – natürlich auch Menschen im hohen Alter das Bedürfnis und die Fähigkeit haben können, zu lieben und sich sexuell auszuleben. Das heißt: Sie zeigt uns einfach einige ältere Menschen, die aus ihrem Leben erzählen. ….

Bettina Blümner: Die Protagonisten haben ja letztlich ähnliche Probleme wie die Mädchen in „Prinzessinnenbad (2007)“, bloß, dass sie eben 50 oder 70 Jahre älter sind. Außerdem dem Alter hat sich eigentlich nicht so viel geändert.“

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung – 31. Mai 2015, Nr. 22 Feuilleton

Sitzplätze und Karaoke

Schon seit vielen Jahren weist das ReifeNetzwerk darauf hin, dass sich der Handel auf die Bedürfnisse der älteren Kunden einstellen muss. Besonders Serviceleistungen sind gefragt und werden zum Teil auch schon angeboten. Doch es geht mehr, wie eine Meldung aus Japan zeigt.

„Angesichts des demografischen Wandels sprechen Japans Convenience-Stores jetzt verstärkt ältere Menschen als Kunden an. Das berichtet die Japan Times. Bisher hatten sich die Shops eher als Platz für junge Kunden mit Fast-Food, Konzert-Tickets und Comics profiliert. Jetzt rücken Themen wie Heim-Belieferung, gesunde Bento-Boxen und Apotheken-Sortiment stärker in den Fokus der Branche. Einige Shops bieten offenbar für die ältere Generation bereits gesundheitliche Beratung, Sitzplätze und sogar Karaoke zur Unterhaltung“.

Quelle: convenience shop 04-2015 Seite 7 Japan/Kyoto

Demografiefest: Wirtschaftsminister Lies zeichnet Betriebe aus

Kurzmitteilung

Niedersachsen übernimmt Vorreiterrolle
Wirtschaftsminister Lies zeichnet demografiefeste Betriebe aus

Anlässlich des DemografieFestes am 8. Juni 2015 im Alten Rathaus Hannover, zeichnete Wirtschaftsminister Olaf Lies gemeinsam mit der Demografieagentur, Hannover, die seit drei Jahren in Niedersachsen aktiv ist, Unternehmen mit dem Zertifikat „Demografiefest. Sozialpartnerschaftlicher Betrieb“ aus. Insgesamt konnten zwölf niedersächsische Unternehmen das begehrte Zertifikat entgegennehmen.  Danach sind folgende Unternehmen für die Zukunft demografiefest aufgestellt und wollen so als Arbeitgeber attraktiv bleiben:

  • Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB), Hannover
  • AMF-Bruns GmbH & Co. KG, Apen
  • Bildungswerk verdi
  • Gemeinde Lilienthal
  • Georgsmarienhütte GmbH, Landkreis Osnabrück
  • Sartorius Industrial Scales GmbH & Co. KG, Bovenden
  • Stadt Wolfsburg
  • Stadtwerke Hameln GmbH
  • Toyoda Gosei Meteor GmbH
  • üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG
  • WABCO GmbH, Hannover
  • ZF Friedrichshafen AG, Lemförde

Weitere Informationen: www.demografieagentur.de

Das ReifeNetzwerk ist Netzwerkpartner der Demografieagentur für die niedersächsische Wirtschaft GmbH. Die Experten des ReifeNetzwerks unterstützen die Aktivitäten der Demografieagentur, da besonders Unternehmen in ländlichen Regionen Vorsorge treffen müssen, um für Arbeitnehmer als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben.

Liebling, ich habe die SOS-Funktion geschrumpft …

Haier Seniorenuhr

Senioren Smartwatch mit SOS-Taste

Kurz bevor Apple laut allen Tech-Medien am 9. März seinen Micro-Computer fürs Handgelenk, die Apple Watch, vorstellen wird, präsentiert der chinesische Hersteller Haier – nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Haushaltsgeräte – auf dem Mobile World Congress in Barcelona eine Smartwatch, die sich insbesondere an ältere Kundenschichten wendet. Was bisher ein Merkmal von sogenannten Seniorenhandys war – eine SOS-Taste – hat der Technikproduzent nun in eine Armbanduhr integriert. Sie ist durch eine SIM-Karte mit einer Telefon-Funktion ausgestattet. Über die rote SOS-Taste kann die Uhr im Notfall ein Alarmsignal an bis zu drei Nummern senden. Darüber hinaus verfügt die Uhr über ein Mikrofon und Lautsprecher sowie einen GPS-Tracker. Mithilfe einer Smartphone-App für iOS oder Android können Angehörige eine „sichere Zone“ für den Träger definieren. Sobald der diese Zone verlässt, wir ein Alarm ausgelöst. Klingt ein wenig nach „elektronischer Fußfessel“, kann aber für orientierungslose Demenzkranke durchaus nützlich sein.

Außerdem sind weitere GPS-basierte Funktionen integriert wie z. B. eine Rückverfolgung des Aufenthaltortes über mehrere Tage. Über die Uhr können auch Hintergrundgeräusche mitgehört werden, um sich beispielsweise bei unbeantworteten Anrufen ein Bild vom Wohlbefinden der Person machen zu können.

Die Akkulaufzeit gibt Haier mit bis zu zwei Tagen an – viel zu kurz, was aber bei nahezu allen Wearables ein Problem ist, insbesondere für den anvisierten Kundenkreis, der ein regelmäßiges Aufladen schnell einmal vergessen haben dürfte. Hier sollte der Hersteller über ein Stromsparmanagement nachdenken, welches die Akkulaufzeit drastisch verlängert. Selbstverständlich ebenso nachgedacht werden müsste über eine möglichst einfache Aufladefunktion. Die Oldschool-Lösung – Ladekabel + Netzteil – ist sicherlich keine sinnvolle Option. Der OLED-Bildschirm der Uhr besitzt eine Diagonale von 2,43 cm. Laut Hersteller soll die Uhr auch bis zu 30 Meter wasserfest sein. Die voraussichtliche Verfügbarkeit der Uhr gibt Haier mit Mai 2015 an, Preise werden noch bekannt gegeben.

Interessant ist, dass der Hersteller die Uhr als „vernetzte Armbanduhren für Kinder und Senioren“ präsentiert und mit der gleichen Technologie auch ein Halsband für Haustiere auf den Markt bringt …

Umzugsprämie für Senioren – und dann?

Fotolia_68950202_XS+Vor wenigen Tagen schlug IG Bau Gewerkschaftschef Robert Feiger vor, Senioren 5.000 Euro staatliche Umzugsprämie für den Wechsel in kleinere Wohnungen zu zahlen. „Viele Senioren sitzen im Alter in ihren großen Wohnungen fest, viele Familien müssen dagegen in viel zu kleinen Wohnungen wohnen. Diesen Missstand müssen wir beheben”, sagte Feiger der BILD-Zeitung.

Was möglicherweise gut gemeint war – denn es gibt durchaus ältere Menschen, denen ihre Wohnung zu groß ist, die aber Aufwand und Kosten für einen Umzug scheuen – wurde überwiegend kritisch aufgenommen. Die BILD-Zeitung selbst titelte gewohnt plakativ:

RENTNER SOLLEN GROSSE WOHNUNGEN RÄUMEN ++ IG-BAU-CHEF ROBERT FEIGER WILL UMZUGSPRÄMIE FÜR SENIOREN ++ SIE SOLLEN PLATZ MACHEN FÜR JUNGE FAMILIEN!

„Richtiges Thema, falscher Vorschlag“, befand die taz. Die Realität sähe anders aus. Noch nie seien die über 65-Jährigen so mobil wie heute. Sei der Job getan, zögen die Best-Ager von Köln ins hübsche Görlitz oder vom langweiligen Dorf in die anregende Innenstadt. Jedoch – und hier käme der Vorschlag des IG-BAU-Chefs ins Spiel – klagten die Senioren darüber, dass die kleinere Wohnung mehr koste als die viel zu große mit einem alten Mietvertrag. Statt einer Umzugsprämie sei deshalb etwas ganz anderes nötig: ein Umzugsmanagement, etwa der kommunalen Wohnungseigentümer, das garantiert, dass die verlassene große Wohnung, ebenso wie die kleine neue zum selben Preis vermietet wird wie an die Vormieter.

Der Chef des Sozialverbands SoVD, Adolf Bauer, nannte die Maßnahme «im Einzelfall sinnvoll». Er warnte jedoch: „Kein Mensch darf sich gezwungen fühlen, seine Wohnung räumen zu müssen.“

Stephan Articus, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, lehnt eine Umzugsprämie ebenfalls ab. „Damit ist nichts gewonnen, denn es müssen ja geeignete Alternativen zur Verfügung stehen“, sagte Articus zu BILD. Es fehle noch an genügend altengerechten Wohnungen.

Die Idee verweise zwar auf ein drängendes Problem, sagte Bauministerin Barbara Hendricks (SPD). Denn es gäbe in der Tat zu wenig bezahlbaren Wohnraum für Familien mit Kindern. Sie halte allerdings diesen Vorschlag für nicht geeignet, dieses Problem zu lösen.

Ein wenig erinnert die Idee an den sozialpolitischen Irrweg des ehemaligen Junge-Union-Chefs Philipp Mißfelder, der vor mehr als zehn Jahren „sehr alten“ Menschen eine neue Hüfte verweigern wollte. Soll mit dem IG-Bau-Vorschlag in die gleiche Kerbe gehauen werden?Jung gegen Alt? Aufkündigung des Generationenvertrages? Zeigt der Vorschlag gar in Richtung „Sozialverträgliches Frühableben“, dem Unwort des Jahres 1998 in Deutschland, welches darauf anspielte, dass ein Mensch mit Erreichen des Rentenalters volkswirtschaftlich betrachtet mehr Kosten verursacht, als er Nutzen bringt? Sicher nicht, auch wenn der Vorschlag bei unreflektierter Betrachtung als ein weiteres Mosaiksteinchen in diese Richtung wahrgenommen werden könnte.

Es kann nicht Ziel sein, fehlenden Wohnraum für junge Familien zu schaffen, indem man den Älteren signalisiert, dass sie sich sozialschädlich verhalten, wenn sie in ihren „zu großen“ Wohnungen wohnen bleiben möchten. Die gewohnte Umgebung aufgeben und sich bei einer Verkleinerung des Haushaltes von liebgewonnen Gegenständen trennen zu müssen, sich neu zu orientieren, die gewohnte Infrastruktur zu verlieren, ist eine der großen Sorgen, die das Älterwerden begleiten, zumal für viele irgendwann ein weiterer Umzug in eine Seniorenunterkunft oder ein Pflegeheim ansteht.

Sinnvoller erscheint da, was Ministerin Barbara Hendricks und CDU-Sozialexperte Karsten Möring unisono fordern: „Besser als Prämien wäre es, den altersgerechten Umbau von Wohnungen zu fördern“. Hierdurch könnten Kosten für Sozial- und Pflegekassen „in erheblichem Umfang“ eingespart werden. Letztendlich hätte dies auch positive wirtschaftlich Folgen, denn nach einer Studie des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) ist zurzeit nur ein Prozent des deutschen Wohnungsbestandes in einem altersgerechten Zustand. Bis 2020 müssten mindestens 800.000 Wohnungen angepasst oder neu gebaut werden. Insbesondere das Handwerk würde also von einem Ausbau der Förderung profitieren. Viele Betriebe haben ohnehin die Älteren als lukrative Zielgruppe ausgemacht, die darüber hinaus bekannt ist für ihre hohe Zahlungsmoral.

Das ReifeNetzwerk unterstützt Handwerksbetriebe dabei, sich diesen lukrativen aber anspruchsvollen Markt zu erschließen.

Internationaler Tag der älteren Menschen

International Day of Older PersonsAm 1. Oktober ist der internationale Tag der älteren Menschen. Dieser Aktionstag soll dazu dienen, die Leistungen der Älteren zu würdigen und auf ihre Lebenssituation und Belange aufmerksam zu machen. So weist die Stiftung Gesundheit darauf hin, dass nicht jede Arztpraxis leicht zugänglich ist. Barrieren wie Stufen oder kontrastarme Praxisgestaltung beschränken die freie Arztwahl von Personen mit Mobilitätseinschränkungen beziehungsweise Sehbehinderungen.

Über das Portal www.arzt-auskunft.de finden ältere Menschen Praxen, die barrierefrei erreichbar sind. Bei der Suche können Patienten nach unterschiedlichen Komponenten filtern, so zum Beispiel „stufenfreier Zugang“ oder „Orientierungshilfen für Sehbehinderte“. Die Stiftung Gesundheit erhebt dazu regelmäßig Informationen bei allen niedergelassenen Ärzten, Zahnärzten und Psychologischen Psychotherapeuten in Deutschland, welche Kriterien der Barrierefreiheit die Praxen erfüllen.

Das ReifeNetzwerk findet diese Aktion grundsätzlich gut. Sie trägt dazu bei, das Bewusstsein für die Hürden zu schärfen, die ältere Menschen überwinden müssen, um ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter zu haben. Die Sensibilisierung von Unternehmen, Handwerksbetrieben und Organisationen für die Belange der Älteren in den Bereichen Gesundheit, Reisen, Finanzen, Ernährung ist ein Beratungsschwerpunkt des ReifeNetzwerks.