Neulich in einer Sparkasse …

… hat mich der Filialleiter um Rat gefragt.

Eine Sparkasse, die ihre Räumlichkeiten seniorenfreundlicher gestalten wollte, hat mich gefragt, wie sie am besten die Beratung älterer Kunden so vornehmen kann, dass sich Senioren wohl fühlen. Die Beratung findet dort in der Sparkasse in einem Großraumbüro an den Schreibtischen der Kundenberater statt. Der Filialleiter der Sparkasse hatte die Idee, an den Stühlen für die Kunden Klammern anzubringen, in die ältere Kunden ihren Gehstock einklemmen könnten.

BeratungDa musste ich dem Filialleiter erst mal einen Vortrag über die Stigmatisierung von Defiziten halten. Denn Menschen mit körperlichen Defiziten oder gar Gebrechen wollen diese nicht gleich jedem offenbaren. Und ein Klemmhalter für den Gehstock am Kundenstuhl ist kontraproduktiv, denn er betont das Angewiesen-Sein auf eine Gehhilfe in auffälliger Weise.

Viel besser ist ein freundlicher und aufgeschlossener Service der Kundenberater, der gerade bei älteren Sparkassenkunden besonders zuvorkommend sein sollte. Die herzliche Begrüßung mit dem Kundennamen, das Anbieten einer bequemen Sitzmöglichkeit, die Entgegennahme von Mantel, Schirm und Gehstock sowie ein respektvolles Beratungsgespräch auf Augenhöhe – erklärend aber nicht belehrend – sind Maßnahmen, bei denen der ältere Kunde sich verstanden und akzeptiert fühlt. Und die ideale Beratungssituation ist nicht das kleine separate Beratungszimmer, sondern eine gemütliche Beratungsecke im Geschäftsraum, in welcher der ältere Kunde sich einerseits nicht beobachtet fühlt (andere nicht mithören können), sich andererseits aber auch nicht isoliert vorkommt. Der Gehstock sollte dabei vom Kundenberater vor Beginn des Gespräches ganz selbstverständlich entgegengenommen und so platziert werden, dass er in Griffnähe ist aber nicht umfallen kann.

Luftverkehrsbranche + Serviceleistungen = Boom-Branche?

Airport Terminal Waiting Area and Flying AirplaneFast die Hälfte aller Menschen im Ruhestand verbringt ihre Freizeit mit Reisen. Sie tätigen zudem fast ein Drittel aller Urlaubsreisen der deutschen Bevölkerung. Dabei hat das Flugzeug als Verkehrsmittel für Urlaubsreisen bei älteren Menschen in den letzten 20 Jahren stetig an Wichtigkeit zugenommen Die Tourismusbranche kann somit in Bezug auf den demografischen Wandel als Boom-Branche bezeichnet werden. Insbesondere in Verbindung mit Serviceleistungen können ältere Menschen für Flughäfen lukrativer werden. Dies liegt zum einen daran, dass für mehr als die Hälfte der älteren Generation Serviceleistungen wichtig bzw. relevant sind. Zum anderen kann durch Serviceleistungen die Kundenbindung gefördert werden.

Daher muss sich auch die Luftverkehrsbranche damit auseinandersetzen, wie sie ihr Serviceangebot auf Flughäfen in Bezug auf ältere Menschen gestalten bzw. welche Serviceleistungen sie für diese Zielgruppe anbieten sollten, um deren Bedürfnisse nach Sicherheit, Selbständigkeit, Mobilität, Partizipation, Gesundheit und Lebensqualität zu befriedigen. Da die Hälfte der Senioren entweder Einschränkungen beim Hören oder beim Sehen und ein Viertel der älteren Menschen sogar Probleme mit beiden Sinnesorganen hat, ist es ebenfalls wichtig, den Flughafen an den altersbedingten Veränderungen der älteren Menschen auszurichten bzw. zu überprüfen, ob diese den Anforderungen genügen. So können der Verlust der Sehkraft sowie das Nachlassen der Farbwahrnehmung dazu führen, dass die Beschilderung im Flughafen seniorengerecht angepasst werden muss. Auch sollten z.B. Lautsprecherdurchsagen deutlich und nicht zu schnell gesprochen werden, da älteren Menschen das Filtern von Geräuschen, insbesondere wenn eine hohe Geräuschkulisse herrscht, schwer fällt. Zusätzlich können Einschränkungen im Bewegungsapparat dazu führen, dass Treppen vermieden und Rolltreppen bevorzugt werden. Insgesamt können durch Serviceleistungen diese Einschränkungen vermindert werden und sie können dabei helfen, den Aufenthalt eines Seniors im Flughafen angenehmer zu gestalten. Diese Optimierungen sind denkbar bei Parkmöglichkeiten, Orientierungshilfen (z.B. Beschilderung), Check-in Service, Anreisemöglichkeiten zum Flughafen, Gepäckwagen, Sitzgelegenheiten, Gepäckträgerservice und in den sanitären Anlagen. Für ältere Menschen kann z.B. ein Shuttle-Service, der sie zu Hause abholt und bis vor das Terminal bringt, von Bedeutung sein, damit diese nicht auf andere Personen als „Bringer“ angewiesen sind und ihre Selbständigkeit wahren können. Ebenso lässt sich vermuten, dass aufgrund des Bedürfnisses nach Lebensqualität und damit verbunden nach Komfort ein Park&Sleep&Fly-Angebot eines Flughafenhotels für ältere Menschen, insbesondere für Personen mit einem längeren Anreiseweg, wichtig sein kann. Aufgrund der Abnahme der Muskelkraft kann es älteren Menschen schwerer fallen, ihr Gepäck zu heben oder für längere Zeit in der Warteschlange beim Check-in Schalter zu stehen. Daher kann ein Gepäckträgerservice, der das Gepäcktragen übernimmt, eine Serviceleistung sein, die Senioren in Anspruch nehmen. Weiterhin wäre ein Gepäcklieferservice, durch den das Gepäck per Paket versendet oder per Lieferservice befördert wird, u.U. hilfreich. Vor allem für ältere Menschen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen anreisen und sich so den Transport des Gepäcks mit öffentlichen Verkehrsmitteln ersparen, könnte dieser Service von Bedeutung sein. Außerdem können durch einen Check-in Service, bei dem der Check-in vom Flughafenpersonal übernommen wird, die Schwierigkeiten beim längeren Stehen umgangen werden.

Aus den oben genannten Gründen sollten also die Betreibergesellschaften von Flughäfen ihren Airport auf Seniorentauglichkeit untersuchen und spezielle Serviceleistungen für sie anbieten, um die Zielgruppe der Senioren weiter zu erschließen bzw. ihnen einen Aufenthalt angenehmer zu gestalten.

 

IMG_0012Lisa Denise Engelke ist Studentin der Hochschule Hannover im Master Unternehmensentwicklung, Bachelor of Science Betriebswirtschaftslehre, Abschlussarbeit: Analyse der Bedürfnisse der Generation 60plus zur Ableitung von Serviceangeboten für einen norddeutschen Flughafen.

 

Schulgärten: Wie sich alte Hasen für “junges Gemüse“ einsetzen können

In Schulgärten erleben Kinder die Jahreszeiten, lernen wie sich Erde anfühlt und wie aus winzigen Samenkörnern essbares Gemüse wird. Vor allem für „Hochhauskinder“ sind solche Orte eine wichtige Erfahrung in einem Leben, das sich sowohl in der Schule als auch zu Hause überwiegend in geschlossenen Räumen abspielt. In vielen Schulgärten mangelt es jedoch an personellen und zeitlichen Ressourcen. Die betreuenden Lehrer, die sich häufig noch in ihrer Freizeit engagieren, geraten angesichts enger Stundenpläne und der kurzfristigen Aufmerksamkeit mancher Schüler schnell an ihre Grenzen. In den Ferien wird die Pflege des Schulgartens vollends zum Problem.

Das 2010 entstandene Koblenzer Projekt „Netzwerk Generationen-Schulgärten“ fand einen Lösungsweg: Senioren, die sich bestens auskennen, die eigene Gartenarbeit aber aufgegeben haben, packen neben den Schülern soweit mit an wie sie es leisten können. In der Zusammenarbeit mit der jeweils anderen Altersgruppe gewinnen beide Seiten. Das Projekt wurde mit der UN-Weltdekade „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet und von der Koblenzer Bürgerstiftung unterstützt. Mehr über das Netzwerk …

Ähnlich wie manchen Schulgärten ergeht es dem Uni-Gardening-Projekt im Botanischen Garten der Freien Universität Berlin. Anne Schindhelm, die Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen und Hochschulen bei dem Projekt berät, beklagt die Fluktuation, die durch Ortwechsel, Prüfungsstress und fehlendem gärtnerischen Wissen bei den jungen Menschen entsteht. Sie hofft nun über Vorträge zum Beispiel in der Volkshochschule, interessierte Bürger und Bürgerinnen im Rentenalter für eine Mitarbeit zu gewinnen, um gegenseitigen Erfahrungsaustausch und eine Kontinuität der Gartenarbeit auch in den Semesterferien zu erreichen. Zum Projekt …

Ein Fazit aus der Zusammenarbeit zwischen Älteren und Jungen in Koblenz: Das Gartenwissen in Deutschland liegt heute in der Hand der Großeltern-Generation („Generationen 50plus“). Schulgärten oder sogar Universitäten können davon profitieren, wenn es ihnen gelingt, Seniorpartner und Seniorenpartnerinnen zu finden.

Das ReifeNetzwerk unterstützt diese Idee.

 

36c6500bbfAndrea Preißler (Biowerkstatt Bildung und Projekte), Mitglied des ReifeNetzwerks, berät Unternehmen zur Errichtung von Mitarbeitergärten als teambildende Maßnahme von Jung und Alt. Auch die Beratung zur Gestaltung von besonderen Gärten in Pflegeheimen, die eine positive Wirkung auf ihrer Bewohnerinnen und Bewohner haben und so auch zum guten Ruf der Häuser beitragen, wird angeboten.

Radfahren und Senioren – das Dreamteam für Fahrradhändler

Radsport boomt - auch bei Senioren. © fotolia - Gina Sanders

Radsport boomt – auch bei Senioren. © fotolia – Gina Sanders

Fahrradfahren boomt, und das nicht nur bei den Jüngeren. In ihrer Ausgabe vom 10. Juli 2015 meldet die Leipziger Volkszeitung, dass die Einwohner Leipzigs bundesweit die meisten Fahrräder besäßen. So kämen auf umgerechnet 1.000 Einwohner 912 Stück, was einen bundesweiten Rekord darstellt. „Es gibt eine ganz neue Kultur im Umgang mit Fahrrädern – nicht nur bei jungen Leuten, sondern auch bei Senioren.” So erklärte Torben Heinemann vom Amt für Verkehrs- und Tiefbau den Rekord, der selbst Fachleute ein wenig überraschte.

„Gesundheit, Mobilität und aktive Freizeitgestaltung haben heute über alle Altersstufen einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert, der mit zur steigenden Beliebtheit des Fahrrads beiträgt. Besonders attraktiv ist die Bewegung auf zwei Rädern bei der wachsenden Gruppe der über 50-Jährigen und bei Senioren“, stellte der Pressedienst Fahrrad bereits im vergangenen Jahr fest, und weiter: „Das typische Seniorenrad, das viele in Form eines trägen Citybikes mit tiefem Einstieg und wenig Innovation vor Augen haben, gibt es so kaum mehr auf dem Markt. Im gleichen Maße wie sich Lebensstil und Lebensgefühl der Senioren verändert bzw. vervielfältigt haben, hat sich auch die Radtechnik diversifiziert.“

Mit den aktuellen E-Bikes ist Fahrradfahren auch für Ältere wesentlich einfacher und komfortabler geworden. Zum Beispiel bringen Nabendynamos und LED-Beleuchtung viel Licht nahezu wartungsfrei auf die Straße, welches sich selbst bei Rädern der 700- bis 1.000-Euro-Klasse auch noch selbsttätig einschaltet. Einige Modelle werden sogar mit der gewohnten Rücktrittbremse angeboten, denn: „Was nützt die beste Bremsanlage, wenn der Umgang ungewohnt ist oder gar eine abschreckende Wirkung hat?“, erläutert Victoria Arnold vom Pedelec–Pionier Flyer. Stufenlose Automatikgetriebe, wartungsarme Antriebe, Vollfederung, integrierte Kabelschlösser oder Gepäckträger mit einem praktischem System zum schnellen Anbringen von Körben oder Taschen überzeugen gerade die Älteren in den Punkten Komfort und Bedienbarkeit.

Aber es gibt auch ältere Radfahrer, die mit dem bequemen und gemütlichen Dahinradeln nichts am Hut haben und sich stattdessen lieber von knochenharten, ungefederten Rennrädern quälen lassen.  Weiterlesen

Sitzplätze und Karaoke

Schon seit vielen Jahren weist das ReifeNetzwerk darauf hin, dass sich der Handel auf die Bedürfnisse der älteren Kunden einstellen muss. Besonders Serviceleistungen sind gefragt und werden zum Teil auch schon angeboten. Doch es geht mehr, wie eine Meldung aus Japan zeigt.

„Angesichts des demografischen Wandels sprechen Japans Convenience-Stores jetzt verstärkt ältere Menschen als Kunden an. Das berichtet die Japan Times. Bisher hatten sich die Shops eher als Platz für junge Kunden mit Fast-Food, Konzert-Tickets und Comics profiliert. Jetzt rücken Themen wie Heim-Belieferung, gesunde Bento-Boxen und Apotheken-Sortiment stärker in den Fokus der Branche. Einige Shops bieten offenbar für die ältere Generation bereits gesundheitliche Beratung, Sitzplätze und sogar Karaoke zur Unterhaltung“.

Quelle: convenience shop 04-2015 Seite 7 Japan/Kyoto

Metamorphose der Zielgruppe 50plus

Der „neue“ dritte Lebensabschnitt

Die Versicherungswirtschaft hat die Best Ager wieder als Zielgruppe erkannt. Schon vor Jahren gab es einen Hype, der aber schnell wieder in der Versenkung verschwand. Doch nun die Metamorphose:  In der aktuellen Ausgabe von ASSCompact 06/2015 wird diese „neue“ Erkenntnis in einem Sonderthema behandelt. Ein Auszug von Seite 102:  „Die Generation 50plus hat sich massiv gewandelt. Die sogenannten „Senioren von morgen“ haben in früheren Zeiten bereits zum „alten Eisen“ der Gesellschaft gezählt. Heute wagen viele der sogenannten Best-Ager einen Neustart: Reisen, Immobilien, Berufswechsel, Existenzgründung – und das oft mit großem finanziellen Spielraum. Eine Traum-Zielgruppe für Vermittler.“ Wer mehr darüber lesen möchte, siehe www.asscompact.de.

Das ReifeNetzwerk weist schon seit Jahren auf die Bedeutung der  Zielgruppe 50plus hin und hat dazu auch Studien durchgeführt. Erfreulich ist, dass es nun auf fruchtbaren Boden fällt und nicht ein neuer Hype ist.

 

Monika PröttMonika Prött ist Inhaberin der PRÖTT & PARTNER GbR – Ansprechpartner für anspruchsvolle Kommunikation, speziell in den Branchen Finanzen, Ernährungsindustrie, Gesundheitsmarkt. Sie hat „Das ReifeNetzwerk“ initiiert und die Deutsche Seniorenpresse Arbeitsgemeinschaft e.V. (dsp) mitgegründet.

Inkontinenzprodukte? Cool bewerben?

Werbung für Inkontinenzprodukte? Sicher kein leichtes Thema für eine Werbeagentur. Dabei hat etwa jeder Zehnte seine Blase nicht im Griff – ca. sechs bis acht Millionen Menschen in Deutschland leiden an Inkontinenz. Sowohl Männer als auch Frauen können betroffen sein, wobei Frauen durchschnittlich zwei- bis viermal häufiger daran leiden als Männer (www.harninkontinenz-info.de). Zunehmende Blasenschwäche im Alter ist allerdings für die Betroffenen häufig ein Tabuthema.

Abhilfe ist zwar vorhanden – Inkontinenz ließe sich gut in den Griff kriegen und wäre damit eigentlich recht harmlos – wäre da nicht die Scham, insbesondere bei Männern. Was also tun für einen Hersteller von Inkontinenzprodukten, um seine Produkte an den Mann zu bringen und dabei gleichzeitig alle Klippen dieses etwas „schlüpfrigen“ Themas souverän zu umschiffen?

Stirling Gravitas – © SCA Hygiene Products AB

Inkontinenz? Kein Thema für Stirling Gravitas – © SCA Hygiene Products AB

Die Werbeagentur AMV BBDO aus London hat es geschafft, für den Hygieneartikelhersteller Tena einen Spot zu entwickeln, dem dies auf originelle Weise gelingt: Die Hauptfigur des Spots – Stirling Gravitas – ist ein Mann, der es gewohnt ist, in sämtlichen Lebenslagen absoluter Chef im Ring zu sein und die volle Kontrolle innezuhaben. Plötzlich im Wohnzimmer auftauchende Löwen, Jonglieren mit rotierenden Kettensägen, barfuß über glühende Kohlen wandeln oder Medizinbälle auf den Zeigefingern spinnen… Peanuts für Stirling Gravitas. Klar, dass sich so einer von verstärktem Harndrang oder Blasenschwäche nicht beeindrucken lässt und natürlich auch hier die volle Kontrolle behält  – mit TENA Men. Das kommt dank des selbstironischen Untertons durch gnadenlose Übertreibung supercool rüber und plötzlich macht es Spaß, sich einen Spot für Inkontinenzprodukte mehrmals hintereinander anzuschauen.

Mitte März 2015 fiel mit der Veröffentlichung des Spots im Internet der Startschuss der Kampagne, die auf humorvolle Weise zur Enttabuisierung von Blasenschwäche beigetragen soll. Eine reichweitenstarke Anzeigenkampagne in der „Bild am Sonntag“, dem „Fokus“ und weiteren männeraffinen Titeln soll zusätzliche Aufmerksamkeit schaffen. Natürlich hat Stirling Gravitas auch einen (englischsprachigen) Twitter-Account, auf dem er weitere Einblicke in seinen Mach(o)er-Kosmos gewährt:

„Warum eine Uhr tragen, wenn du entscheiden kannst, wie spät es ist?“

„Kann ich das mit etwas Extra-Gluten bekommen?“

„Wer möchte meine nächste Ex-Frau werden?“

Bei soviel Selbstbewusstsein nimmt man es ihm selbstverständlich auch ab, wenn er sagt: „Inkontinenz passiert. Komm’ damit klar.“

Unser Fazit: Glückwunsch an Agentur und Kunden. Gelungene Umsetzung, Ziel erreicht, alle Daumen hoch!

Liebling, ich habe die SOS-Funktion geschrumpft …

Haier Seniorenuhr

Senioren Smartwatch mit SOS-Taste

Kurz bevor Apple laut allen Tech-Medien am 9. März seinen Micro-Computer fürs Handgelenk, die Apple Watch, vorstellen wird, präsentiert der chinesische Hersteller Haier – nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Haushaltsgeräte – auf dem Mobile World Congress in Barcelona eine Smartwatch, die sich insbesondere an ältere Kundenschichten wendet. Was bisher ein Merkmal von sogenannten Seniorenhandys war – eine SOS-Taste – hat der Technikproduzent nun in eine Armbanduhr integriert. Sie ist durch eine SIM-Karte mit einer Telefon-Funktion ausgestattet. Über die rote SOS-Taste kann die Uhr im Notfall ein Alarmsignal an bis zu drei Nummern senden. Darüber hinaus verfügt die Uhr über ein Mikrofon und Lautsprecher sowie einen GPS-Tracker. Mithilfe einer Smartphone-App für iOS oder Android können Angehörige eine „sichere Zone“ für den Träger definieren. Sobald der diese Zone verlässt, wir ein Alarm ausgelöst. Klingt ein wenig nach „elektronischer Fußfessel“, kann aber für orientierungslose Demenzkranke durchaus nützlich sein.

Außerdem sind weitere GPS-basierte Funktionen integriert wie z. B. eine Rückverfolgung des Aufenthaltortes über mehrere Tage. Über die Uhr können auch Hintergrundgeräusche mitgehört werden, um sich beispielsweise bei unbeantworteten Anrufen ein Bild vom Wohlbefinden der Person machen zu können.

Die Akkulaufzeit gibt Haier mit bis zu zwei Tagen an – viel zu kurz, was aber bei nahezu allen Wearables ein Problem ist, insbesondere für den anvisierten Kundenkreis, der ein regelmäßiges Aufladen schnell einmal vergessen haben dürfte. Hier sollte der Hersteller über ein Stromsparmanagement nachdenken, welches die Akkulaufzeit drastisch verlängert. Selbstverständlich ebenso nachgedacht werden müsste über eine möglichst einfache Aufladefunktion. Die Oldschool-Lösung – Ladekabel + Netzteil – ist sicherlich keine sinnvolle Option. Der OLED-Bildschirm der Uhr besitzt eine Diagonale von 2,43 cm. Laut Hersteller soll die Uhr auch bis zu 30 Meter wasserfest sein. Die voraussichtliche Verfügbarkeit der Uhr gibt Haier mit Mai 2015 an, Preise werden noch bekannt gegeben.

Interessant ist, dass der Hersteller die Uhr als „vernetzte Armbanduhren für Kinder und Senioren“ präsentiert und mit der gleichen Technologie auch ein Halsband für Haustiere auf den Markt bringt …

BAGSO-Checklisten: Lesen und Surfen ohne Grenzen!

Eine gute Lesbarkeit von Zeitschriften, Zeitungen, Broschüren und anderen Informationsmedien ist ein Gewinn für alle Leserinnen und Leser. Für die Generation der über 50-Jährigen ist Komfort beim Lesen wegen einer oft nachlassenden Sehfähigkeit besonders wichtig. Um konkrete Tipps für Verbesserungen von Formularen bis hin zu Zeitschriften zu geben, hat die BAGSO die Checkliste „Nutzerfreundliche Printmedien“ erarbeitet. Bei deren Entwicklung bezog sie ältere Leserinnen und Leser als Experten und die Fachkompetenz des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, der Mitglied der BAGSO ist, mit ein. Mit Hilfe der Checkliste können Zeitschriften, Broschüren und andere Printmedien auf ihre Schriftgröße, auf Abstände, Kontraste, Leseführung und Verständlichkeit hin überprüft werden.

Das Internet hat älteren Menschen viel zu bieten. Es hält zum Beispiel Informationen zum Zeitgeschehen, Gesundheit und Reisen bereit und ermöglicht, bestehende Kontakte zu pflegen oder neue zu knüpfen. Unübersichtliche Internetseiten mit blinkenden Elementen und komplizierte Menüs erschweren die Handhabung und halten insbesondere ältere Menschen von der Nutzung ab. Dabei haben schon kleine Veränderungen oft große Wirkung.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO) hat diese Checklisten erstellt, um Unternehmen, Verbänden und öffentlichem Sektor als Verfasser und Hersteller von Printmedien und Internetseiten ein einfaches Werkzeug an die Hand zu geben. Die Checklisten sind zum Selbstkostenpreis bei der BAGSO Service GmbH zu bestellen.

Nähere Informationen gibt darüber hinaus:
Nicola Röhricht
BAGSO Service GmbH
Hans-Böckler-Straße 3
53225 Bonn
Telefon: 0228 – 55 52 55 – 0
Fax: 0228 – 55 52 55 – 66
www.bagso-service.de

Neulich am Flughafen …

Dass man sich als junger Mensch nur schlecht in die Situation älterer Menschen hineinversetzen kann, ist bekannt. Das ist ja auch einer der Gründe, warum die heutige Generation junger Werbefachleute oder Marketingverantwortlicher so oft Probleme hat, Produkte und Dienstleistungen seniorengerecht zu gestalten oder Werbung zu machen, die bei Älteren „ankommt“.

Alters-Simulationsanzug

Alters-Simulationsanzug, Foto: Fraport AG

Im konkreten Fall ging es darum, einen großen Flughafen seniorenfreundlicher zu gestalten. Also ließ SENIOЯRESEARCH junge Leute in einen „Alters-Simulationsanzug“ schlüpfen, die sich dadurch wie 70- oder 80-Jährige fühlten. Plötzlich ist man in seiner Beweglichkeit eingeschränkt und findet jede körperliche Anstrengung mühsam; man hört schlecht, hat eine eingeschränkte Sicht und eine veränderte Farbwahrnehmung.

Wir konnten dadurch viele Ursachen für körperliche Belastungen sowie Wahrnehmungs- und Orientierungsprobleme von Senioren im Flughafen ermitteln. Viel interessanter waren jedoch die emotionalen Auswirkungen solcher Beeinträchtigungen. Denn interessanterweise hatten die Handicaps massive Einflüsse auf die gefühlsmäßige Befindlichkeit der jungen männlichen und weiblichen Anzugträger: Sie entwickelten aufgrund der eingeschränkten Beweglichkeit und des verengten Gesichtsfeldes sehr schnell ein starkes Unsicherheitsgefühl. Sie konnten die eigenen körperlichen Dimensionen und Fähigkeiten nicht mehr richtig einschätzen, bekamen Ängste und verhielten sich übervorsichtig. Und das stark verminderte Hörvermögen führte nicht etwa zu verstärkten Höranstrengungen, sondern im Laufe der Zeit zu einer gewissen Gleichgültigkeit.

Zum erwähnten Unsicherheitsgefühl kam noch das Gefühl, isoliert und ausgegrenzt zu sein. Sehr schnell kann sich da ein Minderwertigkeitsgefühl entwickeln, das in Verbindung mit dem Erleben des Überfordert-Seins zu einer gefährlichen Mischung aus Gleichgültigkeit und Unberechenbarkeit führen kann.

Über Rolf Kirchmair
Kirchmair
Inhaber und Geschäftsführer des 2005 in Frankfurt am Main gegründeten Instituts SENIOЯRESEARCH, das die Motive, Bedürfnisse, Einstellungen und Verhaltensweisen älterer Nutzer und Verbraucher erforscht. Neben seinem Institut berät er vor allem kleinere und mittlere Unternehmen beim Marketing für die Zielgruppen 50plus, ist Autor vieler Publikationen zum Thema, hält Vorträge und ist Dozent an mehreren Hochschulen.

Webseite: www.seniorresearch.de, Kontakt: info@seniorresearch.de