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Über Rolf Kirchmair

Rolf Kirchmair ist Inhaber und Geschäftsführer des 2005 in Frankfurt am Main gegründeten Instituts SENIOЯRESEARCH, das die Motive, Bedürfnisse, Einstellungen und Verhaltensweisen älterer Nutzer und Verbraucher erforscht. Neben seinem Institut berät er vor allem kleinere und mittlere Unternehmen beim Marketing für die Zielgruppen 50plus, ist Autor vieler Publikationen zum Thema, hält Vorträge und ist Dozent an mehreren Hochschulen. Webseite: www.seniorresearch.de, Kontakt: info[at]seniorresearch.de

Zielgruppe 70plus?

Die Mobilität überholt den demografischen Wandel!

Zielgruppe 70plus

Rainer Sturm / pixelio.de

Vor gut 10 Jahren habe ich Deutschlands erstes (und bislang einziges) Institut für Seniorenmarktforschung gegründet. Stichwort war damals die Zielgruppe 50plus (als Reaktion auf die seinerzeit „werberelevante“ Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen). Heute – gut 10 Jahre später – kann man nicht nur von der Zielgruppe 60plus sprechen. Nein, in vielen Fällen wäre es angemessener, von der Zielgruppe 70plus zu reden. Denn in diesen 10 Jahren hat sich die Zielgruppe mehr als 10 Jahre nach oben verschoben!

Heute sind die über 70-Jährigen oftmals nicht nur jung und fit geblieben, sondern unter Marketing-Gesichtspunkten eine besonders interessante Zielgruppe, weil sie zwei beneidenswerte Dinge haben: Zeit und Geld. Allerdings haben sich für das Marketing die Grenzen verschoben. Zwar ist der Eintritt ins Rentenalter (oder besser: der Austritt aus dem geregelten Berufsleben) nach wie vor ein gewaltiger Einschnitt und der Beginn einer neuen Lebensphase, die auch mit einem veränderten Konsumverhalten einhergeht. Aber die Grenzen sind fließend geworden. Der Renteneintritt bewegt sich zwischen 57 und 67 Jahren; das Arbeiten hört damit aber immer seltener auf. Ob Handwerker oder Führungskraft im Großunternehmen: Gearbeitet wird oft weiter, wenn auch unter veränderten Bedingungen. Die Zeit kann man sich nach eigenen Vorstellungen einteilen, das Konsumverhalten nach individuellen Bedürfnissen gestalten. Weiterlesen

Neulich sollte ich Mundspülungen für Ältere testen …

Ein Hersteller von Mundspülungen wollte wissen, wie ältere Verwender seine Produkte handhaben und mit ihnen klar kommen. Mundspülungen beugen Zahnfleischentzündungen vor und sorgen für frischen Atem. Sie werden im Handel in Kunststoffflaschen mit Schraubverschlüssen angeboten und müssen genau nach Gebrauchsanweisung verwendet werden: Man muss sie zweimal täglich benutzen, die Flüssigkeit exakt dosieren, eine Minute im Mund spülen und dann ausspucken. Man darf sie nicht verdünnen, nicht schlucken und nicht mit Wasser nachspülen. Klar, dass man das alles nicht mithilfe von Interviews herausfinden kann.

05 neulich sollte ich Mundspülungen ..Was haben wir also gemacht, um die Handhabung von Mundspülungen zu untersuchen? Wir haben Verwender von Mundspülungen gezielt gesucht und gefragt, ob wir sie in ihrem Badezimmer zuhause beobachten dürfen, wenn sie ihren Mund spülen. Den Vorgang der Mundspülung haben wir (mit ihrer Erlaubnis) gefilmt, den Aufbewahrungsort der Mundspülungsflasche fotografiert; davor und danach haben wir sie zu Themen rund um die Mundpflege interviewt. Natürlich wurde dabei der Datenschutz eingehalten; alle Ergebnisse wurden völlig anonym ausgewertet und dargestellt.

Die Ergebnisse waren nun hochinteressant für den Hersteller von Mundspülungen. Denn abgesehen davon, dass die älteren Verwender vieles falsch machten und die Handhabung in der Regel nicht der Gebrauchsanweisung entsprach, gab es auch jede Menge Probleme beim Öffnen der Mundspülungsflaschen. Der Öffnungsvorgang erwies sich bei der Mehrzahl der älteren Verwender als überaus schwierig – insbesondere die „Kindersicherung“ der Verschlusskappen war für die Feinmotorik älterer Menschen ein schwerwiegendes Hindernis.

Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Hersteller bei der Entwicklung ihrer Produkte ältere Verbraucher nicht im Fokus haben. Denn entsprechende Hinweise – auf den Mundspülungsflaschen und in der Gebrauchsanweisung – als auch produktionstechnische Änderungen bei der Flasche selbst könnten die Handhabungsprobleme Älterer minimieren (und überdies auch jüngeren Verbrauchern zu Gute kommen).

Was lernen wir vom Brexit?

Zunächst einmal den großen Einfluss des demografischen Wandels. Die Abstimmungs-ergebnisse in Großbritannien zeigen eindrucksvoll die unterschiedlichen Einstellungen der Jungen und der Alten: Nur 27% der 18- bis 24-Jährigen waren für den Brexit, aber 60% der über 65-Jährigen. Und der viel größere Anteil der Älteren gab dann den Ausschlag für den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union. Ein überzeugendes Beispiel für die „Macht“ der Älteren, die ja auch schon das Ergebnis der letzten Bundestagswahl in Deutschland nachhaltig beeinflusst haben.

Die Gründe für das Abstimmungsverhalten der Älteren in Großbritannien sind sicher vielfältig. Neben der Angstkampagne der Brexit-Gegner und neben der popularistischen Medienkampagne der Brexit-Befürworter hat aber sicher ein Motiv eine bedeutende Rolle gespielt: Die Furcht vor Veränderung bzw. das Festhalten am „Althergebrachten“ als Ausdruck einer konservativen Grundeinstellung. Die älteren Engländer können sich noch gut die frühere Größe und Macht des Vereinigten Königreiches erinnern und haben den schwindenden Einfluss ihres Landes im Verlauf der EU-Zugehörigkeit schmerzlich erlebt. Die Versprechungen der Brexit-Befürworter – England zur früheren Macht und Eigenständigkeit zurückzuführen – sind bei dieser Zielgruppe auf fruchtbaren Boden gefallen. Der derzeit desolate Zustand der Europäischen Union hat dann sein Übriges dazu getan.

Was lernen wir daraus? Erstens darf man den Einfluss der älteren Bevölkerung nicht unterschätzen. Zweitens muss man die Motive und Bedürfnisse dieser Zielgruppe genau kennen. Und drittens darf man (auch bei dieser „erfahrenen“ Zielgruppe) nicht erwarten, dass Entscheidungen aufgrund rationaler Überlegungen getroffen werden. Dies gilt nicht nur bei politischen Entscheidungen, sondern auch im Konsumbereich. Auch Unternehmen, die sich an die Zielgruppe älterer Konsumenten wenden, sollten dies berücksichtigen.

Zehn Jahre Seniorenmarkt: Was hat sich verändert?

Vor zehn Jahren war das Thema „Senioren“ hochaktuell. Ausgelöst durch das 2004 erschienene Buch „Das Methusalem-Komplott“ von Frank Schirrmacher wurden der demografische Wandel und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft intensiv in den Medien diskutiert. Einer der Schwerpunkte war das Seniorenmarketing und die damit verbundenen Chancen für Unternehmen.

Heute – nach über zehn Jahren – ist es ruhiger um dieses Thema geworden. Zum einen haben sich Prioritäten verschoben, zum anderen hat sich aber auch vieles gewandelt – für ältere Verbraucher sogar manches verbessert. Jedenfalls lohnt es sich, die Veränderungen der vergangenen 10 Jahre einmal Revue passieren zu lassen.

Politisches Interesse
Nach dem Medien-Hype vor zehn Jahren fand das Thema Senioren auch Einzug in die Politik: Das Familienministerium und auch einige Länderministerien erweiterten ihren Namen um die Bezeichnungen Senioren oder Demografie. Senioren-Ableger der etablierten politischen Parteien wurden gegründet. Senioren-Initiativen wie Wirtschaftsfaktor Alter, Wirtschaft und Demografie (BW) oder Seniorenwirtschaft (NRW) fanden Zuspruch. Heute sind diese Initiativen weitgehend wieder verschwunden, obwohl es mehr ältere Mitbürger denn je gibt.

Privatwirtschaftliche Seniorenangebote
Auch das mediale Interesse an diesem Thema hat nachgelassen. Vor zehn Jahren gab es mehr Senioren-Portale im Internet als heute. Informationsportale für Unternehmen wie seniorenmarkt.de oder reifemaerkte.de haben aufgegeben, die von der Deutschen Post gegründete Internet-Plattform „Vital in Deutschland“ mit Seniorenangeboten wurde ebenso wie der von der Deutschen Post an Rentner verschickte Newsletter „Renten Service“ eingestellt. Seniorenzeitschriften wie Lenz oder Tengo gibt es nicht mehr. Und der Versuch des ADAC, mit dem GND (Generationen Netzwerk für Deutschland) einen speziellen Verein für ältere Mitbürger aufzubauen, ist ebenfalls gescheitert. Die Älteren haben all diese Seniorenangebote nicht angenommen, weil sie nicht wie Senioren angesprochen und behandelt werden wollen.

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Neulich in einer Sparkasse …

… hat mich der Filialleiter um Rat gefragt.

Eine Sparkasse, die ihre Räumlichkeiten seniorenfreundlicher gestalten wollte, hat mich gefragt, wie sie am besten die Beratung älterer Kunden so vornehmen kann, dass sich Senioren wohl fühlen. Die Beratung findet dort in der Sparkasse in einem Großraumbüro an den Schreibtischen der Kundenberater statt. Der Filialleiter der Sparkasse hatte die Idee, an den Stühlen für die Kunden Klammern anzubringen, in die ältere Kunden ihren Gehstock einklemmen könnten.

BeratungDa musste ich dem Filialleiter erst mal einen Vortrag über die Stigmatisierung von Defiziten halten. Denn Menschen mit körperlichen Defiziten oder gar Gebrechen wollen diese nicht gleich jedem offenbaren. Und ein Klemmhalter für den Gehstock am Kundenstuhl ist kontraproduktiv, denn er betont das Angewiesen-Sein auf eine Gehhilfe in auffälliger Weise.

Viel besser ist ein freundlicher und aufgeschlossener Service der Kundenberater, der gerade bei älteren Sparkassenkunden besonders zuvorkommend sein sollte. Die herzliche Begrüßung mit dem Kundennamen, das Anbieten einer bequemen Sitzmöglichkeit, die Entgegennahme von Mantel, Schirm und Gehstock sowie ein respektvolles Beratungsgespräch auf Augenhöhe – erklärend aber nicht belehrend – sind Maßnahmen, bei denen der ältere Kunde sich verstanden und akzeptiert fühlt. Und die ideale Beratungssituation ist nicht das kleine separate Beratungszimmer, sondern eine gemütliche Beratungsecke im Geschäftsraum, in welcher der ältere Kunde sich einerseits nicht beobachtet fühlt (andere nicht mithören können), sich andererseits aber auch nicht isoliert vorkommt. Der Gehstock sollte dabei vom Kundenberater vor Beginn des Gespräches ganz selbstverständlich entgegengenommen und so platziert werden, dass er in Griffnähe ist aber nicht umfallen kann.

Stoppen Flüchtlinge den demografischen Wandel?

Flüchtlinge bei Ankunft

Foto: dpa

Bei der enorm steigenden Anzahl der Zuwanderer nach Deutschland stellt sich die Frage, ob dadurch der demografische Wandel abgeschwächt oder gar gestoppt werden kann. Die Frage muss mit nein beantwortet werden. Denn die Ursachen des demografischen Wandels werden dadurch nicht grundlegend verändert.

Die Bevölkerungszahl in Deutschland sinkt trotzdem
Derzeit haben wir in Deutschland 80 Mio. Einwohner, 2050 werden dies auch unter Berücksichtigung einer stärkeren Zuwanderung etwa 5 Mio. weniger Menschen sein. Besonders stark zurückgehen wird dabei die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland. Denn wenn die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre in Rente gehen, rücken nicht genügend Berufseinsteiger nach. Auch mehr Zuwanderer können den demografischen Wandel nicht ausgleichen. Nach Berechnungen der Vereinten Nationen müssten bis 2050 188 Mio. Menschen nach Deutschland einwandern, um das Verhältnis von Jüngeren zu Älteren konstant zu halten – eine unrealistische Zahl.

Die Lebenserwartung aller Einwohner erhöht sich weiter
Die steigende Lebenserwartung der Deutschen wird sich dank besserer Gesundheitsvorsorge und medizinischer Betreuung fortsetzen. Das heißt: Die Deutschen werden nach wie vor älter. Auch die Migranten altern im Laufe der Zeit und verstärken damit den Trend.

Die zahlenmäßig in den nächsten Jahren weiter zunehmende ältere Bevölkerung in Deutschland ist also nicht nur ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor, sondern stellt jedes Unternehmen vor die Frage, wie es sich auf diese Zielgruppe einstellen soll, wenn es von der sich verändernden Bevölkerungsstruktur profitieren will. Wir vom ReifeNetzwerk helfen gern dabei.

Der VW-Skandal und die ratlosen Senioren

OLYMPUS DIGITAL CAMERAVor einem Jahr habe ich an gleicher Stelle geschrieben „VW Golf – das Lieblingsauto der Deutschen“ und dabei betont, dass dieses Fahrzeug gerade bei älteren Autofahrern der absolute und konkurrenzlose Favorit ist. Heute gehe ich davon aus, dass gerade die älteren Autofahrer besonders schockiert sind, denn sie erleben einen Vertrauensbruch erfahrungsgemäß noch schmerzlicher als andere. Und VW tut bisher wenig, um das Vertrauen in die Marke wieder herzustellen.

Lauter offene Fragen
Der VW-Skandal ist jetzt schon über vier Wochen alt, und Fahrer von VW Dieselfahrzeugen sind ratlos. Insbesondere Senioren unter ihnen haben bange Fragen, die unbeantwortet bleiben: Ist mein Fahrzeug betroffen? Hat es durch die Abgas-Manipulation an Wert verloren? Hat es nach der Umrüstung eine reduzierte Motorleistung? Kann es möglicherweise aus dem Verkehr gezogen werden?

VW hat sich bisher nicht an seine Kunden gewandt. VW-Werkstätten sind überfragt. Und wenn man auf die VW Website geht, gibt es unter der Rubrik „VW aktuell“ und „News“ nur vier Wochen alte Meldungen, in denen VW beteuert, das „Vertrauen wieder gewinnen“ zu wollen und „mit Hochdruck an einer Lösung“ zu arbeiten. Neuere Meldungen gibt es nur auf der Website der Volkswagen AG; dort wird aber nur davon gesprochen, dass die EA 288-Motoren nicht betroffen sind. Kein Wunder, dass ratlose VW Fahrer ihre Fragen jetzt zunehmend an den ADAC oder an das Kraftfahrtbundesamt stellen.

Total verfehlte Seniorenpolitik
Auch wenn VW selbst noch nicht alles aufgearbeitet hat und die Rückrufaktion erst im Jahr 2016 erfolgen soll, eine Kommunikationspolitik ist nicht erkennbar. Gerade Senioren, die einen Großteil der VW Dieselfahrer ausmachen, hätten Wert auf einen schnellen und direkten Kontakt durch VW – und sei es in Briefform – gelegt. Man hätte ihnen sagen können, dass ihr Fahrzeug kostenlos überprüft wird, und dass sie ihre Kaufentscheidung nicht zu bereuen brauchen. Wichtig wäre es gewesen, dass sich die älteren (und das gilt auch für viele jüngere) Kunden von VW wertgeschätzt gefühlt hätten und geplante Maßnahmen nicht nur aus den Medien erfahren hätten.

Neulich auf der IAA …

… habe ich Automobilhersteller nach einem Seniorenauto gefragt.

SeniorenautoAlle haben entrüstet gemeint, dass sie ein Seniorenauto weder jetzt noch in Zukunft anbieten werden. Ich habe darauf hin im Rahmen einer Studie Männer über 50 gefragt, welche Fahrzeugmerkmale ihnen bei einem PKW wichtig sind. Neben dem sparsamen Motor wurden hier eine Reihe von Merkmalen genannt, die das Autofahren trotz der sich langsam bemerkbar machenden Alterserscheinungen erleichtern: bequeme Sitze, die leicht zu besteigen sind und Ermüdungserscheinungen gar nicht erst aufkommen lassen, eine gute Übersichtlichkeit, die sowohl die Sicht nach außen als auch die Sicht innen auf wichtige Armaturen und Bedienungselemente problemlos macht, ein ausreichend großer Kofferraum, der sich auch bei Rückenproblemen leicht beladen lässt, und helle Scheinwerfer, die auch beim Fahren in der Dämmerung die Augen nicht zu sehr anstrengen.

Würde man nun ältere Autofahrer fragen, ob sie ein Seniorenauto haben wollen, würden sie dies wahrscheinlich eben so entrüstet verneinen wie die oben erwähnten Automobilhersteller. Aber sie würden wohl ein Auto bevorzugen, das alle diese gewünschten Fahrzeugmerkmale hat.

Also: Eigenschaften eines Seniorenautos ja, aber „Seniorenauto“ nennen darf man dies nicht.

Neulich am Flughafen …

Dass man sich als junger Mensch nur schlecht in die Situation älterer Menschen hineinversetzen kann, ist bekannt. Das ist ja auch einer der Gründe, warum die heutige Generation junger Werbefachleute oder Marketingverantwortlicher so oft Probleme hat, Produkte und Dienstleistungen seniorengerecht zu gestalten oder Werbung zu machen, die bei Älteren „ankommt“.

Alters-Simulationsanzug

Alters-Simulationsanzug, Foto: Fraport AG

Im konkreten Fall ging es darum, einen großen Flughafen seniorenfreundlicher zu gestalten. Also ließ SENIOЯRESEARCH junge Leute in einen „Alters-Simulationsanzug“ schlüpfen, die sich dadurch wie 70- oder 80-Jährige fühlten. Plötzlich ist man in seiner Beweglichkeit eingeschränkt und findet jede körperliche Anstrengung mühsam; man hört schlecht, hat eine eingeschränkte Sicht und eine veränderte Farbwahrnehmung.

Wir konnten dadurch viele Ursachen für körperliche Belastungen sowie Wahrnehmungs- und Orientierungsprobleme von Senioren im Flughafen ermitteln. Viel interessanter waren jedoch die emotionalen Auswirkungen solcher Beeinträchtigungen. Denn interessanterweise hatten die Handicaps massive Einflüsse auf die gefühlsmäßige Befindlichkeit der jungen männlichen und weiblichen Anzugträger: Sie entwickelten aufgrund der eingeschränkten Beweglichkeit und des verengten Gesichtsfeldes sehr schnell ein starkes Unsicherheitsgefühl. Sie konnten die eigenen körperlichen Dimensionen und Fähigkeiten nicht mehr richtig einschätzen, bekamen Ängste und verhielten sich übervorsichtig. Und das stark verminderte Hörvermögen führte nicht etwa zu verstärkten Höranstrengungen, sondern im Laufe der Zeit zu einer gewissen Gleichgültigkeit.

Zum erwähnten Unsicherheitsgefühl kam noch das Gefühl, isoliert und ausgegrenzt zu sein. Sehr schnell kann sich da ein Minderwertigkeitsgefühl entwickeln, das in Verbindung mit dem Erleben des Überfordert-Seins zu einer gefährlichen Mischung aus Gleichgültigkeit und Unberechenbarkeit führen kann.

Neulich wollte ein Fitness-Studio …

… von mir wissen, wie es ältere Kunden gewinnen kann.

Denn immer öfter würde man auch in Fitness-Studios ältere Kunden sehen. Und da könnte man doch sicher einen Seniorentag oder auch einen besonderen Seniorentarif einführen? Dies musste ich dem Fitness-Studio aber sofort ausreden.

Fitness für Ältere

Die Älteren kommen – auch gerne ins Fitness-Studio

Natürlich sind ältere Kunden (und damit meine ich die über 60-jährigen) für ein Fitness-Studio eine interessante Zielgruppe. Nicht nur, weil immer mehr Ältere etwas für ihre Gesundheit tun und fit bleiben wollen. Sondern auch, weil sie – wenn ihre Belange berücksichtigt werden und sie sich wohl fühlen – nicht sehr geizig sind und dem Fitness-Studio treue Kunden bleiben. Aber: Sie wollen hofiert, respektiert und anerkannt werden.

Ich sagte dem Fitness-Studio auch, dass die Zielgruppe der über 60-Jährigen eine sehr heterogene Personengruppe mit ganz unterschiedlichen Wünschen und Vorlieben ist. Man muss sich also genau überlegen, welche Unterzielgruppe man angehen will. Zum einen ist es wichtig, die Gründe für die gewünschte Fitness (gutes Aussehen, Gewichtsabnahme, Erhaltung der Leistungsfähigkeit, Gesundheitsvorsorge, etc.) in Erfahrung zu bringen. Zum anderen muss man natürlich aktuelle Fitness-Studio-Nutzer und potenzielle Kunden (die theoretisch bereit sind, ein Fitness-Studio aufzusuchen, diesen Schritt aber bisher nicht getan haben) voneinander differenzieren. Während erstere mit Kundenbindungsmaßnahmen oder mit Abwerbeaktionen „bearbeitet“ werden sollten, muss man bei potenziellen Nutzern erst einmal Überzeugungsarbeit leisten, um die „Eingangsbarrieren“ (oder vielleicht sogar Ängste vor dem Fitness-Studio) abzubauen.