Zielgruppe 70plus?

Die Mobilität überholt den demografischen Wandel!

Zielgruppe 70plus

Rainer Sturm / pixelio.de

Vor gut 10 Jahren habe ich Deutschlands erstes (und bislang einziges) Institut für Seniorenmarktforschung gegründet. Stichwort war damals die Zielgruppe 50plus (als Reaktion auf die seinerzeit „werberelevante“ Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen). Heute – gut 10 Jahre später – kann man nicht nur von der Zielgruppe 60plus sprechen. Nein, in vielen Fällen wäre es angemessener, von der Zielgruppe 70plus zu reden. Denn in diesen 10 Jahren hat sich die Zielgruppe mehr als 10 Jahre nach oben verschoben!

Heute sind die über 70-Jährigen oftmals nicht nur jung und fit geblieben, sondern unter Marketing-Gesichtspunkten eine besonders interessante Zielgruppe, weil sie zwei beneidenswerte Dinge haben: Zeit und Geld. Allerdings haben sich für das Marketing die Grenzen verschoben. Zwar ist der Eintritt ins Rentenalter (oder besser: der Austritt aus dem geregelten Berufsleben) nach wie vor ein gewaltiger Einschnitt und der Beginn einer neuen Lebensphase, die auch mit einem veränderten Konsumverhalten einhergeht. Aber die Grenzen sind fließend geworden. Der Renteneintritt bewegt sich zwischen 57 und 67 Jahren; das Arbeiten hört damit aber immer seltener auf. Ob Handwerker oder Führungskraft im Großunternehmen: Gearbeitet wird oft weiter, wenn auch unter veränderten Bedingungen. Die Zeit kann man sich nach eigenen Vorstellungen einteilen, das Konsumverhalten nach individuellen Bedürfnissen gestalten. Weiterlesen

50plus-Report 02/2017: Kurzmeldungen aus dem Netz

fotolia_111519442_xsBunt und vielfältig aber auch selbstbewusst und konsumerfahren – genauso unterschiedlich wie die Generationen 50plus sind auch die Kurzmeldungen zum Thema, von denen unser 50plus-Report die wichtigsten aus dem Monat Februar 2017 zusammenfasst.

„Ausgabefreudige Zielgruppe“
Ferdinand Thoma, Hotelier, über Ansprüche älterer Gäste, den Niedergang des Seniorentellers, Missverständnisse beim Service und die Schwierigkeiten fürs Marketing, wenn es um Begriffe wie „Senioren“ geht.
Der Beitrag ist nur mit Anmeldung komplett lesbar, wir zitieren daher hier die wichtigsten Statements:
Sie haben in Ihren Hotels Gäste ab 50 Jahren aufwärts im Fokus. Warum?
Thoma: Das ist eine attraktive Klientel im besten Alter, die über das nötige Geld verfügt. Bei uns kostet ein Doppelzimmer ab 320 Euro aufwärts – inklusive Vollpension und Aktivprogramm. Ältere leisten sich das durchaus, Jüngere eher weniger.
Ältere nehmen also die Hotelangebote eher an. Sind sie auch eine treue Klientel?
Thoma: Absolut, wir haben viele Gäste, die mehrmals im Jahr kommen und auch relativ lange bleiben. Diese Zielgruppe ist recht ausgabefreudig, wenn es um Urlaub und Erholen geht.
Was suchen die sogenannten Best Ager, wenn sie zu Ihnen kommen?
Thoma: Klar im Vordergrund steht das Thema Essen – hier mit Fokus auf Qualität, Gesundheit und Fitness. Ein zweiter Punkt sind Behandlungen aller Art, Kosmetik und Massagen etwa. Sehr gut an kommen auch unsere Abnehm-, Entsäurerungs- und Entschlackungswochen. Gesundbleiben ist ein zentraler Punkt. Für Jüngere spielt das seltener eine Rolle, für ganz Junge überhaupt nicht.
Kommen wir mal zur Zielgruppe. Soziologen unterscheiden eine Vielzahl von  Altersstufen und Typen – vom höchst Aktiven, der Marathon läuft, bis zum klassischen, eher passiven Senior. Eine schwer zu greifende Kundschaft?
Thoma: Überhaupt nicht. Wir stricken unser Angebot, und die Gäste suchen sich das heraus, was ihnen gefällt. Mit den Begrifflichkeiten sind wir in unseren Häusern übrigens sehr zurückhaltend. Wir werben keinesfalls mit „Seniorenangeboten“ und haben auch keine „Best-Ager-Hotels“.
Gibt es eigentlich Dinge, die älteren Gästen generell wichtig sind?
Thoma: W-Lan ist wichtig. Jeder Best Ager hat heute sein Smartphone dabei. Das ist noch ausgeprägter, als bei den Jüngeren.
Sie haben es bereits erwähnt: Mit den Begriffen „Senior“ oder „Best Ager“ ist das Marketing nicht unheikel. Wie werben Sie dann?
Thoma: Unsere Hotels mit ihren Angeboten stehen für sich, viel läuft über Mundpropaganda. Und was die Werbung angeht: Wir sind beispielsweise regelmäßig auf Reise- und Tourismusmessen. Jüngere gehen da eher nicht hin, Ältere schon.
Wo gibt es Handlungsbedarf für die Hotellerie?
Thoma: Gesundheitsbewusste Themen und vor allem Aktivitäten spielen eine ganz zentrale Rolle. Ein gut ausgestattetes Haus mit Spa- und Fitnessbereich ist zwar toll, aber gerade ältere Gäste schätzen Angebote zur Freizeitplanung und -gestaltung und wollen nicht gelangweilt herumsitzen. Hier ist der Hotelier gefragt.
Das ganze Interview lesen (nur per Anmeldung)

Mit diesen Marketing-Tipps erreichen Sie die Best Ager
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Meinung: Dieser diskriminierende Seniorenquatsch gehört abgeschafft
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Botschafterinnen für „Meins”: Die Influencer der Zielgruppe 50plus
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Neulich sollte ich Mundspülungen für Ältere testen …

Ein Hersteller von Mundspülungen wollte wissen, wie ältere Verwender seine Produkte handhaben und mit ihnen klar kommen. Mundspülungen beugen Zahnfleischentzündungen vor und sorgen für frischen Atem. Sie werden im Handel in Kunststoffflaschen mit Schraubverschlüssen angeboten und müssen genau nach Gebrauchsanweisung verwendet werden: Man muss sie zweimal täglich benutzen, die Flüssigkeit exakt dosieren, eine Minute im Mund spülen und dann ausspucken. Man darf sie nicht verdünnen, nicht schlucken und nicht mit Wasser nachspülen. Klar, dass man das alles nicht mithilfe von Interviews herausfinden kann.

05 neulich sollte ich Mundspülungen ..Was haben wir also gemacht, um die Handhabung von Mundspülungen zu untersuchen? Wir haben Verwender von Mundspülungen gezielt gesucht und gefragt, ob wir sie in ihrem Badezimmer zuhause beobachten dürfen, wenn sie ihren Mund spülen. Den Vorgang der Mundspülung haben wir (mit ihrer Erlaubnis) gefilmt, den Aufbewahrungsort der Mundspülungsflasche fotografiert; davor und danach haben wir sie zu Themen rund um die Mundpflege interviewt. Natürlich wurde dabei der Datenschutz eingehalten; alle Ergebnisse wurden völlig anonym ausgewertet und dargestellt.

Die Ergebnisse waren nun hochinteressant für den Hersteller von Mundspülungen. Denn abgesehen davon, dass die älteren Verwender vieles falsch machten und die Handhabung in der Regel nicht der Gebrauchsanweisung entsprach, gab es auch jede Menge Probleme beim Öffnen der Mundspülungsflaschen. Der Öffnungsvorgang erwies sich bei der Mehrzahl der älteren Verwender als überaus schwierig – insbesondere die „Kindersicherung“ der Verschlusskappen war für die Feinmotorik älterer Menschen ein schwerwiegendes Hindernis.

Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Hersteller bei der Entwicklung ihrer Produkte ältere Verbraucher nicht im Fokus haben. Denn entsprechende Hinweise – auf den Mundspülungsflaschen und in der Gebrauchsanweisung – als auch produktionstechnische Änderungen bei der Flasche selbst könnten die Handhabungsprobleme Älterer minimieren (und überdies auch jüngeren Verbrauchern zu Gute kommen).