Medizinische Versorgung: Ansatzpunkte für Verbesserungen

Es ist in Deutschland noch viel zu wenig bekannt, dass demenzkranke Menschen in Krankenhäusern oft unterversorgt sind und dass rund 600.000 Menschen jährlich an Medikamentenunverträglichkeiten sterben. Beide Kernprobleme der medizinischen Versorgung sind nach wie vor von der Gesundheitspolitik nicht gelöst. Auf eine Anfrage der Seniorenunion Hannover antwortet der Bundesgesundheitsminister im April 2016: „Das am 1. Januar 2016 in Kraft getretene Krankenhausstrukturgesetz sieht verschiedene Maßnahmen vor, mit denen die Finanz- und Personalausstattung der Krankenhäuser nachhaltig und zielgerecht verbessert wird“. Weiter heißt es, dass über drei Jahre 600 Mio. € zur Verfügung stünden, 110 Mio. € 2016, 2017 dann 220 Mio. € und ab 2018 bis zu 330 Mio. € für die Pflege in der unmittelbaren Patientenversorgung. Die Nachfrage in einem Krankenhaus in Hannover hat ergeben, dass davon noch nichts angekommen sei.

Der Bundesgesundheitsminister weiter: „Die von der Bund-Länder-Arbeitsgruppe vom 5. Dezember 2014 vorgesehene Expertinnen- und Expertenkommission aus Praxis, Wissenschaft und Selbstverwaltung des Bundesgesundheitsministeriums hat am 1. Oktober 2015 ihre Arbeit aufgenommen und soll bis spätestens Ende 2017 Ergebnisse liefern.“

Angesichts der seit vielen Jahren absehbaren und bestehenden Problematik, stellt sich für die Krankenhäuser und die Betroffenen die Frage, warum Politik und Verwaltung so unangemessen viel Zeit benötigen. Von Verantwortung wahrnehmen und Lösungen zu finden, kann nicht die Rede sein. Über Verdrossenheit der Menschen braucht sich die Politik nicht zu wundern. Man möchte den Verantwortlichen zurufen: Bewegt Euch und entscheidet endlich!

Medikamentenunverträglichkeit – ein unterschätztes Problem

Nach unterschiedlichen Statistiken sterben rund 600.000 Menschen jährlich an Medikamentenunverträglichkeiten. Auch hier zeichnet sich seit über 15 Jahre eine Lösung durch die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte ab. Sie würde es ermöglichen, die verordneten Medikamente zu speichern und vor Medikamentenunverträglichkeiten zu warnen. Geschehen ist außer Diskussionen bis heute nichts. Gleiches gilt für die Nutzung der diversen telemedizinischen Möglichkeiten, wie sie insbesondere in skandinavischen Ländern genutzt werden.

Dieser Sachverhalt zeigt einmal mehr, dass die politischen Entscheider ganz offensichtlich immer weniger in der Lage sind, offenkundige Probleme in der Gesellschaft zur Kenntnis nehmen und Lösungen rechtzeitig aufgreifen, die dann ihre Wirkung entfalten. Ebenso wird der Kommunikationsgrundsatz: „Sender und Empfänger müssen auf derselben Wellenlänge kommunizieren, um verstanden zu werden“, ständig verletzt. Die Wähler verstehen politische Entscheidungen kaum noch.

Die Medien und die breite Öffentlichkeit sind aufgerufen, die politischen Entscheider, Parteien und Gesetzgeber anzutreiben, gemeinsam mit den Experten und Betroffenen, endlich diese Probleme zu lösen.

 

ZanderHelmut Zander, Beirat im ReifeNetzwerk,
Ministerialrat i.R., 1977 bis 1984 Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Bundeswehr in Niedersachsen/Bremen; 1984 bis 1990 Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Landesregierung Niedersachsen (Bundesrats- und Landesfinanzministerium); 1990 bis 2005 Leiter der Protokoll- und Unternehmenseventabteilung der Deutschen Messe AG.

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