Was läuft schief im Umgang mit Menschen?

Beobachtungen aus dem Alltag

Die äußere Haltung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, Martin Winterkorn, war durch die verschränkten Arme vor der Brust gekennzeichnet. So widerspricht es auch jeder Lebenserfahrung, dass – wie im Falle von Volkswagen – einige Softwareentwickler in den USA die Idee umsetzten, durch eine neue Software den Schadstoffausstoß zu manipulieren, ohne den „Chef“ darüber zu informieren. Es scheint mehr als unwahrscheinlich zu sein, dass der Vorstandsvorsitzende und andere Mitglieder des Vorstandes von der gesamten Problematik nichts gewusst haben wollen. Allein dies besonders gravierende Negativbeispiel zeigt deutlich die Defizite in der Menschenführung auf, für die es eine Fülle von Beispielen in der Praxis gibt. Welches sind die Spielregeln, wie wir miteinander umgehen sollten? Welche Rolle spielt dabei gutes Benehmen und was ist das?

Welche negativen Reaktionen werden automatisch ausgelöst, wenn bei der Begegnung zweier Menschen einer davon die Arme über der Brust verschränkt? Dies bedeutet eindeutig: „an mich kommt keiner heran“. Allein diese Haltung ist zumindest für die weitere Gesprächsführung belastend und nicht besonders zielführend, noch schlimmer im Gespräch zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern. Eine Steigerung sind dann die Hände in der Hostentasche.

Grundregeln des guten Benehmens

Es ist nicht davon auszugehen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter morgens mit dem Ziel ihre Arbeit aufnehmen, dem Unternehmen zu schaden. Soviel zum Grundvertrauen. Hingegen ist es vielfach der Fall, dass Menschen schon morgens vor dem Spiegel Schweißperlen auf der Stirn und Angst haben, wieder zur Arbeit gehen zu müssen.

Ich hielte es für zielführender, auch jenseits wissenschaftlicher Erkenntnisse, wieder Grundregeln des guten Benehmens anzunehmen und diese nicht als altmodisch und längst überholt anzusehen.

Wenn ein Call Center seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern untersagt, in Freizeitkleidung am Arbeitsplatz zu erscheinen, obwohl die Anrufer sie nicht sehen können, erscheint diese Anordnung deswegen sinnvoll, weil die Kleidung im Umgang mit Kunden doch eine Rolle spielt und sich auf das Verhalten – auch im Unbewussten – auswirkt.

Es gibt allerdings eine „Spezies“ der gesamten „New Economy“, die ganz offensichtlich einer eigenen Kleiderordnung zuzuordnen ist, die jedoch allgemeine Akzeptanz gefunden hat.

Wissen und Kreativität liegen in vielen Unternehmen brach

Es ist sicherlich eine Binsenweisheit, dass sich in alles in Zyklen bewegt und den sieben fetten Jahren auch wieder sieben magere Jahre folgen. Hierauf allerdings richtig und vorausschauend zu reagieren, ist allerdings die Kunst.

Häufig neigen Vorstände oder Geschäftsführung auf dem Höhepunkt des wirtschaftlichen Erfolges nur noch weiter nach oben zu schauen und auf keinen Fall nach unten. Sie übersehen sehr häufig das Marktgeschehen und die technologische Entwicklung, die sich veränderten Anforderungen der Märkte und der Kunden. Vor allem aber übersehen sie häufig das im Unternehmen vorhandene Wissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Vielfalt und die dort schlummernde, ungenutzte Kreativität. „ Wenn das Unternehmen XY wüsste, was es weiß ,“ hieß es einmal in der Vergangenheit, wäre es unschlagbar. Es erscheint völlig unverständlich, weshalb diese Regel immer häufiger in der Praxis nicht angewandt wurde und wird.

Auch dies alles hat seine Ursache in einem fehlerhaften Umgang mit den Menschen in einem Unternehmen sowie mit den Kunden, mit der Gesellschaft insgesamt.

Trotz einer immer schnelleren Entwicklung und Einführung digitaler Welten und Anwendungen, kommt es auf den einzelnen Menschen und den Umgang unter- und miteinander an. Da gibt es ganz offensichtlich Defizite und Veränderungsbedarf.

Deswegen folgende Vorschläge und Beispiele für Führungskräfte:

  1. Sprechen Sie morgens mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, hören Sie zu, wie geht es, wo gibt es Probleme? etc.
  2. Schulen Sie sich in Rhetorik, in freier Rede.
  3. Verzichten Sie auch einmal auf Power Point Präsentationen.
  4. Vereinbaren Sie Zeiten – max. 3 bis 5 Minuten – für Redebeiträge in offener Atmosphäre, hören Sie zu, vergessen Sie nicht zu loben
  5. Sorgen Sie für einen Konsens auf dem größten gemeinsamen Nenner.

ZanderHelmut Zander, Beirat im ReifeNetzwerk,
Ministerialrat i.R., 1977 bis 1984 Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Bundeswehr in Niedersachsen/Bremen; 1984 bis 1990 Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Landesregierung Niedersachsen (Bundesrats- und Landesfinanzministerium); 1990 bis 2005 Leiter der Protokoll- und Unternehmenseventabteilung der Deutschen Messe AG.

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