Stoppen Flüchtlinge den demografischen Wandel?

Flüchtlinge bei Ankunft

Foto: dpa

Bei der enorm steigenden Anzahl der Zuwanderer nach Deutschland stellt sich die Frage, ob dadurch der demografische Wandel abgeschwächt oder gar gestoppt werden kann. Die Frage muss mit nein beantwortet werden. Denn die Ursachen des demografischen Wandels werden dadurch nicht grundlegend verändert.

Die Bevölkerungszahl in Deutschland sinkt trotzdem
Derzeit haben wir in Deutschland 80 Mio. Einwohner, 2050 werden dies auch unter Berücksichtigung einer stärkeren Zuwanderung etwa 5 Mio. weniger Menschen sein. Besonders stark zurückgehen wird dabei die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland. Denn wenn die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre in Rente gehen, rücken nicht genügend Berufseinsteiger nach. Auch mehr Zuwanderer können den demografischen Wandel nicht ausgleichen. Nach Berechnungen der Vereinten Nationen müssten bis 2050 188 Mio. Menschen nach Deutschland einwandern, um das Verhältnis von Jüngeren zu Älteren konstant zu halten – eine unrealistische Zahl.

Die Lebenserwartung aller Einwohner erhöht sich weiter
Die steigende Lebenserwartung der Deutschen wird sich dank besserer Gesundheitsvorsorge und medizinischer Betreuung fortsetzen. Das heißt: Die Deutschen werden nach wie vor älter. Auch die Migranten altern im Laufe der Zeit und verstärken damit den Trend.

Die zahlenmäßig in den nächsten Jahren weiter zunehmende ältere Bevölkerung in Deutschland ist also nicht nur ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor, sondern stellt jedes Unternehmen vor die Frage, wie es sich auf diese Zielgruppe einstellen soll, wenn es von der sich verändernden Bevölkerungsstruktur profitieren will. Wir vom ReifeNetzwerk helfen gern dabei.

Luftverkehrsbranche + Serviceleistungen = Boom-Branche?

Airport Terminal Waiting Area and Flying AirplaneFast die Hälfte aller Menschen im Ruhestand verbringt ihre Freizeit mit Reisen. Sie tätigen zudem fast ein Drittel aller Urlaubsreisen der deutschen Bevölkerung. Dabei hat das Flugzeug als Verkehrsmittel für Urlaubsreisen bei älteren Menschen in den letzten 20 Jahren stetig an Wichtigkeit zugenommen Die Tourismusbranche kann somit in Bezug auf den demografischen Wandel als Boom-Branche bezeichnet werden. Insbesondere in Verbindung mit Serviceleistungen können ältere Menschen für Flughäfen lukrativer werden. Dies liegt zum einen daran, dass für mehr als die Hälfte der älteren Generation Serviceleistungen wichtig bzw. relevant sind. Zum anderen kann durch Serviceleistungen die Kundenbindung gefördert werden.

Daher muss sich auch die Luftverkehrsbranche damit auseinandersetzen, wie sie ihr Serviceangebot auf Flughäfen in Bezug auf ältere Menschen gestalten bzw. welche Serviceleistungen sie für diese Zielgruppe anbieten sollten, um deren Bedürfnisse nach Sicherheit, Selbständigkeit, Mobilität, Partizipation, Gesundheit und Lebensqualität zu befriedigen. Da die Hälfte der Senioren entweder Einschränkungen beim Hören oder beim Sehen und ein Viertel der älteren Menschen sogar Probleme mit beiden Sinnesorganen hat, ist es ebenfalls wichtig, den Flughafen an den altersbedingten Veränderungen der älteren Menschen auszurichten bzw. zu überprüfen, ob diese den Anforderungen genügen. So können der Verlust der Sehkraft sowie das Nachlassen der Farbwahrnehmung dazu führen, dass die Beschilderung im Flughafen seniorengerecht angepasst werden muss. Auch sollten z.B. Lautsprecherdurchsagen deutlich und nicht zu schnell gesprochen werden, da älteren Menschen das Filtern von Geräuschen, insbesondere wenn eine hohe Geräuschkulisse herrscht, schwer fällt. Zusätzlich können Einschränkungen im Bewegungsapparat dazu führen, dass Treppen vermieden und Rolltreppen bevorzugt werden. Insgesamt können durch Serviceleistungen diese Einschränkungen vermindert werden und sie können dabei helfen, den Aufenthalt eines Seniors im Flughafen angenehmer zu gestalten. Diese Optimierungen sind denkbar bei Parkmöglichkeiten, Orientierungshilfen (z.B. Beschilderung), Check-in Service, Anreisemöglichkeiten zum Flughafen, Gepäckwagen, Sitzgelegenheiten, Gepäckträgerservice und in den sanitären Anlagen. Für ältere Menschen kann z.B. ein Shuttle-Service, der sie zu Hause abholt und bis vor das Terminal bringt, von Bedeutung sein, damit diese nicht auf andere Personen als „Bringer“ angewiesen sind und ihre Selbständigkeit wahren können. Ebenso lässt sich vermuten, dass aufgrund des Bedürfnisses nach Lebensqualität und damit verbunden nach Komfort ein Park&Sleep&Fly-Angebot eines Flughafenhotels für ältere Menschen, insbesondere für Personen mit einem längeren Anreiseweg, wichtig sein kann. Aufgrund der Abnahme der Muskelkraft kann es älteren Menschen schwerer fallen, ihr Gepäck zu heben oder für längere Zeit in der Warteschlange beim Check-in Schalter zu stehen. Daher kann ein Gepäckträgerservice, der das Gepäcktragen übernimmt, eine Serviceleistung sein, die Senioren in Anspruch nehmen. Weiterhin wäre ein Gepäcklieferservice, durch den das Gepäck per Paket versendet oder per Lieferservice befördert wird, u.U. hilfreich. Vor allem für ältere Menschen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen anreisen und sich so den Transport des Gepäcks mit öffentlichen Verkehrsmitteln ersparen, könnte dieser Service von Bedeutung sein. Außerdem können durch einen Check-in Service, bei dem der Check-in vom Flughafenpersonal übernommen wird, die Schwierigkeiten beim längeren Stehen umgangen werden.

Aus den oben genannten Gründen sollten also die Betreibergesellschaften von Flughäfen ihren Airport auf Seniorentauglichkeit untersuchen und spezielle Serviceleistungen für sie anbieten, um die Zielgruppe der Senioren weiter zu erschließen bzw. ihnen einen Aufenthalt angenehmer zu gestalten.

 

IMG_0012Lisa Denise Engelke ist Studentin der Hochschule Hannover im Master Unternehmensentwicklung, Bachelor of Science Betriebswirtschaftslehre, Abschlussarbeit: Analyse der Bedürfnisse der Generation 60plus zur Ableitung von Serviceangeboten für einen norddeutschen Flughafen.

 

10 Jahre ReifeNetzwerk: Der Absatz- und Personalmarkt für Ältere nimmt an Fahrt auf

RNW-Logo-10JahreVor zehn Jahren, am 17. November 2005, gründete ich mit Kolleginnen und Kollegen in Hannover das ReifeNetzwerk. Das gemeinsame Ziel war, Unternehmen beim Einstieg in den wichtigen und wachsenden Markt für ältere Menschen zu unterstützen, da diese (Ziel-) Gruppe sowohl als Konsumenten als auch für den Arbeitsmarkt immer wichtiger wird. Also weg von der Fokussierung auf den Jugendmarkt hin zu den Älteren, die andere Bedürfnisse und Erfordernisse haben als die Jungen, aber treibende Kräfte in Wirtschaft und Gesellschaft sind.

Vor zehn Jahren wurden die Expertinnen und Experten des ReifeNetzwerks noch als Exoten angesehen. Doch das hat sich im Laufe der Jahre geändert. Älterwerden ist ein sensibles Thema. Menschen ab 50 – sogenannte Best Ager – wollen nicht über das Alter angesprochen werden. Wie wichtig die richtige Ansprache ist, zeigen Studien, die unter anderem auch vom ReifeNetzwerk durchgeführt wurden. So wurde auch der Begriff PEGGI’s kreiert. Das bedeutet: Persönlichkeit – Erfahrung – Geld – Geschmack und Interessen. Der Begriff hat sich zwar nicht durchgesetzt, die Bedeutung aber schon. Um es kurz zu machen: die Ansprache über das Alter funktioniert – von einigen Ausnahmen abgesehen – ab Mitte 70. Davor empfiehlt sich die Ansprache über Interessen und Themen wie Sicherheit rund um das Haus, Barrierefreiheit, Gesundheit und komfortables Reisen. In allen Fällen gilt: Angebote und Produkte dürfen nicht den Anschein erwecken, Lösungen für Alter, Krankheit oder Gebrechlichkeit zu sein. Hier haben Unternehmen eine Menge dazu gelernt, auch – so hoffen wir – durch unsere Arbeit.

Die Digitalisierung verändert die Welt
Die zunehmende Digitalisierung und Komplexität in Wirtschaft und Beruf ergeben ganz neue oder andere Bedürfnisse und Erfordernisse. So werden so „alte Tugenden“ wie Beratung und Service bei den Konsumenten wieder ganz groß geschrieben. Wenn sich heute eine Frau Anfang 60 ein neues Telefon kauft, möchte sie kein Seniorentelefon, das sie stigmatisieren könnte, sondern ein schickes Mobiltelefon. Wenn sie keine Kinder oder Enkel hat, die ihr die Bedienung erklären, möchte sie eine kompetente Beratung, die ihr nicht das Gefühl gibt, sie sei ein wenig beschränkt. Das Gefühl wird einem durchaus vermittelt, wenn man an einen smarten Verkäufer gerät, der zwar lauter, aber nicht verständlicher spricht. Das Thema lässt sich auf alle Bereiche ausdehnen.

Beispiel Beipackzettel – sei es bei Medikamenten oder bei Kosmetik: sie sind so klein oder unverständlich, dass nicht nur Ältere zumindest eine Brille braucht, um sie lesen zu können. Einige Unternehmen haben das erkannt und gehen hier mit gutem Beispiel voran – ein Beweis, dass Probleme lösbar sind, wenn man die Bedürfnisse der Verbraucherinnen und Verbraucher im Auge hat.

Menschen, die früher gern einkaufen gingen, fühlen sich inzwischen häufig überfordert vom immer unübersichtlicher werdenden Angebot. Folgender Fall: Die gesuchten Produkte sind umgeräumt, die wenigen Verkäuferinnen und Verkäufer zwar oft kompetent, aber schwer zu finden. Hier würden sich viele einen Einkaufsberater wünschen. Daher weichen zunehmend auch ältere Menschen immer häufiger auf Onlinebestellungen aus, da sie so in Ruhe bestellen können und die Ware auch noch geliefert bekommen. Nicht nur im Einzelhandel – sondern für alle Lebensbereiche – gilt: Service wird in einer komplexen Welt ein Wettbewerbsvorteil für Unternehmen werden. Daher sollten sie die älteren Mitarbeiter auch als interne Ratgeber nutzen und sie verstärkt in Beratung Service einsetzen. Die Experten des ReifeNetzwerks unterstützen Unternehmen dabei gern mit ihrer langjährigen Erfahrung.

 

Monika PröttMonika Prött ist Inhaberin der PRÖTT & PARTNER GbR – Ansprechpartner für anspruchsvolle Kommunikation, speziell in den Branchen Finanzen, Ernährungsindustrie, Gesundheitsmarkt. Sie hat „Das ReifeNetzwerk“ initiiert und die Deutsche Seniorenpresse Arbeitsgemeinschaft e.V. (dsp) mitgegründet.