Inkontinenzprodukte? Cool bewerben?

Werbung für Inkontinenzprodukte? Sicher kein leichtes Thema für eine Werbeagentur. Dabei hat etwa jeder Zehnte seine Blase nicht im Griff – ca. sechs bis acht Millionen Menschen in Deutschland leiden an Inkontinenz. Sowohl Männer als auch Frauen können betroffen sein, wobei Frauen durchschnittlich zwei- bis viermal häufiger daran leiden als Männer (www.harninkontinenz-info.de). Zunehmende Blasenschwäche im Alter ist allerdings für die Betroffenen häufig ein Tabuthema.

Abhilfe ist zwar vorhanden – Inkontinenz ließe sich gut in den Griff kriegen und wäre damit eigentlich recht harmlos – wäre da nicht die Scham, insbesondere bei Männern. Was also tun für einen Hersteller von Inkontinenzprodukten, um seine Produkte an den Mann zu bringen und dabei gleichzeitig alle Klippen dieses etwas „schlüpfrigen“ Themas souverän zu umschiffen?

Stirling Gravitas – © SCA Hygiene Products AB

Inkontinenz? Kein Thema für Stirling Gravitas – © SCA Hygiene Products AB

Die Werbeagentur AMV BBDO aus London hat es geschafft, für den Hygieneartikelhersteller Tena einen Spot zu entwickeln, dem dies auf originelle Weise gelingt: Die Hauptfigur des Spots – Stirling Gravitas – ist ein Mann, der es gewohnt ist, in sämtlichen Lebenslagen absoluter Chef im Ring zu sein und die volle Kontrolle innezuhaben. Plötzlich im Wohnzimmer auftauchende Löwen, Jonglieren mit rotierenden Kettensägen, barfuß über glühende Kohlen wandeln oder Medizinbälle auf den Zeigefingern spinnen… Peanuts für Stirling Gravitas. Klar, dass sich so einer von verstärktem Harndrang oder Blasenschwäche nicht beeindrucken lässt und natürlich auch hier die volle Kontrolle behält  – mit TENA Men. Das kommt dank des selbstironischen Untertons durch gnadenlose Übertreibung supercool rüber und plötzlich macht es Spaß, sich einen Spot für Inkontinenzprodukte mehrmals hintereinander anzuschauen.

Mitte März 2015 fiel mit der Veröffentlichung des Spots im Internet der Startschuss der Kampagne, die auf humorvolle Weise zur Enttabuisierung von Blasenschwäche beigetragen soll. Eine reichweitenstarke Anzeigenkampagne in der „Bild am Sonntag“, dem „Fokus“ und weiteren männeraffinen Titeln soll zusätzliche Aufmerksamkeit schaffen. Natürlich hat Stirling Gravitas auch einen (englischsprachigen) Twitter-Account, auf dem er weitere Einblicke in seinen Mach(o)er-Kosmos gewährt:

„Warum eine Uhr tragen, wenn du entscheiden kannst, wie spät es ist?“

„Kann ich das mit etwas Extra-Gluten bekommen?“

„Wer möchte meine nächste Ex-Frau werden?“

Bei soviel Selbstbewusstsein nimmt man es ihm selbstverständlich auch ab, wenn er sagt: „Inkontinenz passiert. Komm’ damit klar.“

Unser Fazit: Glückwunsch an Agentur und Kunden. Gelungene Umsetzung, Ziel erreicht, alle Daumen hoch!

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