Seniorenauto – gibt’s das?

Seniorenauto“Man darf Produkte für Senioren machen – aber man darf nie sagen, dass sie für Senioren sind.” Sätze wie diese hatten fast Mantra-Charakter unter den Marketingverantwortlichen mit Zielgruppen über 50. Gern wurde noch spöttelnd hinzugefügt: “Auch wenn die 70 und 80 sind – alte Leute wollen die alle nicht sein!”

In der Tat: die faktische Zielgruppe sollte man nicht mit der “Kommunikationszielgruppe”  verwechseln! Identisch müssen die beiden nicht zwangsläufig sein. Nur sollte man bei dieser feinsinnigen Differenzierung aufpassen, dass nicht irgendwann der Schwanz den Hund wackelt. Auch Marketingleute sind Menschen! Sie laufen Gefahr, auf ihre eigenen faltenfreien Bilder hereinzufallen und sich an einem Kundenbild zu orientieren, dass es da draußen gar nicht mehr gibt.

Doch nun scheinen die Zeiten dieser verdrucksten Camouflage-Kommunikation ja zu Ende zu gehen, jedenfalls was die sogenannten Senioren und ihre Fahrzeuge angeht. Denn nach allem was man liest, kann man sagen: Das Seniorenauto gibt es!

Für diese Erkenntnis genügt ein einfacher Google-Test:das Wort generiert gerade aus der jüngeren Vergangenheit munter Treffer.

Eine große Marktübersicht im Handelsblatt bzw. in dem Gebrauchtwagen-Portal “MeinAuto” aus dem vergangenen November präsentiert mal eben über 15 Modelle der bekannten Hersteller, meist unter 20.000€. Die Autoren des Artikels wissen, worauf die älteren Fahrerinnen und Fahrer Wert legen: erhöhte Sitzposition, Beinfreiheit und gute Rundumsicht. In Zeiten der SUVs, Mini-SUVs und Mini-Vans gibt es da große Auswahl.

In den gängigen redaktionellen Tests werden die Fahrzeuge ebenfalls schon längst auf ihre “Seniorentauglichkeit” geprüft, hier sind 2 Beispiele:

Und Fokus betitelt die A-Klasse schon den “Senioren-Golf von Mercedes”. Keine Frage also: Der “Markt” kennt Seniorenautos.

Doch wie äußern sich die Hersteller selbst? Haben sie denn ein Seniorenauto im Sortiment?

Da sieht es leider noch düster aus, wie ein Kurzcheck ergab: wir haben die Worte “Senioren”, “senior” und “barrierefrei” in den Suchmasken der jeweiligen Homepages ausprobiert. Gefunden haben wir – fast nichts!

Da gibt es verschiedene “Senior Vice Presidents” und Kollegen sowie “Senior Golf-PGA-Tours“. Etwa 10 verschiedene Links dieser Art – aber danach hatten wir ja nicht gesucht.

Bei 3 Herstellern war zumindest erkennbar, dass “senior” auch ein Attribut der eigenen Kundschaft sein kann:

  • Mercedes: ein link zu einer Beratung für barrierefreies Leben
  • Volkswagen: zwei Hinweise auf das Eigenengagement einzelner Mitarbeitergruppen rund um Senioren
  • Porsche: Zwei Berichte von einer “weißt-Du-noch-Tour” mit Senioren

Und einer (!) aus unserer kleinen Stichprobe hatte dann doch tatsächlich noch ein richtiges Auto für diese merkwürdige Zielgruppe:

  • Opel: Innerhalb einer Kurzvorstellung des Opel Meriva.
    Der Meriva ist ein Auto “…entwickelt für Familien mit kleinen Kindern und aktive „Best Ager…”

“Seniorenauto” hieß es nicht, aber darauf kam es ja nicht an. Man konnte es finden, wenn man es suchte. Na also, geht doch! Verliert Opel jetzt Marktanteile, seit die Menschheit vor dieser brisanten Information nicht mehr geschützt wird? Wohl kaum.

Keinerlei relevanten Text zu unseren 3 Suchbegriffen fanden wir bei BMW, Audi, Fiat, Ford. Auch “barrierefrei” – null-komma-null!

Fazit: Das Seniorenauto ist wohl bekannt unter den Zeitungs- und Magazinlesern. Es kann an Tests teilnehmen, von Händlern rabattiert werden und seiner Zielgruppe mehr oder manchmal auch weniger gefallen. Bloß Informationen dazu, die rücken fast alle Hersteller nicht raus.

Ist Marketing so kompliziert oder sind da nur einige Strategien etwas unreif?

Wenn Sie Ihre Kommunikation etwas reifer, unverkrampfter und eben offener auf ihre wirkliche Zielgruppe einstellen wollen: sprechen Sie mit uns! Wir von das ReifeNetzwerk unterstützen Sie gern.

 

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