Amazon startet Store „50+ Active & Healthy Living“

amazon-shop-50-plus-300x180Es hat sich zwar inzwischen herumgesprochen, dass 50plus eine der kaufkräftigsten Zielgruppen überhaupt ist. Galt bisher die Gruppe der 14-49-Jährigen als vielversprechendste Konsumentengruppe, wird diese enge Begrenzung inzwischen von vielen Werbetreibenden auf 14-59 Jahre ausgeweitet. Allerdings ist in der öffentlichen Wahrnehmung davon derzeit kaum etwas zu spüren.

Aber das könnte sich bald ändern, denn jetzt hat mit Amazon.com der weltweit größte Online-Händler die zahlungskräftige 50plus Generation für sich entdeckt und startet eine entsprechende Shopping-Rubrik auf seiner Online-Plattform. Ab sofort bietet Amazon.com unter der Rubrik „50+ Active & Healthy Living“ in den USA Produkte speziell für die Generation(en) 50plus an. Dazu gehören mehrere hunderttausend Ernährungs-, Wellness-, Fitness- und Medizin-, Beauty- und Entertainment-Produkte für Best Ager. Besonders interessant scheint die Möglichkeit, Produkte über „Subscribe & Save“ für einen individuell festlegbaren Zeitraum zu abonnieren und dafür einen Preisnachlass zu erhalten. Darüber hinaus können sich Besucher der Seite auch Tipps rund um die die Themen Gesundheit, Pflege oder gesunde Ernährung holen.

Die Startseite präsentiert sich übersichtlich und gut strukturiert, Schriften sind ausreichend gut lesbar, auch wenn man vielleicht auf die ausschließliche Verwendung von Großbuchstaben in den Rubriken hätte verzichten sollen. Die Produktauswahl und die Bestellprozesse sind amazontypisch gewohnt einfach.

Amazon hat damit die Zeichen der Zeit erkannt, denn in den USA wird bereits 2015 die Generation der Best Ager 45 % der Bevölkerung ausmachen, schätzen Marktforscher. Mit diesem Vorstoß könnte Amazon der Erschließung des Marktsegments 50plus einen kräftigen Schub nach vorne verleihen. Denn wenn der größte Online-Player der Welt sich diesem Segment widmet, dürfte dies sicher bald eine Reihe von Nachahmern finden.

Bleibt ein großer Wermutstropfen: Etwas entsetzt muss ich als kaufwilliger 50plus-Konsument feststellen, dass ich beim Besuch der Seite als Erstes mit den Themen „Health Care“, „Medical Supplies“ und sogar „Incontinence“ konfrontiert werde! Windeln und Rollatoren statt Entertainment und Travel – da frage ich mich unwillkürlich: Wer soll hier mit Spaß stöbern, auf einer Plattform, die einem erst einmal in Wort und Bild klarmacht, dass man alt ist? Die Generation(en) der über 50-Jährigen – geprägt durch Flower Power, Woodstock, Punk, Kampf um Selbstbestimmtheit und Emanzipation – soll jetzt mit Vitaminpräparaten, Haarwuchsmitteln und Erste-Hilfe-Geräten geködert werden? Amazon scheint dem a-k-g-Syndrom™ (alt-krank-gebrechlich-Syndrom™)* verfallen zu sein. Ältere Konsumenten werden hier wie so häufig in erster Linie über ihre Defizite bzw. verlorenen Fertigkeiten angesprochen. Dabei fühlen sich die Älteren für ihr kalendarisch erreichtes Alter gut, rüstig und noch ganz schön fit. Von der falschen Ansprache bis zur völligen Ablehnung des Produktes aber ist es oft nur ein kleiner Schritt.

Deshalb meine Empfehlung: Schon eine kleine Umstrukturierung der Rubriken wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung. Die Rubriken „Beauty“, „Travel & Leisure“ und „Entertainment“ gehören in die erste Reihe statt in die letzte. Die Gesundheitsrubriken könnten zusammengefasst und damit auch das ungeliebte Thema Inkontinenz aus dem direkten Blickfeld gerückt werden. Die Produktauswahl sollte sich eher am Selbstbild der angesprochenen Zielgruppe orientieren, die sich häufig 10-15 Jahre jünger als ihr biologisches Alter fühlt. Wichtige Produktbereiche wie Musik oder Technik fehlen komplett und sollten dringend ergänzt werden.

Der richtige Schritt von Amazon, sich einer bisher vernachlässigten Zielgruppe zuzuwenden, kann in seiner Bedeutung für die Erschließung des Marktes 50plus gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wenn jetzt noch Ansprache und Produktauswahl optimiert werden, würde ich mich auch auf die Eröffnung eines deutschen Amazon-50plus-Shops freuen.

*Mehr zum a-k-g-Syndrom™ von unserem Netzwerk-Partner Dr. Udo E. Marten

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